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Schleswig : Volkskunde-Schließung: Gottorf soll zahlen

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kreis fordert Zuschüsse von der Stiftung Landesmuseen zurück. Die Höhe ist noch unklar.

von
erstellt am 11.Mär.2015 | 07:10 Uhr

Weil die Stiftung Landesmuseen die Volkskunde von Schleswig nach Molfsee verlegt, wird der Kreis einen Teil des Geldes zurückfordern, das seit Mitte der 90er Jahre für den Umbau des ehemaligen Militärdepot auf dem Schleswiger Hesterberg zu Ausstellungsräumen bereitgestellt worden war. Wie hoch die Rückforderung sein wird, wird derzeit verhandelt. In der Kreispolitik gehen die Meinungen dazu weit auseinander.

Als Heinz Spielmann als starker Mann auf Schloss Gottorf Mitte der 90er Jahre die Verlegung der Volkskunde von der Schlossinsel ins ehemalige Militärdepot auf den Schleswiger Hesterberg veranlasste, war es ihm wichtig, dass er auch den Kreis Schleswig-Flensburg mit ins Boot bekommt. Und die Politik tat ihm den Gefallen, schließlich stand schon damals eine Verlegung nach Molfsee (Freilichtmuseum) zur Diskussion. Das wollte im Kreishaus niemand, denn ein nicht geringer Teil der Exponate stammte schließlich aus der Region. Also beteiligte sich der Kreis mit einer Summe von 750  000 Mark (383  469 Euro) am Umbau der Gebäude durch das Land. Die letzte von drei Raten floss im November 2002.

An die Förderung des Kreises war die Bedingung geknüpft, das „Museumsgut“ mindestens 20 Jahre lang zu zeigen, erst danach sollte ein Erstattungsanspruch entfallen. Nach zehn Jahren Museumsbetrieb auf dem Hesterberg sollte sich dieser auf 50 Prozent reduzieren. Ostern 2014 war tatsächlich Schluss mit der Volkskunde – folglich stehen dem Kreis formal knapp 192  000 Euro – also die Hälfte der Förderung – zu.

Bereits im November des vergangenen Jahres hatte es zu diesem Thema ein Gespräch zwischen Landrat und der Stiftungsleitung im Kreishaus gegeben, dessen Ergebnisse jetzt dem Hauptausschuss vorgestellt wurden. Herausgekommen ist der Vorschlag an die Politik, sich auf eine Rückzahlung von 100  000 Euro zu verständigen, zahlbar in fünf jährlichen Raten.

Die Stiftung Landesmuseen macht geltend, dass zwar seit April 2014 kein Dauerausstellungsbetrieb auf dem Hesterberg mehr möglich ist, auf Nachfrage aber bis zur endgültigen Verlagerung (frühestens 2017) immer Führungen möglich seien. Die Forderung des Kreises trifft die Gottorfer, die von konstruktiven Verhandlungen sprechen, überdies nicht unvorbereitet: Guido Wendt, Geschäftsführer und Vorstand der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen: „Es sind entsprechende Rücklagen gebildet worden.“

Landrat Wolfgang Buschmann warb für diese Lösung und bezeichnete sie als „Kompromiss“, der vor dem Hintergrund der „guten Nachbarschaft“ zu den Gottorfern vertretbar wäre. Das sahen die Politiker anders. SPD-Fraktionschef Ingo Degner signalisierte zwar Bereitschaft, sich auf einen Kompromiss zu einigen („Man trifft sich schließlich immer zweimal im Leben“), doch mit 100  000 Euro solle sich der Kreis nicht abspeisen lassen. Er sei noch immer „stinkig“ über die Entscheidung, die Volkskunde aus Schleswig abzuziehen.

Klaus-Dieter Wagner (Freie Wähler) war nicht der einzige, der eine härtere Gangart forderte, indem er darauf verwies, dass der Kreis derzeit „jeden Groschen umdrehen muss“. Es gebe viele Gründe dafür, die volle Summe zu verlangen, sagte er.

Ausschussvorsitzender Thomas Klömmer (CDU) verwies ebenfalls auf die finanzielle Lage des Kreises und betonte, er wolle nichts von einem Entgegenkommen zugunsten der Stiftung Landesmuseen wissen: „Man hat mit uns auch nicht darüber verhandelt, ob die Volkskunde nach Molfsee gehen soll. Schaue ich mit die Beschlüsse im Sozialbereich an, ist für mich klar: „Das ist nicht drin!“ Schließlich erging der Arbeitsauftrag an den Landrat, in weiteren Verhandlungen mehr für den Kreis herauszuholen.

Ginge es nach Kreispräsident Ulrich Brüggemeier (CDU) wäre über den Sachverhalt in Gänze der Mantel des Schweigens gelegt worden. „Unmöglich, dass wir darüber in der Öffentlichkeit diskutieren!“, echauffierte er sich, nachdem bereits alle Fakten auf dem Tisch lagen und breit darüber diskutiert worden war. In der Folge wurde von Klömmer in Aussicht gestellt, dass für die weitere Behandlung des Themas in der nächsten Sitzung am 23. April die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird, obwohl es um die Verwendung öffentlicher Gelder durch zwei öffentliche Träger geht. Für die Entscheidung ist die Ausschussmehrheit notwendig. 

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