Begehrte Rinder : Von Angeln nach Italien

Die Angelner Rinder sind in im italienischen Parma für ihre Milch bekannt.
Die Angelner Rinder sind in im italienischen Parma für ihre Milch bekannt.

In der Region Parma ist das Angelner Rind aufgrund seiner fettigen Milch besonders beliebt.

shz.de von
13. März 2018, 12:20 Uhr

Schinken, Parmesan und Mozzarella: Das sind die kulinarischen Aushängeschilder der norditalienischen Region Parma. Ein Gebiet, in dem die Lebensmittelindustrie einen hohen Stellenwert hat. Nudelgerichte ohne den zerriebenen Parmesan als kräftige Geschmacksvariante – kaum denkbar. Die Herstellung des Parmesans unterliegt strengen Regeln, er darf nur in einer bestimmten Region hergestellt werden, zu der 512 Molkereien mit 5480 Milchproduzenten gehören. Das Besondere ist der hohe Fettgehalt des Käses mit mindestens 32 Prozent.

Und an dieser Stelle kommt 1500 Kilometer weiter nördlich die Region Angeln mit ihrem Angler Rind ins Spiel. Die Milchkuh wird seit 180 Jahren in Angeln gezüchtet – eine regionale Erfolgsgeschichte. Der hohe Fettgehalt der Milch und die Inhaltsstoffe machten das Tier zu einer begehrten Milchkuh, die trotzdem noch einen hohen Fleischanteil hat.

Das Zentrum der Züchtung lag lange mit dem Zuchtverband des Angler Rindes in Süderbrarup. In den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gingen von Süderbrarup aus ganze Güterzüge mit Angler Rindern Richtung Sowjetunion, dort gibt es in Sibirien heute noch große Herden dieser Art. 1992 fusionierte die Zuchtstation Süderbrarup mit der Rinderzucht Schleswig-Holstein in Neumünster. Eine kleine Gruppe ist aber weiterhin in der Außenstelle Süderbrarup aktiv. Sie hat etwa 10 500 Rinder in ihren Zuchtbüchern vermerkt. Claus-Peter Tordsen ist als Zuchtberater und Vermarkter in Süderbrarup und Neumünster tätig.

Er erzählt vom Rückgang der Beliebtheit des Tieres. Schuld sei das sich verändernde Verbraucherverhalten. Die Menschen wollten immer weniger Fett in der Nahrung. Daher waren Tiere mit hoher Milchleistung, aber wenig Fett gefragt. In der Region Parma habe man diese Entwicklung mit Sorge gesehen, da für den echten Parmesan ein hoher Milch- Fettgehalt Voraussetzung für eine gute Käseproduktion ist. Über Experten und Händler wurde ein Kontakt nach Süderbrarup zu den dortigen Rinderzüchtern hergestellt.

Aus den Unterlagen erkannten die Milchbauern der Region Parma schnell den hohen Fett- und Eiweißgehalt des Angler Rindes. Die Konsequenz ist ein reger Handel. Die rote Kuh aus Angeln erobere die Ställe in der Parma-Region, so Tordsen. Bis heute werden immer wieder Tiere mit dem Lkw nach Italien gebracht. In diesen Tagen geht wieder ein Transport mit 32 weiblichen Rinder, die noch nicht gekalbt haben, nach Norditalien.

Aber auch der Handel mit Samen, der von etwa 20 Bullen für die künstliche Befruchtung produziert wird, ist ausgeprägt. Der Rinderzuchtverband Schleswig-Holstein pflegt die guten Beziehungen mit Italien durch jährliche Besuche der Landwirtschaftsmesse in Cremona. Zudem gibt es regelmäßig Besuche bei Landwirten und Molkereien der Region Parma. „Wir registrieren dort eine ausgesprochen positive Stimmung“, beschreibt Claus-Peter Tordsen den Besuch im vergangenen Jahr. In den Gesprächen mit den italienischen Landwirten werden auch immer wieder verschiedene Zuchtwünsche geäußert. Für die Züchter der Tiere ist es interessant, dass die Nachfrage nach höherem Fettgehalt in der Milch inzwischen auch in Deutschland wieder zunimmt.

„Es geht bei der Zucht nicht nur um den Fettgehalt in der Milch“, macht Zuchtberater Tordsen aber deutlich. Immer wieder wird von den Zuchtexperten das gesamte Tier beurteilt. Da geht es auch um die Beine, die Euterbeschaffenheit, die Kalbung und die Fruchtbarkeit der Tiere.


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