Expressionisten-Ausstellung : Von Berlin direkt nach Gottorf

Museumsleiter Dr. Jürgen Fitschen: 'Im Grunde ist die Auseinandersetzung mit dem Expressionismus bis heute nicht zu Ende'.
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Museumsleiter Dr. Jürgen Fitschen: "Im Grunde ist die Auseinandersetzung mit dem Expressionismus bis heute nicht zu Ende".

Landesmuseum zeigt seit gestern Expressionisten-Ausstellung mit "Liebermanns Gegnern"

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18. Juli 2011, 10:00 Uhr

Schleswig | Für die Landesmuseen ist dies einer der Höhepunkte des Jahres: Die Ausstellung "Liebermanns Gegner. Die Neue Secession in Berlin und der Expressionismus" ist gestern in der Reithalle eröffnet worden. Es ist eine Entdeckungsreise in den jungen, ungezähmten deutschen Expressionismus. Schrill und bunt, verwegene und verstörende Formen - diese Erscheinungen sind typisch für expressionistische Werke aus den Jahren vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Zu sehen sind Bilder bekannter Künstler wie Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Georg Tappert und Max Pechstein, aber auch zahlreiche weniger bekannte Namen sind vertreten. Gerade diesen Aspekt hoben Dr. Jürgen Fitschen, Direktor auf der Schlossinsel, und Monika Grütters, Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundestags, bei der Vernissage zur Ausstellung hervor.

"Im Grunde ist die Auseinandersetzung mit dem Expressionismus bis heute nicht zu Ende", sagte Fitschen. Er sprach von einer "Lücke in der Kunstgeschichte", die das Kapitel der "Neuen Secession" bisher dargestellt habe. Dabei geht es um eine Gruppe von jungen Expressionisten, deren Bilder Max Liebermann als Leiter der "Berliner Secession" für seine Ausstellung 1910 ablehnte. Die Zurückgewiesenen um Georg Tappert organisierten daraufhin eine eigene Ausstellung - und es folgten vier Jahre weitere Schauen, man schrieb bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs bedeutendste Kunstgeschichte. Die Gottorfer Ausstellung vermittelt einen Eindruck dieses Schaffens und zugleich das Ergebnis von zwei Jahren intensiver Vorbereitung und Kooperation. Auf Seiten der Stiftung Brandenburger Tor kuratierte Anke Daemgen die Ausstellung, für das Landesmuseum übernahm Dr. Uta Kuhl diese Aufgabe.

Bis vor zwei Wochen war die Ausstellung am Pariser Platz in Berlin zu sehen. Die CDU-Politikerin Grütters lobte die enge und effektive Zusammenarbeit - und machte dem Norden Mut, solche Projekte zu wiederholen: "Gerade die Hauptstadt neigt ja dazu, etwas dominant die Kultur an sich zu binden. Das ist es nur folgerichtig, wenn auch hier ein Anspruch darauf erhoben wird."

Dabei sind längst nicht alle Bilder Leihgaben aus Berlin. Manche Besucher staunten gestern, wie viele der Werke aus dem Bestand des Landesmuseums selbst stammen: "Das ist eine gute Gelegenheit, diese Kunstschätze einmal öffentlich zu zeigen", fand Katrin Gick aus Schleswig, die zusammen mit ihrer Tochter Anna Lina zur Eröffnung gekommen. Ihr Fazit: "Eine wunderbare Ausstellung."

Vor dem Bild "Alte Jungfer Wellbrock" blieben Jutta und Hans-Dieter Lindberg stehen. Kein typisches Bild für einen expressionistischen Maler wie Georg Tappert. Ein in Braun- und Schwarztönen gehaltenes Weib mit Kartoffelnase, im schmutzigen Rock und mit stierendem Blick über einige Flaschen Alkoholika. Wer sonst hatte, kurz nach der Jahrhundertwende, schon einen Blick und dann auch den Mut, die Trostlosigkeit einer solchen Szene einzufangen?

Die Ausstellung ist noch bis zum 23. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

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