Brodersbyer Konzertsommer : Viel Beifall für Experimentierfreude

„Classic4sax“ sind Wolfram Bartsch, Natascha Protze, Sören Grimme und Lars Osenbrüg (von links).
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„Classic4sax“ sind Wolfram Bartsch, Natascha Protze, Sören Grimme und Lars Osenbrüg (von links).

Das Quartett „Classic4sax“ eröffnet den Brodersbyer Konzertsommer – und begeisterte das Publikum mit Stücken vom Barock bis zur modernen Filmmusik.

shz.de von
30. Juni 2014, 19:19 Uhr

Mit viel Esprit ist am Sonntagabend der Brodersbyer Konzertsommer in der St.-Andreas-Kirche gestartet – passenderweise zum 200. Geburtstag von Adolphe Sax, dem Erfinder des nach ihm benannten Instrumentes, mit „Classic4sax“, einem jungen Saxophon-Quartett. Das Programm versprach Interessantes, von Corelli bis Gershwin.

Lars Osenbrüg (Sopransaxophon), Wolfram Bartsch (Altsax), Sören Grimme (Tenorsax) und Natascha Protze (Baritonsax) legten mit Filmmusik los. „Das Piano“ zog wie eine Fanfare sofort alle Aufmerksamkeit auf sich. Statt „Corellis Mandoline“ erklang reinste Barockmusik von Arcangelo Corelli (1653-1713), gar nicht so befremdlich, wie man glauben könnte. Besonders in den beiden langsamen Sätzen ließ die erstaunliche Wandlungsfähigkeit der Saxophone viel Barockklang zu, da hätte auch eine Oboe, ein Fagott, ein Horn oder eine Flöte spielen können. Die jungen Musiker zeigten sich experimentierfreudig und die Beifallsstürme des Publikums gaben ihnen recht.

Saxophon pur kam mit dem allerersten, rein für diese Instrumente komponierten „Premier Quatuor“ von Jean-Baptiste Singelée (1812-1875). War das eher als Adaption eines Streichquartettes gedacht, entwickelte nun „Classic4sax“ einen klaren, modernen Sound, der sich in einem Rossini-Opern-Medley vergnügt in atemberaubendem Tempo ausgelassen erweiterte.

Zurück zur Filmmusik und dem emotionsgeladenen Thema von „Forrest Gump“. Dann – so hat man die „Glorreichen Sieben“ noch nie reiten hören – ritt das typische Western-Thema siegessicher durch alle Instrumententonlagen, ein toller Hörspaß. Natürlich durfte Leonard Bernsteins „West Side Story“ nicht fehlen. Dem schwungvollen Saxophon-Quartett gelang es mühelos, gleichzeitig Orchester, Sänger, Tänzer und Dirigent zu sein; übermütig das „I feel pretty“, anrührend zart der „Maria-Song“ und temperamentvoll das „America“. Was wären die 20er Jahre ohne Saxophon und ohne Gershwin?! Hier durften die vier Künstler ihren Instrumenten freien Lauf lassen – „Summertime“ aus „Porgy and Bess“ war in dieser Version alles andere als ein Schlummerlied, und bei „Lady be good“ hätte wohl am liebsten auch die alte Feldsteinkirche mitgetanzt. Bravo!

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