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Sicherheitspolitischer Empfang in Schleswig : Vom Umzug in die jordanische Wüste

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kommodore Kristof Conrath berichtet über die Mission der Jageler Soldaten im Kampf gegen den IS.

von
erstellt am 07.Okt.2017 | 07:41 Uhr

Erst am Vortag waren vier Bundeswehr-Tornados auf dem Stützpunkt Al-Asrak eingetroffen. Das Thema war also topaktuell, als Oberst Kristof Conrath, Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“, am Donnerstagabend im Ständesaal über die Truppen-Verlegung nach Jordanien referierte. Zum dritten Mal hatten die Stadt Schleswig und der Arbeitskreis Reserveoffiziere Schleswig/Flensburg gemeinsam zum sicherheitspolitischen Empfang ins Rathaus geladen. Dass diese Veranstaltung weit mehr bedeutet, als die enge Verbindung zum einzig verbliebenen Bundeswehr-Standort im Raum Schleswig zu demonstrieren, wird beim Blick auf das Weltgeschehen deutlich. Bürgermeister Arthur Christiansen formulierte es vor den mehr als 50 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft so: „Wir leben in einer Phase, in der wir unsere Werte und unsere Freiheit verteidigen müssen.“ Und Oberst a.D. Detlef Thull, Vorsitzender des Arbeitskreises, ergänzte, dass innere und äußere Sicherheit spätestens seit den Flüchtlingsströmen nach Deutschland keine Selbstläufer mehr seien.

Soldaten des Geschwaders aus Jagel und Kropp sind mittendrin im internationalen Kampf gegen den islamistischen Terror, der die westliche Welt vor immer größere Herausforderungen stellt. In Afghanistan, in Mali und seit Anfang 2016 mit Aufklärungsflügen über Syrien und dem Irak. In den vergangenen zweieinhalb Monaten musste das deutsche Kontingent umziehen von der Luftwaffenbasis im türkischen Incirlik zum Stützpunkt Al-Asrak in Jordanien. „Wir sind von den Jordaniern ganz herzlich aufgenommen worden“, berichtete Kommodore Conrath. Eine heimische Firma habe innerhalb kurzer Zeit die Infrastruktur für die rund 200 deutschen Soldaten auf der Basis nahe der Hauptstadt Amman hergerichtet. Das Jageler Geschwader stellt 80 Männer und Frauen sowie einen der vier Tornados. Die anderen drei Jets kommen vom Taktischen Luftwaffengeschwader 33 in Büchel (Rheinland-Pfalz).

Conrath erläuterte, dass der Flug ins Einsatzgebiet von Al-Asrak aus etwa zehn Minuten weniger dauere als von Incirlik aus. Dennoch seien die Bedingungen am neuen, in der Wüste gelegenen Standort als andere als einfach. „Man kann wegen der Hitze kaum ins Flugzeug einsteigen, ohne sich die Finger zu verbrennen.“ Die vorhandenen Shelter könnten nicht genutzt werden, weil sie für F-16-Jets gebaut und somit für Tornados zu klein seien. Allerdings habe man Planen gespannt, um die Maschinen vor der Sonneneinstrahlung zu schützen.

Die Tornados liefern Aufklärungsbilder für die Mission der internationalen Allianz gegen die Kämpfer des „Islamischen Staats“ (IS). Von Incirlik aus habe es 1100 Flüge gegeben, bei denen mehr als 10  000 auswertbare Fotos geschossen worden seien, berichtete Conrath. Die Bundeswehr hatte die dortige Luftwaffenbasis wegen des eskalierenden Streits zwischen Ankara und Berlin verlassen.

Und wie ist es um die Sicherheit für die Soldaten am neuen Standort bestellt? „Jordanien ist eines der stabilsten und sichersten Länder im Nahen Osten“, sagte Conrath. Dennoch dürfe man die Sicherheitslage nicht unterschätzen. So kämpften Schätzungen zufolge 2000 bis 3000 Jordanier auf Seiten des IS, und die könnten irgendwann zurück in ihre Heimat kommen. Auch habe es im Land bereits Anschläge gegeben. Conrath erklärte, dass die Soldaten das Camp, in dem neben Jordaniern auch Soldaten aus den USA, Belgien und den Niederlanden untergebracht sind, nur zu dienstlichen Zwecken verlassen dürften.

Die Sorgen eines Zuhörers, ob denn die Scharia, das islamische Recht, gegebenenfalls auch auf Bundeswehrsoldaten angewendet werden dürfe, versuchte der Kommodore zu entkräften. „Die Scharia gilt nur für Jordanier, die deutschen Soldaten unterstehen grundsätzlich der deutschen Gerichtsbarkeit.“ Ein formales Abkommen stehe kurz vor der Unterschrift.

Conrath ging auch auf die Ausbildung der Tornado-Piloten ein, die in diesem Frühjahr von Holloman (US-Bundesstaat New Mexico) nach Jagel verlegt wurde – und die zu einer Zunahme des Flugbetriebs geführt hat. Gerade die sogenannten Platzrunden, bei denen die Landeanflüge geübt werden, seien wichtig. „Mir ist bewusst, dass wir etwas mehr Lärm produzieren. Aber wir tun das aus einem guten Grund“, betonte der Oberst. Denn: „Wir brauchen gut ausgebildete Piloten, die unser Land bei Missionen wie in Jordanien vertreten.“

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