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Schleswiger Nachrichten

17. Dezember 2017 | 18:27 Uhr

Vier Rochen auf einen Streich

vom

Ungewöhnlicher tierischer Nachwuchs bei Zoo Petersen an der Flensburger Straße

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Schleswig | Für eine Mückenlarve, einen Mini-Stint oder eine Muschel lässt selbst eine verliebte Rochendame alles stehen und liegen, sogar den Vater ihres Nachwuchses. So geschehen gestern um die Mittagszeit bei Zoo Petersen an der Flensburger Straße. Einmal am Tag füttert Inhaber Jens-Heinrich Petersen (58) seine Rochen, seit vier Wochen sind es nicht mehr zwei, sondern sechs. Denn das Rochenpärchen hat Kinder bekommen: einen Jungen, drei Mädchen. Dass Rochen inmitten der Betriebsamkeit eines Fachgeschäfts Nachwuchs zur Welt bringen, ist eine Besonderheit. "Mir ist nicht bekannt, dass das schon mal geschehen ist", sagt Petersen.

Die Rochen-Familie der Art "Potamotrygon reticulatus" fühlt sich in ihrem zwei Meter breiten und 80 Zentimeter tiefen Aquarium offensichtlich wohl. Die Kinder spielen miteinander Verstecken, während die Eltern darüber nachdenken, ihre Schar zu vergrößern. Insbesondere das fast 50 Zentimeter lange Weibchen kann ihr Interesse an einer weiteren etwa 100-tägigen Schwangerschaft kaum verbergen und sucht immer wieder die Nähe des ein Drittel kleineren Männchens. "Die Mutter möchte unbedingt, der Vater ziert sich noch ein bisschen", hat Petersen beobachtet.

Unterdessen haben sich die Babys in den vergangenen Wochen prächtig entwickelt. Anfangs waren sie zwölf bis 13 Zentimeter groß, jetzt sind es etwa 18 Zentimeter. Mindestens ein Jahr werden sie bei ihren Eltern bleiben, was allerdings nicht auf eine enge familiäre Bindung hinweist. "Ein Umsetzen in ein anderes Aquarium und damit auch ein anderes Wasser-Millieu würden die Jungtiere nicht überstehen", sagt Rochen-Fachmann Petersen.

Ihm ists recht, denn an einen Verkauf der elegant im Wasser dahinschwebenden Kreaturen denkt er ohnehin nicht. "Hier im Geschäft gibt es gleich mehrere Fisch-Verrückte", sagt der Chef über seine Mitarbeiter und schließt sich in diesen Kreis mit ein. Sein erstes Aquarium bekam er mit acht Jahren. Seitdem bewundert er die Lebewesen, die das nasse Element bevölkern. Entsprechend hegt und pflegt er auch seine Rochen: "Als erstes schaue ich jeden Morgen nach, wie es ihnen geht."

Diese brauchen weit intensivere Pflege als alle anderen Fische, die in den Nachbar-Aquarien schwimmen. Jeden Tag werden zehn Prozent des Wassers ausgetauscht. Zwei Filter halten den Stickstoffgehalt auf sehr niedrigem Niveau. Zudem sind die Rochen, die bis zu 20 Jahre alt werden können, in ihrem Becken allein. Keine anderen Arten stören ihre Kreise.

Dies sorgt für eine stressfreie Atmosphäre, die im Hause Petersen besondere Folgen hat: Die Rochen, immerhin mit einem giftigen Stachel versehen, fressen ihrem Besitzer im wahren Sinne des Wortes aus der Hand: "Man spürt nur ein bisschen ihre Zähne."

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