Schleswig : Vom Ergotherapeuten zum Schlei-Fischer

Sein ganzer Stolz: Jörg Nadler mit seiner historischen „Smakke Jolle“.
Sein ganzer Stolz: Jörg Nadler mit seiner historischen „Smakke Jolle“.

Der gebürtige Wuppertaler Jörg Nadler ließ vor 13 Jahren sein altes Leben hinter sich und zog nach Schleswig.

shz.de von
22. Juli 2015, 12:45 Uhr

„Dieses Jahr ist das beste, seitdem ich hier Fischer bin. So viele und so große Fische hatte ich sonst nie.“ Jörg Nadler (47) ist Fischer aus Leidenschaft und ist bereits seit 13 Jahren am Schleswiger Holm aktiv.

„Schon in meiner frühen Kindheit wollte ich die Welt unter der Wasseroberfläche kennen lernen.“ Mit seiner Familie fuhr der gebürtige Wuppertaler damals häufig ans Meer, wo er zum ersten Mal mit einem Fischkutter mitfahren durfte. „Außerdem fand ich die Geschichte der Fischerei unglaublich spannend. Besonders, dass sich seit der Steinzeit kaum etwas verändert hat.“ 1987 begann er dann seine Ausbildung an der Landesanstalt für Fischerei, zunächst mit dem Ziel, Binnenfischerei in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen zu betreiben. „Ich hab dann aber doch erstmal eine Ausbildung zum Ergotherapeuten gemacht, zur Sicherheit“, gibt er zu. Dennoch blieb er weiterhin interessiert: Bei einer Fischereivorführung in Schleswig im Jahr 1994 lernte er den Holmer Fischer Harald Ross kennen. Durch ihn gelangte er 2002 an den Job als Schlei-Fischer. Für seine Lebensgefährtin und ihn war der Umzug nach Schleswig und die Entscheidung, vollständig von der Fischerei leben zu wollen, buchstäblich ein „kalter Sprung ins Wasser“. Heute erinnert sich Nadler: „Die Anfangszeit war ziemlich schwierig. Ich hatte zwar genug Fisch, aber kaum Kunden. Harald war mein Mentor. Ohne ihn hätte ich das alles wohl nicht geschafft. Leider ist er bereits im letzten Jahr verstorben.“

Trotz einiger Startschwierigkeiten läuft das Geschäft für Jörg Nadler mittlerweile gut. Sein Verkaufsargument: Frischer Fisch aus der Region. „Meine Kunden kennen den Unterschied zwischen Fischen aus Aquakultur und denen aus der Natur. Es kommt vor allem auf die Ernährung der Fische an. Dadurch schmeckt das Fleisch besser und nicht so muffig wie bei Zuchttieren“, erklärt er. Neben zahlreichen Stammkunden und interessierten Urlaubern verkauft er seinen Fisch an Wochenenden, etwa auf Veranstaltungen von Museen. Das Erklären und Zeigen historischer Fischereigeräte ist mittlerweile zu seinem zweiten Standbein geworden. Sonst ist er fast täglich auf dem Wasser. „Ich kann mir ganz gut einteilen, ob ich morgens oder abends rausfahre. Dazu kommen noch Reinigung, Reparatur und Vorbereitungen für historische Events.“

Wenn er nicht gerade mit dem Boot unterwegs ist, verbringt der 47-jährige Familienvater seine Freizeit gerne in der Natur. Ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad: „Ich bin ständig in Bewegung“, erzählt er lachend. Obwohl er mit der Fischerei sein Hobby zum Beruf gemacht hat, gibt er zu: „Das ist ein echter Vollzeitjob. Ich hätte so gerne mehr Zeit für meine Familie und meine Dudelsäcke sind auch schon am einstauben.“

>Wer Jörg Nadler einmal bei der Arbeit erleben möchte, kann heute um 17 Uhr mit der MS Hein mitfahren. Dort macht Nadler mit seinem Fischerboot fest und berichtet zwei Stunden lang über seinen Beruf. Kontakt: Dietmar Ulbrich (Tel. 04351/735-155)

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