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Kreise mahnen Züchter zur Vorsicht : Vogelgrippe: Stallpflicht für Geflügel in SH

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auch Hobbyzüchter sollten sich beim Veterinäramt melden. In den Risikozonen um Schleswig-Holsteins Gewässer muss Geflügel in den Stall.

shz.de von
erstellt am 27.Nov.2014 | 13:00 Uhr

Schleswig | Die Veterinäre beim Kreisgesundheitsamt Schleswig-Flensburg erinnern sich noch sehr gut an den Ausbruch der Vogelgrippe vor gut acht Jahren und die arbeitsträchtigen Begleiterscheinungen für ihre Behörde. Kaum wurde im Kreisgebiet irgendwo ein toter Vogel gesehen, wurde die Behörde informiert. Oft mussten die Experten dann in ihren weißen Schutzanzügen ausrücken, um Enten, Schwäne und anderes Wildgefügel einzusammeln und zur Untersuchung nach Kiel zu schicken. Jetzt ist es wieder soweit: Seit Mittwoch steht das Telefon von Kreisveterinär Dr. Volker Jaritz und seinen Kollegen nicht mehr still. Es herrscht Verunsicherung, seit das Umweltministerium in Kiel am Dienstag vorsorglich die Aufstallung in Notfallgebieten angeordnet hat. Der Kreis seinerseits präzisierte die Auflagen für Geflügelhalter gestern mit einer tierseuchenrechtlichen Verfügung.

Für Jaritz ist wichtig, dass die Aufstallpflicht zunächst nicht für alle Gebiete gilt. „Das ist der richtige Weg, solange die Seuche bei uns nicht nachgewiesen ist“, sagt der Fachmann. Denn zur Panik bestehe kein Grund. Und er hofft, dass nicht – wie 2006 – Unmengen toter Vögel bei seiner Behörde landen. „Nicht jeder Vogel, der vom Himmel fällt, muss zu uns eingeschickt werden.“ Er verweist darauf, dass im Landeslabor bis gestern bereits 90 Wildvögel untersucht wurden, alle mit negativem Ergebnis.

Gleichwohl mahnt er die Geflügelzüchter zur Vorsicht und dazu, sich als solche beim Kreis anzumelden. Zur Zeit sind im Kreisgebiet Schleswig-Flensburg 1600 Geflügelzüchter registriert, darunter drei Großbetriebe, die allerdings alle nicht in einer der Risikozonen liegen. Die Experten gehen jedoch von einer nicht unerheblichen Dunkelziffer aus, die eine Kontrolle der Situation und eine Eindämmung einer möglichen Epidemie im Ernstfall erschwere. Landwirte und Privatpersonen, die Geflügel halten, sollten in jedem Fall Vorsicht walten lassen, sagt Jaritz. Das heißt vor allem: großen Wert auf Hygiene und Desinfektion legen. Gummistiefel von der Koppel beispielsweise seien im Geflügelstall tabu. Auch sollten möglichst wenige Personen die Ställe betreten, in denen Geflügel gehalten wird.

In den Risikogebieten dürfen Hühner, Puten, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse ausschließlich in geschlossenen Ställen oder Volieren gehalten werden, die nach oben gegen Einträge und auch seitlich gegen das Eindringen von Wildvögeln gesichert sind.

In einem drei Kilometer breiten Küstenstreifen unmittelbar an der Ostseeküste und am Schleiufer sind im Kreis Schleswig-Flensburg betroffen: die Städte Arnis, Flensburg, Glücksburg, Kappeln, Schleswig, die Gemeinde Harrislee sowie Teile der Ämter Langballig, Geltinger Bucht, Kappeln-Land, Süderbrarup, Südangeln und Haddeby. Ebenfalls betroffen sind Gebiete mit einem Abstand von 500 Metern um den Arenholzer See, den Langsee, den Sankelmarker See, den Südensee, das Haddebyer und das Selker Noor sowie an der Treene ab Hollingstedt flussabwärts. Besonders ausgedehnt ist das Risikogebiet auf der südlichen Geest in einem 500 Meter breiten Streifen um das „Vogelschutzgebiet 1622-49 ETS“ in den Ämtern Kropp-Stapelholm und Arensharde.

In Nordfriesland umfassen die Aufstallungsgebiete die Inseln und Halligen vor der nordfriesischen Nordseeküste, einen 3000 Meter breiten Küstenstreifen ab mittlerer Hochwasserlinie entlang der nordfriesischen Nordseeküste einschließlich der Eidermündung bis Höhe Friedrichstadt / Eiderbrücke, je einen 500 Meter breiten Uferstreifen um den Bottschlotter und um den Bundesgaarder See, einen 500 Meter breiten Uferstreifen entlang der Treene von Hollingstedt flussabwärts bis Friedrichstadt, einen 500 Meter breiten Uferstreifen entlang der Eider ab Friedrichstadt / Eiderbrücke bis zur Kreisgrenze sowie einen 500 Meter breiten Streifen um das Vogelschutzgebiet Eider-Treene-Sorge-Niederung.

In Neumünster wurde ein 500 Meter breiter Ring um den Einfelder See zur Risikozone erklärt. Ab sofort müssen dort Hühner, Enten, Gänse und ähnliches Geflügel in diesem Bereich in geschlossenen Ställen untergebracht werden. Von dem Bestallungsgebot sind nach Auskunft der Stadt etwa zehn Geflügelhalter auf Neumünsteraner Gebiet betroffen. Professionelle Zuchtbetriebe gibt es in der Zone nicht.

Auch in einigen Teilen des Kreises Rendsburg-Eckernförde muss Nutzgeflügel bis auf Weiteres in den Stall. Wie im Rest des Landes gilt auch hier eine Schutzzone von 500 Metern an Binnenseen über 50 Hektar Größe sowie an Flüssen, Bundeswasserstraßen und EU-Vogelschutzgebieten. Der Schutzstreifen entlang der Ostseeküste und der Schlei ist drei Kilometer breit.

Bisher wurde das Vogelgrippe-Virus nur in Mecklenburg-Vorpommern, den Niederlanden und Großbritannien nachgewiesen.

Den Verfügungstext und eine Karte mit den Risikogebieten gibt es auf der Homepage des Landes unter: http://www.schleswig-holstein.de/Portal/DE/Startseite/ArchivPolitik/141126_GefluegelpestStallpflicht.html


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