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Schleswig : Viel Solidarität mit dem Stadtmuseum

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Ausstellungseröffnung am Donnerstag stand ganz im Zeichen der aktuellen Spardiskussion um das Stadtmuseum. Alles warten auf den Bericht des Landesrechnungshofes.

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erstellt am 10.Dez.2015 | 18:18 Uhr

Offiziell wurde die neue Ausstellung mit Schleswiger Fotografien aus 150 Jahren erst gestern eröffnet. Aber viele Freunde des Stadtmuseums sahen die Bilder bereits am Abend zuvor. Denn in der Ausstellungshalle hatte der Museums-Förderverein eingeladen zur Diskussion über die Zukunft des Museums. Denn die ist in Gefahr – so jedenfalls sahen es viele der rund 70 Anwesenden. Auslöser für ihre Sorge war der Antrag der CDU-Ratsfraktion bei den Haushaltsberatungen für das kommenden Jahr, die Stelle von Museumsleiter Holger Rüdel vorerst nicht wieder zu besetzen. Rüdel wird im Laufe des nächsten Jahres pensioniert.

Nun war fast alles erschienen, was in der Schleswiger Kulturszene etwas auf sich hält. Allen voran Ex-Bürgermeister Thorsten Dahl als Vorsitzender des Vereins der Freunde des Stadtmuseums. Neben ihm saß sein Amtsvorgänger Klaus Nielsky in seiner Rolle als Vorsitzender des Vereins für Schleswiger Stadtgeschichte. Die frühere Bürgervorsteherin Anke Carstens-Richter meldete sich ebenso zu Wort wie Prof. Reimer Witt, einst Direktor des Landesarchivs und heute Vorsitzender des Friedrichsberger Bürgervereins. Die flammendste Rede gegen die Verödung der Kultur hielt Prof. Joachim Reichstein, früherer Direktor des Archäologischen Landesamtes und zugleich Ehemann von Mechthild Reichstein, der Sammlerin, deren Stoffbären im Teddybär-Haus des Stadtmuseums ausgestellt sind.

Nicht alle ließen sich von der Wortmeldung von CDU-Fraktionschef Holger Ley beruhigen, der beteuerte, seine Partei wolle keineswegs das Stadtmuseum schließen. Auch wolle man keine Museumsmitarbeiter entlassen. Der Sperrvermerk für die Stelle des Direktors solle vielmehr dazu dienen, die Stadtverwaltung unter Zugzwang zu setzen, endlich Sparvorschläge vorzulegen. Daraufhin meldete sich Bürgermeister Arthur Christiansen zu Wort. Er erklärte: „Weil ich Ihnen zusichere, dass die Kosten überprüft werden, brauchen Sie keinen Sperrvermerk zu setzen.“ Sowohl der SPD-Fraktionsvorsitzende Stephan Dose als auch die Kulturausschuss-Vorsitzende Babette Tewes (Grüne) wandten sich gegen Leys Vorstoß, so dass einiges dafür spricht, dass die Stelle des Museumsleiters erhalten bleibt, wenn die Ratsversammlung am kommenden Montag (15 Uhr im Rathaus) den Haushalt für 2016 beschließt.

Doch die Debatte um die Zukunft des Stadtmuseums dürfte damit noch nicht zu Ende sein. Die Stadt lässt sich den Betrieb jährlich rund 500  000 Euro kosten. Der Landesrechnungshof hat das Haus kürzlich unter die Lupe genommen – und soll dabei ein Einsparpotenzial von 230  000 Euro ausgemacht haben. Wie diese Summe zustandekommt, das weiß nach eigenen Angaben noch nicht einmal der Bürgermeister. Noch wartet man im Rathaus auf den abschließenden Bericht. Aber offenbar haben die Kieler Prüfer das Stadtmuseum mit kommunalen Museen anderer Städte verglichen – und die sind deutlich kleiner. „Ich habe nicht den Eindruck, dass es dem Landesrechnungshof gelungen ist, Vergleichbarkeit herzustellen“, sagte Christiansen. Das Stadtmuseum mit seinen rund 20  000 Besuchern im Jahr sei ein Alleinstellungsmerkmal für Schleswig. Dies gelte es zu erhalten. „Trotzdem müssen wir an der Kostenschraube drehen“, sagte der Bürgermeister – und erntete damit Widerspruch von der Kulturausschuss-Vorsitzenden. „Sicher kann man Ecken finden, an denen man etwas sparen kann, aber das wird nur im minimalen Maße möglich sein, wenn wir das Museum als das bewahren wollen, was ist, nämlich als die Schatzkammer unserer Stadt“, sagte Babette Tewes.

Diese Funktion des Hauses – die neben den Präsentationen von Bildern international bekannter Fotografen oft nur wenig wahrgenommen wird – steht im Mittelpunkt der Ausstellung, die gestern Abend eröffnet wurde und die bis zum 13. März zu sehen ist. Rüdel und seine vom Förderverein bezahlte Mitarbeiterin Angeline Schube-Focke haben eine Auswahl aus den Fotobeständen des Museums zusammengestellt – von 1850 bis heute und alle mit Bezug zu Schleswig. Familienfotos aus den Anfängen der Fotografie sind ebenso darunter wie Luftaufnahmen der Jageler Aufklärungs-Tornados aus Afghanistan. Größtenteils sind es Bilder, die auch in Rüdels im Oktober erschienen Buch „Schleswig – neu entdeckt“ zu sehen sind.

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