Süderbrarup : Verurteilt wegen Volksverhetzung

Ein 24-jähriger Süderbraruper hat sich im Internet über den Holocaust lustig gemacht – und stand dafür jetzt vor Gericht.

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01. Juni 2018, 07:22 Uhr

Das Schleswiger Amtsgericht hat einen 24-jährigen Süderbraruper wegen Volksverhetzung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der junge Mann im vergangenen Jahr in einer deutsch-nationalen Facebook-Gruppe unter anderem vom „Drecksjuden“ geschrieben und sich über den Holocaust lustig gemacht hat.

Aufgefallen war das den Behörden, weil ein Krankenpfleger aus Rheda-Wiedenbrück die entsprechenden Posts entdeckt und den nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz informiert hatte.

Zur Frage, ob die Facebook-Einträge tatsächlich von ihm stammen, äußerte der Angeklagte sich ausweichend. „Sie können das nicht beweisen“, erklärte er mehrfach und verwies darauf, dass die Staatsanwaltschaft nur Screenshots seiner Posts vorgelegt habe, nicht aber die Original-Internet-Adressen. „Das könnten auch Fotomontagen sein“, sagte der Angeklagte, dessen politische Gesinnung auf seinem öffentlichen Facebook-Profil relativ klar erkennbar ist. So hat er unter anderem die Seiten mehrerer AfD-Politiker von Beatrix von Storch bis Björn Höcke mit „gefällt mir“ markiert. Dies war vor Gericht aber kein Thema.

Ein erster Verhandlungstermin war abgebrochen worden, um zu klären, ob irgendjemand ein Motiv haben könnte, ihm falsche Facebook-Einträge unterzujubeln. Dazu war nun der Krankenpfleger aus Rheda-Wiedenbrück über 400 Kilometer angereist. Er schilderte, wie er die Posts des jungen Süderbrarupers und auch andere judenfeindliche Einträge in einer Facebook-Gruppe mit rund 29 000 Mitgliedern entdeckt hatte. Dieser Gruppe sei er „aus Interesse“ beigetreten und nicht etwa, um gezielt nach strafbaren Inhalten zu suchen, versicherte der Zeuge.

Diese Angaben hielt Richterin Fritz für glaubwürdig. Es gebe kein Grund, warum der Zeuge eine ihm völlig unbekannte Person zu Unrecht anschwärzen sollte.

Für die Volksverhetzung allein hätte der junge Mann wohl mit einer Geldstrafe rechnen müssen. Weil er aber erst kürzlich wegen eines Drogendeliktes zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden war, bildete die Richterin eine Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Monaten – ebenfalls auf Bewährung.

In der Vergangenheit hatte sich der 24-Jährige auch schon wegen Körperverletzung und wegen des Zeigens des Hitlergrußes vor Gericht verantworten müssen.

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