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Schleswiger Nachrichten

13. Dezember 2017 | 18:45 Uhr

Möweninsel : Verzweifelter Anflug der Lachmöwen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit Jahren sind die einstigen Herrscher der Möweninsel aus ihrer Heimat vertrieben / Rückkehr-Versuche scheitern an den größeren Silbermöwen.

von
erstellt am 08.Aug.2014 | 07:45 Uhr

Sie gehörten einst zu Schleswig wie der Dom, der Holm und das Schloss: Die Lachmöwen auf der Möweninsel. Spätestens seit den 1990er Jahren wurden sie immer seltener. 2008 schließlich brütete keine einzige Lachmöwe mehr auf der Insel vor der Stadt. Verdrängt von den doppelt so großen Silbermöwen.

In diesem Sommer aber konnten aufmerksame Spaziergänger an der Schleipromenade wieder zahlreiche kleine weiße Lachmöwen beobachten. Sind sie etwa zurück auf ihrer angestammten Insel? Nein, sagt Gerd Ross, der „Möwenkönig“, der von seinem Haus auf dem Holm die Insel im Auftrag des Naturschutz-Vereins Jordsand stets im Blick hat. Vereinzelt habe es an der Schlei auch in den vergangenen Jahren Lachmöwen gegeben, und sie seien jetzt tatsächlich wieder mehr geworden. „Wo genau sie brüten, wissen wir nicht.“

Die anfängliche Hoffnung, dass der Lachmöwenbestand sich erholen könnte, hat Ross aber schon seit Jahren begraben: „Auf die Insel werden sie nie mehr zurückkehren, das ist vorbei.“ Gegen die Silbermöwen hätten sie keine Chance. Versuchen sie, ihre alte Heimat anzufliegen, werden sie sofort attackiert und vertrieben.

Warum sich die kleinen Möwen gegenüber ihren größeren Verwandten über Jahrhunderte behaupten konnten und jetzt plötzlich nicht mehr, darüber streiten sich die Gelehrten. Gerd Ross mutmaßte anfangs, dass die Wanderfalken, die sich im Domturm angesiedelt haben, zum Problem für die Lachmöwen geworden sein könnten. Daran glaubt er inzwischen nicht mehr. Auch nicht daran, dass die Ratten schuld sind, die sich in den vergangenen Jahren auf der Möweninsel ausgebreitet hatten. „Die haben wir inzwischen mit Hilfe von Rattengift sowieso reduziert“, sagt er.

Ross und seine Mitstreiter vom Verein Jordsand haben mittlerweile eine andere Theorie: Den Lachmöwen könnte zum Verhängnis geworden sein, dass ihre Eier nicht mehr gegessen werden dürfen. Die Lachmöwen-Eier, einst eine berühmte Schleswiger Delikatesse, sind schon seit 1989 von allen Speisekarten verschwunden – anfangs, weil die Eier zu stark mit Schadstoffen belastet waren, inzwischen auch, weil EU-Bestimmungen das Sammeln der Eier untersagen.

„Als wir noch Eier gesammelt haben, haben wir immer auch ein paar Silbermöwen-Nester entdeckt“, sagt Ross. Diese Nester habe man dann zerstört. So konnten die Silbermöwen gar nicht erst Fuß fassen.

Bis zu 2500 Lachmöwenpaare wurden noch 1985 auf der Möweninsel gezählt – und ganze 26 Silbermöwenpaare. Im Jahr 2006 waren es noch 300 Lachmöwenpaare und 400 Silbermöwenpaare. Zwei Jahre später waren die Lachmöwen ganz verschwunden. Die Zahl der Silbermöwen ist seither weitgehend konstant geblieben. In diesem Jahr zählte der Verein Jordsand, der die Insel gepachtet hat, 450 Paare.

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