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Geschäfte schließen : Viel Leerstand in Schleswig – aber es gibt auch Hoffnung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Immer mehr Ladenschließungen in der Innenstadt. Aber: Einige Neuansiedlungen kündigen sich an.

Schleswig | Ausgerechnet mitten im Weihnachtsgeschäft stehen in der Schleswiger Innenstadt gleich mehrere Läden leer. Und damit nicht genug: In den kommenden Wochen werden noch weitere Geschäfte ihre Türen schließen. Das gilt nicht nur für die Filiale von „Strauß“ im Schleicenter, sondern auch für andere, teils auch größere Läden.

„Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ ist zurzeit zum Beispiel in den Schaufenstern von „Quick-Schuh“ zu lesen. Der Laden, der zum Schuhhaus Forck gehört, wird zeitnah ebenso geschlossen wie die Filiale von „Jack Wolfskin“, die nur wenige Meter entfernt ebenfalls auf der nördlichen Seite des Stadtweges liegt. Wiederum nur einen Steinwurf weiter findet man den Laden der bereits seit längerer Zeit angeschlagenen Handelskette „Weltbild“ – noch. Denn: „Spätestens zum 15. Januar werden wir schließen“, sagt Filialleiterin Madlen Hunwardsen auf Nachfrage der Schleswiger Nachrichten, ohne sich zu den Gründen für diesen Schritt weiter äußern zu wollen. Rechnet man den ehemaligen „Base“-Handyladen, das „Stadt-Café“, die alten Geschäftsräume von „Fantasia“ und „Schuh-Eggers“ oder den Eis-Laden neben der Nospa hinzu, kommt eine ganze Reihe von Leerständen zusammen.

das frühere Geschäft von „Fantasia“,...
Das frühere Geschäft von „Fantasia“ steht weiter leer. Foto: Sven Windmann
 

„Gesamt betrachtet ergibt das natürlich kein schönes Bild“, weiß auch Klaus-Peter Jeß. Er hat nicht nur als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ladenstraße (IGL), sondern auch als Geschäftsführer des Modehauses I.D. Sievers großes Interessen daran, dass die Schleswiger Innenstadt floriert. Denn man müsse einen guten Mix an Geschäften anbieten, damit die Leute zum Shoppen in die Stadt kommen. „Es gibt aber noch zu viele Vermieter, die zu hohe Preise für ihre Läden verlangen. Das muss sich ändern, denn auch die Zeiten haben sich geändert“, sagt Jess. Eine Meinung, die auch Stadtmanager Rüdiger Knospe teilt. Gerade diejenigen, die ein eigenes kleines Geschäft aufmachen, müssten ohnehin schon sehr genau rechnen. „Und von solchen inhabergeführten Läden lebt doch eine Innenstadt“ sagt er. Er halte die Entwicklung der letzten Monate, in denen immer mehr Geschäfte schließen, für „besorgniserregend“. Dennoch hat Knospe die Hoffnung auf Besserung noch nicht aufgegeben. Ebenso wie Klaus-Peter Jeß, der sagt: „Es gibt ja immer mal wieder einen Wandel in der Innenstadt. Mal sehen, vielleicht kommt ja der ein oder andere Neue dazu.“

Das sind die Neuen

Auch das ehemalige  „C&A-Kids“ steht leer.
Hier zieht bald eine Bäckerei ein. Foto: Sven Windmann
 

Und tatsächlich gibt es bereits hier und da Vollzug zu vermelden: So wird etwa im Sommer im Eckladen in der ehemaligen Post (früher „C&A-Kids) die Kieler Bäckerei „Günther“ eine Filiale eröffnen. In die leer stehenden Büros über der Post zieht eine Weiterbildungsschule ein. Ein paar Meter weiter im Stadtweg gibt es dort, wo zuvor der „Börgermeister“ war, künftig einen vegetarischen Imbiss. Ein regelrechtes Stühlerücken wird es rund um die „Weltbild“-Filiale geben. In deren Geschäft zieht „Ernstings Family“ ein, die in ihrem bisherigen Laden wiederum Platz machen für „Mr. Sub“ (ab April 2017). Der Imbiss war zuvor in der VR-Bank-Passage ansässig, ist im Zuge der Umbauarbeiten jedoch ausgezogen – und fehlt seitdem im Schleswiger Stadtbild. Auch „Arko“ wird seine angestammten Räume verlassen, zieht aber nur wenige Meter weiter in einen ehemaligen Frisörladen. Aus dem dann frei werdenden Geschäft sollen – gemeinsam mit den Flächen von „Quick-Schuh“ – drei neue Läden werden, für die es bereits Interessenten geben soll. Das gleiche gilt wohl auch für den ehemaligen „Schuh-Eggers“-Laden gegenüber der Nospa, der seit dem Umzug ans andere Ende der Ladenstraße leer steht.

Sven Windmann
Für den alten Laden von „Schuh-Eggers“ soll es einen neuen Interessenten geben. Foto: Sven Windmann
 

Immobilienmaklerin kämpft für Schleswig

Dass es überhaupt Interessenten und Neuansiedlungen gibt, dazu hat auch die Schleswiger Immobilienmaklerin Bente Hansen-Schreiber einen Großteil beigetragen. Und sie kündigt für die nähere Zukunft weitere Vertragsabschlüsse an. „Ich habe in letzter Zeit schon viel geschafft, und ich kämpfe weiter“, sagt sie. Denn als gebürtige Schleswigerin, „die diese Stadt liebt“, wolle sie nicht nur aus beruflichem, sondern auch aus persönlichem Interesse heraus daran arbeiten, dass es der Innenstadt gut gehe – auch wenn Hansen-Schreiber selbst weiß, dass dieses Ziel nicht einfach zu erreichen ist. Bestes Beispiel: In Eckernförde, wo sie unter anderem auch frei gewordene Ladenflächen vermittelt, würden diese oft innerhalb eines Tages neu vermietet. In Schleswig hingegen kann dies Wochen oder gar Monate dauern. „Aber es geht schon etwas voran. Es haben wieder einige Interessenten bei mir angefragt.“

Den Optimismus von Bente Hansen-Schreiber kann Petra Großer nicht teilen. Nach acht Jahren schließt sie Ende Dezember ihren Blumenladen „Casa Botanica“ in der VR-Bank-Passage. „Weil ich von Jahr zu Jahr immer weniger Laufkundschaft habe“, wie sie sagt. Das wiederum liegt ihrer Meinung nach an dem schlechten Zustand, in dem sich die Schleswiger Innenstadt präsentiert. „Wie viele Jahre haben wir jetzt schon das kaputte Parkhaus und die Hertie-Ruine? Auch wenn das jetzt abgerissen werden soll: Richtig voran geht es hier nicht. In Schleswig wird doch immer nur geredet und nie wirklich gemacht“, klagt sie.

„Casa Botanica“ schließt.
„Casa Botanica“ schließt. Foto: Sven Windmann
 
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erstellt am 12.Dez.2016 | 07:00 Uhr

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