Vom Schweinestall zum Hingucker

Sind mit dem Ergebnis des Schweinestall-Umbaus sichtlich zufrieden: Bauherrin Gisa Andresen und Architekt Hauke Kraß. Foto: wim
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Sind mit dem Ergebnis des Schweinestall-Umbaus sichtlich zufrieden: Bauherrin Gisa Andresen und Architekt Hauke Kraß. Foto: wim

Mit Hilfe eines Lübecker Architektenduos hat Gisa Andresen einen Stall hinter ihrem Elternhaus zu einer extravaganten Wohnoase umgebaut

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14. Juni 2013, 03:59 Uhr

Husby | Eines kann man Gisa Andresen ganz gewiss nicht nachsagen: Wie im Schweinestall sieht es bei ihr zu Hause nun wirklich nicht aus. Im Gegenteil. In ihren eigenen vier Wände geben klare Linien, eine sachliche Ordnung und ein freier Blick den Ton an. Von viel Schnickschnack, Stehrümchens oder gar einem Durcheinander keine Spur. Das jedoch sah innerhalb der Grundmauern ihres Hauses bis vor wenigen Jahren noch ganz anders aus. Denn tatsächlich waren dort einmal 300 Schweine untergebracht.

Vom Stall zum architektonischen Hingucker: So könnte man wohl die Geschichte des Hauses im Husbyer Ortsteil Markerup kurz und knapp zusammenfassen. Bis diese radikale Umgestaltung jedoch tatsächlich realisiert war, bedurfte es einer Menge an Planungen, viel Fantasie und auch eines guten Schusses Mut. "Für mich stand fest, dass ich zurück wollte aufs Land. Dass am Ende dieses Ergebnis dabei herauskommt, hätte ich jedoch nicht gedacht", sagt Gisa Andresen. Zwar habe sie den Schweinestall hinter dem alten Reetdachhof ihrer Eltern schnell als geeigneten Ort für ihr neues Zuhause ins Auge gefasst. Für die eigenwillige Umsetzung aber waren letztlich die beiden Lübecker Architekten Hauke Kraß und Tobias Mißfeld verantwortlich. "Ich war auf sie durch einen Artikel in ,Schöner wohnen aufmerksam geworden und habe einfach mal Kontakt aufgenommen", erzählt Gisa Andresen, die als Anästhesistin in der Flensburger Diako arbeitet.

Aus dem ersten Kontakt im Februar 2010 wurde dann schnell eine Geschäftsbeziehung - und zwar eine äußerst fruchtbare. Den Anfang bildete ein von Gisa Andresen geschriebener Wunschzettel für die Gestaltung ihres neuen Zuhauses. Sachlich, schnörkellos, viele Fenster, stand da unter anderem drauf. Die Architekten waren begeistert, und so ging es, im Juli 2011, mit den Arbeiten los. "Wir haben sehr viel miteinander gesprochen, jeder hat seine Ideen und Visionen eingebracht. Das war hervorragend. Denn am Ende ist ein Architekt immer nur so gut, wie sein Bauherr mitzieht", sagt Hauke Kraß, der während der Bauphase immer wieder zwischen Lübeck und Markerup hin und her pendelte. "Ich bin in der Zeit bestimmt 12 000 Kilometer gefahren."

Das aber hat sich offenbar gelohnt: Denn das Ergebnis dieses konstruktiven Miteinanders kann sich durchaus sehen lassen. "Die Identität des Stalls und der Bezug zu diesem ländlich geprägten Ort war uns wichtig. Das Haus sollte ein Bekenntnis sein zu dem, was hier lange Jahre da war. Ich denke, das ist uns gut gelungen", fasst Kraß zusammen. Die Grundmauern des in den Jahren 1975 und 1981 entstandenen zirka 32 Meter langen Stalls aus rotem Industrieklinker haben die Architekten allerdings durch Mauern aus gelben aus Dänemark importierten Ziegeln ersetzt. Auffällig sind zudem die großen Fensterfronten, die an der Stirnseite sogar über Eck gehen. Das Ungewöhnlichste des 220 Quadratmeter großen Flachdachbaus allerdings erschließt sich erst, wenn man über die Türschwelle ins Innere getreten ist. Kraß spricht vom "Prinzip der freigestellten Außenwände". Will heißen: Bis auf die Grundmauern gibt es keine weiteren tragenden Elemente. Stattdessen durchziehen Wände aus Birkenholz das Haus, die gleichzeitig als Stauraum dienen. Unterhalb der offenen, frei geplanten Küche wartet dann noch ein besonderes Bonbon: Dort wo einst der Gülleschacht des Stalls verlief, befindet sich heute ein kleines aber feines Weinkellerchen.

"Ich wollte eher Bauhaus als Reetdachkate", fasst Gisa Andresen das Ergebnis der Umbauarbeiten zusammen. Zwar sei sie anfangs skeptisch gewesen, ob dieses ungewöhnliche Haus nicht nur ihr und ihrem Lebensgefährten, sondern auch den Verwandten und Freunden gefällt. "Aber fast alle Menschen, die bislang hierher gekommen sind, waren begeistert und haben sich gefreut, dass endlich mal anderes gebaut wurde." Wer sich selbst davon überzeugen möchte, ist herzlich eingeladen, sich den ehemaligen Markeruper Schweinestall am "Tag der Architektur" am kommenden Wochenende anzusehen (siehe Infobox). Gisa Andresen und Hauke Kraß freuen sich auf neugierige Gäste.

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