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„Schwierig, aber nicht unmöglich“ : Vision vom grenzenlosen Nahverkehr

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Erster Schritt zu einem gemeinsamen Konzept für die Stadt Flensburg und die Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland.

Man nehme zweimal flaches Land mit starker touristischer Ausprägung und vielen Schülern, die auf den Bus angewiesen sind. Dazu einen urbanen Raum, in dem die Fahrpläne am besten im 20-Minuten-Takt funktionieren. Dann stimme man das Ganze harmonisch aufeinander ab, verzahne es hier miteinander und bringe es dort punktuell in Einklang. „Das ist eine ambitionierte Aufgabe“, räumte Christoph Gipp im Husumer Kreishaus ein: „Schwierig, aber nicht unmöglich.“ Der Geschäftsführer des Berliner Instituts für Infrastruktur und Gesundheit (IGES) war mit seinem Projektleiter René Kämpfer an die Westküste gekommen, um einen gemeinsamen Regionalen Nahverkehrsplan (RNVP) für die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sowie die Stadt Flensburg anzustoßen.

Bei dem Auftritt vor dem nordfriesischem Wirtschaftsausschuss, dem Werkausschuss des Kreises Schleswig-Flensburg und dem Flensburger Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung stand zunächst die Frage im Mittelpunkt, wie ein solches Konzept überhaupt erarbeitet und organisiert werden könnte. Also erst einmal viel Theorie und kaum praktischen Anregungen, denn eines ist in einem solch frühen Stadium allen Beteiligten klar: Am Ende entscheiden immer der politische Wille und die Haushaltslage über Form und Umfang einer Umsetzung.

„Öffentlichen Personennahverkehr muss man sich auch leisten und ihn gestalten wollen“, sagte Gipp und regte an, mehr hinzukriegen als nur das Nötigste – und auch einmal quer zu denken.

Um das Mobilitätssystem auf der Grundlage der vorhandenen drei Regionalen Nahverkehrspläne weiterzuentwickeln, müssen viele Interessen berücksichtigt werden: von den Schulträgern und Verkehrsunternehmen über die Seniorenbeiräte bis hin zu den Behindertenbeauftragten. Apropos: Barrierefreiheit ist dabei Gipp zufolge kein Anspruch, der in allen Detailfragen immer wieder aufs Neue erfüllt werden muss, sondern „integrierter Bestandteil“.

Entsprechend dem Bundesbeförderungsgesetz, das eine vollständige Barrierefreiheit vorsieht, müsse das Ziel sein, 80 bis 90 Prozent aller Fahrgäste barrierefrei von A nach B zu bringen. Das bedeute allerdings nicht, so der Experte, dass man 80 bis 90 Prozent aller Haltestelle barrierefrei ausbauen müsse: Wer das meint, ist gerne eingeladen, die erforderlichen finanziellen Mittel beizusteuern.“

Bevor es jedoch um die qualitativen Fragen gehen kann, wie Haltestellen und Beförderungsmittel aussehen sollen, bedarf es einer Standortbestimmung: Dazu müssen alle erforderlichen Infrastrukturdaten gesammelt werden – wie Bevölkerungsentwicklung, Schülerzahlen und Pendlerströme. Es gilt, die räumlichen Verhältnisse und relevanten Verkehrsziele zu erfassen. Die Tarifgefüge, Netzstrukturen und Linienkonzessionen sind dazu ebenso zu analysieren wie die Aspekte Service und Marketing und vieles mehr. Zeitvorgabe für diese erste von drei Stufen: vier bis fünf Monate.

Mit seiner Anregung, den Abstimmungsprozess mit einer Koordinierungsgruppe zu flankieren, rannte Thomas Jepsen (Schleswig-Flensburg) bei Gipp offene Türen ein: „Das ist ganz in unserem Sinne.“ Der Ingenieur nahm auch das Angebot der Gesellschaft Nahverkehr in Schleswig-Holstein zufrieden zur Kenntnis: „Der Regionale Nahverkehrsplan hat ein tolles Potenzial“, sagte deren Sprecherin Christine Carstensen.

 

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erstellt am 07.Nov.2015 | 07:36 Uhr

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