zur Navigation springen

Disco in Busdorf : „Vineta“ droht Verlust der Konzession

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach der Razzia vom Wochenende zweifelt das Ordnungsamt die „gewerberechtliche Zuverlässigkeit“ des Betreibers an. Bereits im Januar 2010 wurden bei einer ähnlichen Kontrolle rund 100 Jugendliche, darunter auch einige stark alkoholisierte 14- und 15-Jährige, in der Diskothek aufgegriffen.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2014 | 11:15 Uhr

Busdorf/Schleswig | 152 Jugendliche, davon etwa die Hälfte in einem Zustand zwischen gut angetrunken oder total besoffen: Diese Zahl lässt aufhorchen. Und sie sorgt dafür, dass die groß angelegte Jugendschutz-Kontrolle in der Busdorfer Diskothek „Vineta“ vom Freitag noch immer für reichlich Gesprächsstoff in der Region sorgt. Schließlich war es nicht das erste Mal, dass der im Gewerbegebiet Wikingerland beheimatete Club wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz Negativschlagzeilen machte.

Bereits im Januar 2010 waren bei einer ähnlichen Kontrolle rund 100 Jugendliche, darunter auch einige 14- und 15-Jährige, weit nach Mitternacht und zum Teil stark alkoholisiert, in der Diskothek aufgegriffen worden. Die Betreiber des „Vineta“ kündigten daraufhin damals an, das Problem mit mehreren Maßnahmen in den Griff bekommen zu wollen. Unter anderem sollte ein Armband-System eingeführt werden, das nur Besuchern ab 18 Jahren am Tresen den Erwerb von hochprozentigem Alkohol ermöglicht. Zudem kündigten sie „knallharte Anweisungen an die Security“ an.

Zeugen, die nun am Freitagabend vor Ort waren, konnten weder das eine noch das andere bestätigen. Die Inhaber der Disco selbst wollten sich diesmal auf SN-Nachfrage nicht zu dem Vorfall äußern, machten aber deutlich, dass sie die mit der Razzia im Raum stehenden Vorwürfe gegen sich nicht teilen. Florian Kendler von der Ordnungsbehörde des Amtes Haddeby, der bei beiden Razzien dabei war, zeigte sich indes „sehr überrascht“ von der erneut hohen Zahl von aufgegriffenen Minderjährigen. „In beiden Fällen, sowohl 2010 als auch jetzt, gab es im Vorfeld der Aktionen mehrere Hinweise darauf, dass sich in der Disco immer wieder zahlreiche unter 18-Jährige aufhalten“, sagt Kendler. Nach der Großkontrolle vor vier Jahren, der bis Freitag keine weitere gefolgt sei, hätte es zahlreiche Gespräche mit den Betreibern und entsprechende Auflagen gegeben. Zudem habe man „eine Geldbuße im vierstelligen Bereich“ erteilt. Diese wird, davon geht Kendler aus, diesmal spürbar höher ausfallen, „da sich trotz der Ereignisse und guten Vorsätze von damals jetzt noch mehr Jugendliche in der Disco aufgehalten haben“. Allerdings könnte es deren Betreiber auch deutlich schlimmer treffen: „Man muss tatsächlich prüfen, ob hier noch die gewerberechtliche Zuverlässigkeit besteht. Ansonsten müsste man die Gaststättenerlaubnis widerrufen“, sagt Kendler. Auch die zuständige Staatsanwaltschaft ist inzwischen involviert und prüft, so eine Mitteilung der Polizei von gestern, ob Straftatbestände erfüllt wurden.

Im Internet, sowohl auf schleswiger-nachrichten.de als auch auf den Facebook-Seiten der Schleswiger Nachrichten und shz.de , hat der Bericht über die Razzia derweil hohe Wellen geschlagen. Dort häufen sich auch die Kommentare zu dem Vorfall. Von „Den Laden muss man dicht machen“ bis hin zu „Wir waren ja alle mal jung“ sind dort sämtliche Meinungen vertreten. Kaj-Uwe Dammann, Geschäftsführer der Schleswiger Diskothek „Ela-Ela“, ist mit einer Bewertung etwas vorsichtiger. Allerdings kennt er das Problem mit minderjährigen Besuchern nur allzu gut – auch wenn sein Betrieb in diesem Zusammenhang bislang noch nicht negativ aufgefallen ist. „Natürlich sind wir in der Pflicht, unsere Gäste so gut wie möglich zu kontrollieren. Aber der Gesetzgeber hat auch selbst Schuld daran, dass es immer mehr jugendliche Discogänger gibt“, sagt er mit Blick auf sogenannte „Muttizettel“. Diese Einverständniserklärungen der Eltern erlauben unter 18-Jährigen inzwischen, auch nach Mitternacht noch auf kommerziellen Veranstaltungen mitzufeiern, wenn sie eine volljährige Begleitperson (das kann auch ein Freund sein) dabei haben. „Das müssen wir Discobetreiber so akzeptieren, und das machen wir auch“, sagt Dammann, der in diesem Zusammenhang die Eltern stärker in die Verantwortung nehmen möchte. „Wer eine solche Erlaubnis unterschreibt, muss wissen, worauf er sich einlässt.“

Im „Ela-Ela“ würden sämtliche dieser Zettel zwar genauestens überprüft. Zudem erhielten auch nur die über 18-Jährigen Stempel, die ihnen den Kauf von Hochprozentigem erlauben. „Aber wenn die dann einem Jüngeren etwas mitbringen, kann man das bei bis zu 1400 Gästen pro Abend nur schwer kontrollieren“, meint Dammann, der zudem glaubt, dass die meisten Alkoholmengen schon vor dem Discobesuch von den jungen Gästen vertilgt werden. „Viele Eltern wissen offenbar nicht, was bei ihren Kindern abends so abgeht. Da muss man sich nur mal die Flut von leeren Flaschen ansehen, die wir hier regelmäßig auf unserem Parkplatz finden.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen