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Verständigung mit Händen, Füßen und einem iPad

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Sieben chinesische Schüler und drei Betreuer sind für eine Woche zu Gast an der Lornsenschule

Schleswig | Wenn die 16-jährige Jule Erdmann sich zu Hause mit ihrer chinesischen Austauschschülerin Kangxin Shen unterhalten möchte, packt sie das iPad aus. In einer atemberaubenden Geschwindigkeit zeichnet die kleine Chinesin Schriftzeichen auf das Display. Ein Übersetzungsprogramm wandelt die fremdartigen Symbole dann in deutsche Wörter um. Die jeweils andere Sprache spricht keines der Mädchen, und Englisch ist nur in der Theorie der sprachliche gemeinsame Nenner.

Körpersprache ist das Mittel der Wahl, wenn - wie in der Schule - gerade keine technischen Übersetzungshilfsmittel zur Verfügung stehen. Mit Händen und Füßen haben die sieben Chinesen und 18 Lornsenschüler, die sie hier willkommen heißen, schon einiges voneinander erfahren. Zum Beispiel, dass die Chinesen häufig von 7 Uhr bis 21 Uhr Schule haben, jeweils einen Vier-Stunden-Block am Morgen, am Nachmittag und am Abend - Zeit für Hobbys bleibt da keine.

"Mein Austauschschüler hat gesagt, sein einziges Hobby sei die Schule", berichtet Maria Christian sen. Sie und ihr Zwillingsbruder haben den 19-jährigen Qui Yihang bei sich in Schuby aufgenommen. Vom dortigen Bauernhof der Christian sens war Yihang wohl sehr beeindruckt, hielt er ihn doch für eine Art kleines Dorf und erwartete, dass in den Nebengebäuden noch viele andere Menschen lebten. Jule Erdmann erzählt, dass ihre Austauschschülerin besonders vom Garten und Teich der Familie beeindruckt war.

Auch insgesamt ist Schleswig um einiges grüner und hat deutlich frischere Luft zu bieten als die Heimatstadt der Reisegruppe: Nanxun liegt zwei Stunden westlich von Shanghai. Dort leben rund 500 000 Menschen. "Das sei eine kleine Stadt, sagen die chinesischen Schüler und wenn wir fragen, was dann Schleswig sei, antworten sie: ,Sehr schön", berichtet die Lehrerin Tanja Ahlers und lacht. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Jochen Fritzsche ist sie von Seiten der Lornsenschule für den Austausch mit der Nanxun Highschool zuständig. In einer Arbeitsgemeinschaft haben sie alle interessierten Schüler auf den Besuch vorbereitet: Kultur, Geschichte, Religion, chinesische Aussprache, Schriftzeichen und Essen mit Stäbchen standen auf dem Programm. Dass von den 18 deutschen Schülern, die sich für den Austausch beworben hatten, nicht alle einen Gastschüler abbekamen ist der geringen Teilnahmezahl der Chinesen geschuldet. "Wir wissen nicht, warum weniger gekommen sind als im letzten Jahr", sagt Lehrer Fritzsche, hofft aber, dass beim baldigen Gegenbesuch für jeden Deutschen eine Gastfamilie vorgesehen ist.

Die sieben chinesischen Schüler unternahmen in der vergangenen Woche in Begleitung dreier Erwachsener eine Busreise nach Paris, Amsterdam, Luxemburg und Brüssel und haben nun eine erlebnisreiche Woche in Schleswig vor sich: Unterricht in der Lornsenschule, ein Empfang im Rathaus, eine Rallye durch die Stadt, Ausflüge in die Umgebung und nach Hamburg, ein Abschlussgrillen und ein Tag mit den Gastfamilien stehen an, bevor es am Sonntag zurück nach China geht. Dort findet Ende Oktober der Gegenbesuch statt. "Bestimmt wird es dann mit der Verständigung noch schwieriger", prophezeiht die 16-jährige Hjördis Kruse aus Jagel, schließlich sollen die chinesischen Eltern nur in Ausnahmefällen Englisch sprechen.

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erstellt am 14.Aug.2013 | 03:09 Uhr

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