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Nach Razzia in Busdorf : „Vineta“: Jetzt reden die Disco-Betreiber

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach der Razzia in der Busdorfer Diskothek versichern Helmut und Ingrid Kruse, sie hätten sich stets an das Jugendschutzgesetz gehalten. Die beiden kritisieren das Verhalten der Behörden.

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erstellt am 09.Apr.2014 | 19:56 Uhr

Busdorf | Nach der Razzia im „Vineta“ fühlen sich die Disco-Betreiber zu Unrecht an den Pranger gestellt. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Wir arbeiten immer nach den Richtlinien“, beteuerte Chefin Ingrid Kruse (43) im Gespräch mit den SN. Gemeinsam mit ihrem Mann Helmut (61) sowie den Töchtern Fabienne (25) und Kimberley (22) ist sie mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Bei der „Kornnacht“ am vergangenen Freitag sollen sie in ihrer Diskothek im Busdorfer Gewerbegebiet Wikingerland Spirituosen an Minderjährige ausgeschenkt haben. Bei der nächtlichen Razzia hatten Polizei, Jugend- und Ordnungsamt nach eigenen Angaben 152 Jugendliche aufgegriffen. Viele der Jungen und Mädchen sollen zum Teil stark alkoholisiert gewesen sein.

„152 Leute – das ist sowas von an den Haaren herbeigezogen“, echauffiert sich Ingrid Kruse. Die Zahl sei viel zu hoch gegriffen. Die meisten Jugendlichen seien längst nicht mehr in der Disco gewesen oder hätten sich ohnehin nur draußen auf dem Parkplatz aufgehalten. Tochter Fabienne pflichtet ihrer Mutter bei: „Es ist eine Frechheit. Die Polizei hat sogar Jugendlichen, die gerade erst mit dem Taxi gekommen waren, die Ausweise abgenommen.“

Wie viele Jugendliche waren denn am Freitagabend in der Disco? Der „Vineta“-Angestellte Jürgen Petersen-Will, zugleich bester Freund der Betreiber-Familie, weiß die Antwort: „Wir hatten am ganzen Abend etwa 250 Gäste und vielleicht 100 Ausweise liegen. Als die Razzia stattfand, hatten wir die Hälfte schon längst an die Jugendlichen zurückgegeben.“ Auch seien die Beamten bereits eine Viertelstunde nach Mitternacht gekommen und nicht erst um 1 Uhr. „Ich war gerade dabei, die Minderjährigen rauszufischen“, erklärt Petersen-Will. Auch seien diesmal – anders als bei der letzten Razzia im Jahr 2010 keine Unter-16-Jährigen anwesend.

Zum Hintergrund: Minderjährige Besucher des „Vineta“ müssen am Eingang ihre Ausweise abgeben. Und ohne Ausweis gibt’s am Tresen nur Bier, Sekt und Wein – aber keinen Schnaps. Soweit die Theorie.

Jugendliche „Vineta“-Gäste behaupten, dass die Kontrollen des Tresenpersonals eher lax seien. „Das stimmt definitiv nicht“, kontert Ingrid Kruse. „Das Tresenpersonal fragt jedes Mal nach dem Ausweis.“ Tochter Kimberley nickt zustimmend: „Meine Schwester und ich arbeiten hinterm Tresen. Die Jugendlichen haben keinen Alkohol bekommen. Die meisten trinken sowieso nicht, sondern wollen nur tanzen.“ Wenn aber ein 18-Jähriger mehrere Gläser Korn bestelle und diese dann an Freunde verteile, könne das Tresenpersonal das kaum noch kontrollieren, räumt sie ein.

Das meiste Hochprozentige, da ist sich Familie Kruse sicher, tränken die Jugendlichen bereits vor dem Discobesuch – beim „Vorglühen“ zu Hause oder auf dem Parkplatz. Deswegen kann Ingrid Kruse auch nicht den Vorwurf der Behörden nachvollziehen, dass sie sich aus Profitgier über die Jugendschutzbestimmungen hinwegsetzen würde. „Wir machen mit den Jugendlichen keinen Profit. Die kommen ja auch noch umsonst rein“, betont die 43-Jährige.

Die Razzia in Busdorf hat landesweit hohe Wellen geschlagen. Sogar die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, Irene Johns, fordert, dass der Disco-Betreiberin die Lizenz entzogen wird. Im zehnten Jahr nach der Eröffnung des „Vineta“ steht Ingrid Kruse mit dem Rücken zur Wand. „Mein ganzes Vermögen steckt in dieser Diskothek. Mein Mann und meine Töchter arbeiten hier. Und dann kommt sowas. Das ist rufschädigend“, sagt sie.

Als Beweismittel könnten die Videoaufnahmen aus dem Club dienen. „Wir haben das Material gesichert und überlegen, ob wir es erst unserem Anwalt zur Prüfung vorlegen“, sagt Helmut Kruse.

Am kommenden Wochenende soll im „Vineta“ aber wieder gefeiert werden. Am Freitag ist von 17 bis 21 Uhr Kinderdisco für Zwölf- bis 15-Jährige – komplett ohne Alkohol. Ab 22 Uhr steigt die öffentliche Abiturienten-Party der Domschule. Helmut Kruse: „Wir werden diesmal noch härter sein. Vielleicht lassen wir Unter-18-Jährige gar nicht erst rein.“ Und am Sonnabend ist Ü30 – das sind die Minderjährige ohnehin fehl am Platz.

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