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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 16:25 Uhr

Schleswig : Visite am kranken Domturm

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Experten haben in den vergangenen Tagen Schleswigs marodes Wahrzeichen auf Herz und Nieren geprüft. Auch eine Drohne war dabei im Einsatz.

von
erstellt am 04.Nov.2014 | 12:46 Uhr

Alexander Wesch liebt es, in Bildern zu sprechen. Das wird schnell klar, wenn man sich mit dem jungen Architekten über seinen bislang wohl schwierigsten Fall unterhält: den Schleswiger Domturm. Diesen nennt Wesch gerne seinen „Patienten“, insbesondere nachdem er ihn in den vergangenen Tagen „auf Herz und Nieren untersucht“ hat. Um zu sehen, woran Schleswigs 112 Meter hohes Wahrzeichen denn eigentlich leidet. Und weil es gerade so gut ins Bild passt, schiebt der Experte für Kirchenbauten schnell noch hinterher: „Bevor man nicht weiß, was ein Patient hat, kann man auch nicht sagen, wie er behandelt werden muss und“, das ist in diesem Fall nicht weniger wichtig, „was das kostet.“

Aus diesem Grund waren jetzt mehrere Fachleute gleichzeitig in Schleswig. Sie sollen im Auftrag des Landeskirchenamtes und des Gebäudemanagements Schleswig-Holstein (GMSH) ermitteln, was wirklich getan werden muss, um das 120 Jahre alte Bauwerk wieder auf Vordermann zu bringen. Bereits seit zwei Jahren steht unterhalb des Domturms ein großes Gerüst, um Besucher vor herabfallenden Teilen zu schützen. Um das zu ändern, ist offenbar eine grundlegende Sanierung notwendig, die – so befürchtet man – Millionen kosten könnte. „Aber so weit sind wir noch lange nicht. Jetzt schon von Summen zu sprechen, wäre unseriös“, sagt Alexander Wesch, der für das Büro Dr. Krekeler aus Brandenburg an der Havel arbeitet. Gemeinsam mit ihm waren auch Statiker einer Materialprüfanstalt aus Kassel sowie Experten einer Messbildstelle aus Dresden vor Ort.

Letztere setzten sogar eine ferngesteuerte Drohne ein, um den Domturm bis zur Spitze von allen Seiten jeweils horizontal abzufotografieren. Die Statiker wiederum haben der Fassade mehrere bis zu 80 Zentimeter lange Bohrkerne entnommen. Alexander Wesch wiederum war mit einem Hubsteiger im Einsatz und nahm das bröckelnde Mauerwerk in bis zu 20 Metern Höhe direkt in Augenschein. „Das ist ein schwieriger Fall, so viel kann man jetzt schon sagen“, betont der Architekt, der von teilweise meterlangen Längsrissen und Feuchtigkeit auch im Innern des Gemäuers berichtet. Besonders die enorme Höhe des Turmes, der dem norddeutschen Wetter fast ungeschützt ausgeliefert sei, machten ihm wohl zu schaffen. „Aber vielleicht haben wir es auch mit Pfusch am Bau zu tun. Das müssen wir jetzt alles genau prüfen“, sagt er. Denn obwohl der Turm noch relativ jung sei, haben man ihn in der Vergangenheit immer wieder grundlegend sanieren müssen. Um der Baugeschichte genau auf die Spur zu kommen, ist Wesch deshalb auch mehrfach im Landesarchiv sowie im Kirchenarchiv in Kiel gewesen, „um auch in dieser Richtung Ansätze zu finden“.

Bis zu einem Jahr wird es nun dauern, bis die Experten ihre gemeinsame Analyse fertiggestellt haben. Erst dann weiß man, wie hoch die Kosten für die Turmsanierung ausfallen werden. Im Hintergrund laufen derweil die Verhandlungen weiter, wie diese – auf mehrere Schultern verteilt – gestemmt werden können (mit Hilfe einer Kofinanzierung der Stadt hofft man auf Fördergelder des Bundes; wir berichteten). „Wir sind weiter in Gesprächen. Aber da gibt es noch keine Neuigkeiten“, sagte Marie-Elisabeth Most-Werbeck, Pressereferentin in der Bischofskanzlei. Unabhängig davon sei man aber natürlich gespannt, „was da am Ende alles auf uns zukommt“. Das sieht auch Alexander Wesch so: „Wir werden schon herausfinden, woran es hier hakt. Wichtig ist aber, dass wir dabei gründlich arbeiten. Damit dieser beeindruckende Turm endlich mal Ruhe hat.“

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