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Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 23:02 Uhr

Oeversee : Vom Schrott-Rolls zum edlen Gefährt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Dietrich Nissen ist Schrauber aus Leidenschaft: Der 79-Jährige aus Oeversee restauriert seit 45 Jahren Oldtimer – jetzt zeigt er besondere Stücke im Fördepark in Flensburg – darunter einen Rolls Royce von 1929.

von
erstellt am 13.Mai.2014 | 07:45 Uhr

Die Tore einer großen Doppelgarage öffnen sich. Oldtimer, jede Menge uralter Auto- oder Technikutensilien kommen zum Vorschein – für Oldtimerfreunde ein Paradies. Dietrich Nissen und seine „Partnerin“, so nennt er seine Frau Helga, zeigen das Resultat von 45 Jahren Sammler- und Bastlereigenschaft . Damit auch andere schauen können, zeigen die beiden seit gesterrn und bis zum 24. Mai im Fördepark drei restaurierte Oldtimer und weitere Utensilien von der „Zündgeschichte“, eine Armatur von einem „Adler“, gebaut zwischen 1912 und 1914, und zahlreiche weitere Zeugnisse seiner Restaurierungs-Tätigkeit.

Wer den Weg zu Dietrich Nissen in Oeversee gefunden hat und einen Blick in die Garage des 79-jährigen ehemaligen Berufsfeuerwerkers der Flensburger Feuerwehr werfen darf, ist von der Vielfalt der Ausstellungsstücke schier erschlagen. „Im Laufe meines Restaurierungslebens habe ich wohl mehr als 25 Oldtimer komplett auseinander genommen und eigentlich immer mit Originalteilen restauriert“, erklärt er. Viel musste er verkaufen, damit Platz und Geld für Neuanschaffungen da war. Nun wird er drei seiner Schätze im Fördepark bei einer Oldtimerausstellung zeigen. Da ist einmal ein Rolls Royce des Baujahres 1929, bezeichnet als „20/25“. Es ist ein offener Viersitzer, der Ende der 1930er Jahre von einer Limousine zum Straßenrennwagen umgebaut wurde, wie in den Fahrzeugpapieren zu lesen ist. Das Fahrzeug hat drei Türen, rechts nur eine. Der Preis damals lag bei 1111 britischen Pfund. Dies war für Wohlhabende günstig, eine Arbeiterfamilie lebte davon ein halbes Jahr. Vor etwa 15 Jahren holte Dietrich Nissen den völlig verrotteten Rolls Royce aus England. Das Objekt der Begierde wurde mit einem Trecker auf die Fähre in Harwich geschleppt und dann von Esbjerg nach Augaard auf einem Transporter bewegt. „Das Schrottfahrzeug kostete mich damals umgerechnet 5000 Euro, dafür musste ich einen anderen fertigen Oldtimer verkaufen“, erinnert sich Nissen. Der Motor sei in miserablem Zustand gewesen, „eigentlich Schrott“. Diesen hat er vollkommen zerlegt, er ist inzwischen wie neu. Alle Restaurierungs-Stufen des Fahrzeuges sind mit Fotos belegt und werden im Fördepark ebenfalls gezeigt.

Sein kleinster Oldtimer ist ein Austin 10, ebenfalls aus England und Baujahr 1932, damals einer der britischen „Volkswagen“. „Bei diesem Fahrzeug habe ich Glück gehabt, ich konnte es in einigermaßen gutem Zustand von einem englischen Ingenieur für relativ günstige 5000 Pfund erwerben“, sagt Nissen. Seine besondere Erinnerung an dieses Geschäft: „Ich habe alles in Fünf-Pfund-Noten bezahlt, da lagen dann 1000 Scheine auf dem Tisch. Wir haben unendlich gezählt.“

Ein weiteres besonderes Fahrzeug wird ein Opel 4-14 aus dem Jahr 1925 sein. Als Nissen dieses Auto vor etwa 15 Jahren kaufte, versprach er seiner Helga: „Das wird das letzte Fahrzeug, das ich restauriere.“ Er hatte damals in Thisted in Dänemark 300 Mark für den Wagen bezahlt, der jahrelang als Hühner- oder Gänsestall genutzt worden war. Fertig ist der Rechtslenker immer noch nicht. Das Auto, das mehr als 100 000 Mal verkauft wurde, hat ein Holzgerippe als Fahrgestell, auf das zuerst teures Alublech und später dann Eisenblech geschraubt wurde. Es kam ohne Sitze und Technik – alles musste erneutert werden. Vieles hat Nissen schon geschafft, vieles aber auch noch nicht. Darum eignet sich dieser Wagen bestens dafür, den Arbeitsablauf einer Restaurierung mit all ihren Schwierigkeiten zu dokumentieren.

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