Ex-VerTeidigungsminister in Kropp : Volker Rühe: „Es braut sich etwas zusammen“

Volker Rühe zog die Zuhörer in der Kropper Kaserne in seinen Bann. Links Geschwaderkommodore Michael Krah.
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Volker Rühe zog die Zuhörer in der Kropper Kaserne in seinen Bann. Links Geschwaderkommodore Michael Krah.

Auf dem Kropper Aschermittwoch fordert Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe von Deutschland mehr militärisches Engagement.

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02. März 2017, 12:44 Uhr

Der Kropper Aschermittwoch ist in der Regel alles andere als eine lustige Veranstaltung. Schließlich haben die sicherheitspolitischen Themen, um die es bei der Veranstaltung in der Kai-Uwe-von-Hassel-Kaserne meistens geht, von Natur aus einen ernsten Charakter. Doch angesichts der Debatten um die politische Entwicklung in den USA und der Türkei stand die 20. Auflage des Kropper Aschermittwochs mit rund 70 Gästen aus Militär, Politik und Gesellschaft gestern noch einmal unter ganz besonderen Vorzeichen. „Trump hat alles in Frage gestellt, was die Welt zusammenhält“, leitete Oberst Michael Krah, Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“, den Nachmittag ein.

Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe griff als Gastredner den Faden auf. „Es braut sich etwas zusammen. Die Welt ist nicht mehr das, was sie war“, zitierte der 74 Jahre alte CDU-Politiker die Worte eines „New York Times“-Korrespondenten, mit denen dieser die jüngste Münchner Sicherheitskonferenz kommentiert hatte. Auch Rühe war bei der Tagung in der bayerischen Landeshauptstadt dabei und berichtete angesichts des Auftretens der US-Vertreter von einer Stimmung, die er dort so zuvor noch nie erlebt habe. Zwar könne niemand in der Welt die Rolle der Amerikaner übernehmen, stellte er klar. Gleichwohl müsse sich Europa und damit auch Deutschland militärisch stärker einbringen. Rühe: „Ich habe es schon damals nie verstanden, dass wir, wenn wir in Afghanistan in einer schwierigen Lage waren, immer die Unterstützung der Amerikaner angefordert haben.“ Auf Dauer werde es nicht funktionieren, dass die Bundeswehr in den Einsätzen für die Aufklärung, nicht aber fürs Kämpfen zuständig sei. „Wir machen Europa handlungsunfähig, wenn wir nicht bereit sind, dasselbe Risiko zu tragen.“

Von einer europäischen Armee hält der frühere Minister, der von 1992 bis 1998 an der Spitze der Bundeswehr stand, allerdings nichts. „Das würde eine europäische Regierung voraussetzen. Die aber wird es nicht geben.“ Die Lösung seien „verschränkte Armeen mit Fähigkeiten, die man sich teilt“. Dies setze allerdings Verlässlichkeit voraus, mahnte Rühe. Dass Awacs-Missionen ohne deutsche Beteiligung stattfinden, dürfe es nie wieder geben. Die Bundeswehr stellt normalerweise ein Drittel der Soldaten in den internationalen Besatzungen dieser Aufklärungsflugzeuge. Auch fordert Rühe eine strategische Partnerschaft mit Russland, um ein friedliches Zusammenleben in Europa zu garantieren.

Die Entwicklung in der Türkei unter Präsident Erdogan betrachte er mit großer Sorge. „Ich hoffe, dass die türkische Zivilgesellschaft stark genug ist, um eine Präsidialdiktatur zu verhindern.“ Auch hoffe er, dass Erdogan nicht, wie geplant, auf einer Großveranstaltung in Deutschland bei seinen hier lebenden Landsleuten für das anstehende Verfassungsreferendum Wahlkampf macht.

Kommodore Krah wies darauf hin, dass sein Verband derzeit in gleich drei Auslandseinsätzen gefordert sei: in Afghanistan, in Mali und im türkischen Incirlik, von wo aus seine Tornado-Piloten zu Aufklärungsflügen über Syrien und dem Irak starten. „Das ist mehr als in jedem anderen Verband.“ Und: „Ich bin stolz auf das, was meine Soldaten in den Einsätzen leisten.“

Stolz ist Krah auch auf Monika von Hassel, Witwe des Namensgebers der Kropper Kaserne. „Sie ist nicht nur eine Fürsprecherin des Geschwaders, sondern sie ist auch jemand, die sich um jeden einzelnen Soldaten kümmert.“ Und sie sorge durch ihre guten Kontakte, dass prominente Gäste wie Volker Rühe den Weg nach Kropp finden. Dieser nannte die anwesende Monika von Hassel gar ein „Unikat in der Bundeswehr“.

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