zur Navigation springen

CDU-Kreisparteitag : Vertrauensbeweis für Johannes Callsen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Trotz Rücktritt als Fraktionschef in Kiel: Die CDU Schleswig-Flensburg bestätigt ihren Kreisvorsitzenden Johannes Callsen im Amt.

von
erstellt am 13.Feb.2015 | 07:37 Uhr

Johannes Callsen bleibt Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes. Die Mitglieder bestätigten ihn am Mittwochabend in Schleswig mit großer Mehrheit in seinem Amt (146 zu 6 Stimmen). Gleiches gilt für seine drei Stellvertreter Heike Franzen, Petra Nicolaisen und Thomas Jepsen. Die Vorstandwahlen waren der – zumindest protokollarische – Höhepunkt eines Kreisparteitags, der im Grunde schnell erzählt ist: Die CDU vertraut weiterhin ihrem Vorsitzenden, der im Oktober in Kiel als Oppositionsführer aus freien Stücken zurückgetreten ist und sich sichtlich befreit für den Kreisverband zu engagieren versprach. Der neue CDU-Landeschef Ingbert Liebing war auch da und hat – wie es sich gehört – der Regierung die Leviten gelesen.

Aber es gab ja noch Themen zu behandeln, die den Menschen in der Region auf den Nägeln brennen, die dem Parteitag eine gewisse Würze verliehen. Und zur Auflockerung war Helene Nissen gekommen, ein gerade 18 Jahre alt gewordenes Gesangstalent aus Hollingstedt, das nicht nur sang, sondern auch den von Urgestein Wolfgang Börnsen gestifteten Kinder- und Jugendkulturpreis des Kreisverbandes entgegennehmen konnte. Die junge Songwriterin erhielt an diesem Abend den meisten Applaus – für „Knockin’ on Heaven’s Door“ und ihr Lied über eine „Positive Welt“. Dabei rührte sie selbst die abgebrühtesten Polit-Altmeister.

Etwas zurückhaltender reagierte die Basis auf Ingbert Liebings Attacken auf die Landesregierung, insbesondere den Politikstil von Ministerpräsident Torsten Albig. In scharfen Worten geißelte der Nachfolger Reimer Böges Albigs Umgang mit der Justizministerin bei der Aufarbeitung der Lübecker Geiselnahme, zu geringes Engagement für die Flüchtlinge, mit denen das Land die Kommunen weitgehend allein lasse, die Hochschulpolitik und die fehlende Einigkeit der Koalition in wichtigen Fragen der Infrastruktur. „Wie schnell ist diese Truppe auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Schon zur Halbzeit hat diese Koalition abgewirtschaftet“, so Liebing, der bei all seinen Angriffen nicht aggressiv, auch nicht weltmännisch wirkte, sondern eher jungenhaft verschmitzt.

Dem wiedergewählten Johannes Callsen zollte er Respekt, auch „angesichts all der Anfeindungen“, denen sich dieser als Fraktionschef im Landtag vor seinem Rücktritt ausgesetzt gesehen hatte.

Callsen selbst beschwor den Zusammenhalt, nicht nur innerhalb des CDU-Kreisverbandes, sondern auch mit den Nachbarkörperschaften Nordfriesland und Flensburg. Von der maroden Rader Autobahnbrücke, den viel zu geringen Investitionen in den Erhalt der Landstraßen, zu wenig Mitteln für Flüchtlinge und für die Lehrerversorgung in den Grundschulen sei man gemeinsam betroffen.

Die Bundestagsabgeordnete Sabine Sütterlin-Waack gab Einblicke in den Berliner Politikbetrieb, insbesondere aus dem Rechts- und Edathy-Untersuchungsausschuss. Durch ihre Tätigkeit sei sie mit zahlreichen „heißen Eisen“ befasst, wie der Novelle des Sexualstrafrechts, dem Thema Sterbehilfe sowie der Vorratsdatenspeicherung. „Die Zustimmung des EU-Parlamentes zur Flugdatenspeicherung ist ein gutes Zeichen“, sagte sie. Und im Zusammenhang mit dem Edathy-Komplex warnte sie davor, „dauernd den Rücktritt von SPD-Spitzen zu fordern“.

Unweigerlich kam die Sprache auch auf die jüngste Diskussion über die Vision einer Großkommune des Flensburger Oberbürgermeisters. Callsen: „Simon Faber stellt das gewachsene Vertrauen in Frage.“ Das beurteilte auch Flensburgs CDU-Chef Arne Rüstemeier nicht anders. Faber habe etwas „jenseits jeder politischen Entscheidung herausposaunt“. In Anspielung auf die Musik Nissens sagte er: „Simon Faber kann auch gut singen, vielleicht hätte er dabei bleiben sollen.“ Tim Hanke, stellvertretender CDU-Vorsitzender in Nordfriesland: „Wir brauchen keine Fusionen, sondern mehr Kooperation. Zwei arme Vettern machen noch keinen reichen Bruder.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen