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Riskantes Haustürgeschäft : Von britischer Teerkolonne reingelegt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Polizei warnt vor Haustürgeschäften mit reisenden Handwerkern. Ose Rehder aus Silberstedt weiß es jetzt auch besser. Sie ist um 3000 Euro ärmer.

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2015 | 07:05 Uhr

Das hatte sich Ose Rehder aus Silberstedt ganz anders vorgestellt. Statt auf einen frisch geteerten ebenen Hofplatz blickt sie auf eine wellige, mit grauem Split bedeckte Fläche. Ose Rehder hatte bei einem Haustürgeschäft das Angebot reisender Handwerker angenommen, ihren Hofplatz neu zu teeren – und wurde reingelegt.

Vor einer Woche hatte morgens um 10 Uhr plötzlich ein Fahrzeug hupend auf ihrem Hof gestanden. Der Fahrer, er sprach mit englischem Akzent, bot ihr an, mit Restmaterial, das er auf seinem Fahrzeug hatte, für wenig Geld den Hofplatz neu zu teeren. Ose Rehder (45) telefonierte mit ihrem Mann. Er sagte ja, und so sagte auch sie ja zu den Handwerkern. Erst im September hatten Ose und Olaf Rehder den Resthof bezogen. Den Hofplatz neu zu teeren, stand an, aber nicht ganz oben auf der Liste.

Der Handwerker sei freundlich gewesen, sagt Ose Rehder – „eine sympathische Erscheinung“. Zehn Euro für die Arbeiter wollte er haben. Eine halbe Stunde später waren zwei Bauarbeiter erschienen. Die Fahrzeuge – ein gelber MAN-Kipper und ein großer Sprinter – hätten ausländische Kennzeichen gehabt. Ose Rehder bat ihre Mutter zu kommen, um eine Zeugin zu haben.

Zunächst reinigten die Männer den Hof, stachen die Ränder ab und walzten die Fläche. „Sie haben alles schier gemacht“, sagt Rehder. Dann brachten sie die erste Lage Teer – „oder was auch immer es war“ – auf. Und das kam Rehder schon etwas spanisch vor. „Flüssig wie Gülle kam das da raus“, erinnert sie sich. Nachdem eine Lage gegossen worden war, verteilten die Arbeiter darauf Splitt. Zur Befestigung, wurde ihr erklärt. Es folgte eine zweite Schicht Teer und abermals Splitt.

„Auf einmal gab es eine Preisänderung“, sagt Rehder. Statt der zehn Euro je Arbeiter wollte der Kolonnenführer nun zehn Euro pro Quadratmeter. „Er drückte sich ja nicht klar aus. Es war immer schwierig, ihn zu verstehen.“ Glatt 3000 Euro sollte die Arbeit nun kosten. Das kam Ose Rehder immer noch günstig vor. Dann erhielt der Vorarbeiter einen Anruf. „Das war ihre Masche“, vermutet sie heute. Der Mann erklärte plötzlich, er müsse dringend nach Hamburg, vorher bräuchte er aber das Geld. Ose Rehder fuhr, begleitet von dem Vorarbeiter, zu ihrer Bank nach Schleswig und zahlte die Summe.

„Als ich auf eine Rechnung bestand, hat er mir einen Zettel gegeben“, sagt Ose Rehder. Darauf ist eine französische Firma als Auftragnehmer angegeben. Als sie nach Hause zurückkehrte, waren die Arbeiter verschwunden – und die Einfahrt lag voller Splitt. „Das sah nicht gut aus. Die Enttäuschung war groß. Abends sah man schon die ersten Dellen. Nach drei Tagen kam das Gras wieder zwischen den Steinen hervor.“

Rehder ging zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Dort machte man ihr wenig Hoffnung, die Handwerker für ihren Pfusch zur Rechenschaft ziehen zu können. Eindringlich warnte die Polizei dieser Tage vor Haustürgeschäften und davor, reisenden Handwerkern auf den Leim zu gehen.

Denn Ose Rehder ist kein Einzelfall: Zwischen 20 und 30 Meldungen über reisende Handwerker habe die Polizei im Kreisgebiet in den vergangenen Wochen registriert, erklärt Mandy Lorenzen von der Pressestelle der Polizeidirektion Flensburg. Zum einen seien Rumänen aufgefallen, die von Tür zu Tür gehen und Hilfsarbeiten anbieten. „Das ist nicht verboten“, sagt Lorenzen. Mit denen gebe es in der Regel keine Probleme und kaum Schäden. Zum anderen zog eine „britische Teerkolonne“, wie die Polizei sie getauft hat, durch die Region. Gesehen wurden sie im gesamten Kreisgebiet von Selk und Kropp über Taarstedt bis nach Kappeln und von Handewitt über Schleswig bis nach Bergenhusen. In der Woche zuvor kamen ähnliche Meldungen aus dem Kreis Nordfriesland.

Ose Rehder ist sauer, dass sie sich so hat reinlegen lassen. „Ich würde mich normalerweise nicht als doof einstufen“, sagt sie. Aber von dieser Betrugsmasche habe sie zuvor noch nie etwas gehört, und auch im Freundes- und Bekanntenkreis sei nichts darüber bekannt gewesen. Sie hat bei der Firma angerufen und sich beschwert. Wenn sie nicht zufrieden sei, müsse man noch einmal kommen, habe man ihr geantwortet. Der erste vereinbarte Termin verstrich und auch der zweite – erschienen ist niemand. Seit vergangenem Freitag sind bei der Polizei keine neuen Hinweise eingegangen – offenbar sind die reisenden Handwerker weitergezogen.

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