Schleswiger Stadtwerke : Verschmutzung der Schlei: Siebschiff fängt viele Fische – und kaum Plastik

Das Siebschiff im Stadthafen: Mit dem 42.000 Euro teuren Gefährt wurde bislang nur wenig Plastik aus der Schlei gefischt.
Das Siebschiff im Stadthafen: Mit dem 42.000 Euro teuren Gefährt wurde bislang nur wenig Plastik aus der Schlei gefischt.

Um die Brut zu schonen: Das Siebschiff der Stadtwerke bleibt bis Mitte August im Hafen. Die Firma Refood lässt indes einen Gesprächstermin platzen.

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28. Juni 2018, 07:00 Uhr

Schleswig | In der Schlei schwimmen derzeit jede Menge junger Fische. Und die landeten zuletzt massenhaft in dem Siebschiff der Stadtwerke, das seit einigen Wochen Plastikschnipsel aus dem Oberflächenwasser herausfiltert. Zwar wurden die kleinen Fische wieder in der Schlei ausgesetzt. Doch um die Brut zu schonen, bleibt das Schiff nun bis Mitte August erst einmal im Hafen. „Der Natur- und Fischschutz geht vor“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs die mit dem Kreis abgestimmte Maßnahme.

Von großem Erfolg gekrönt waren die Fahrten mit dem Siebschiff ohnehin nicht. Ganze zwei bis drei Hände voll Plastik seien pro Tag aus dem Wasser herausfischt worden, so Schoofs. Der ungewollte Beifang sei weitaus größer gewesen.

Macht es denn überhaupt Sinn, das 42.000 Euro teure Boot der Marke Eigenbau weiter fahren zu lassen? „Gemäß Ordnungsverfügung sind wir gehalten, die Schlei mit dem Siebschiff regelmäßig in den ufernahen Bereichen zu befahren“, sagt Schoofs. „Diese Ordnungsverfügung haben wir zu erfüllen.“ Überhaupt finde man auch am Ufer, das weiterhin regelmäßig gereinigt werde, nur noch wenige Plastikpartikel. „Im Klärwerk selbst fangen wir noch einen halben Eimer am Tag auf“, sagt Schoofs. Dabei handele es sich um den restlichen Kunststoff, der nach und nach aus dem Kreislauf des Klärwerks herausgewaschen werde.

Gutachten soll Klarheit bringen

Klarheit darüber, wie die Plastikteilchen überhaupt über einen so langen Zeitraum unbemerkt den Sandfilter überwinden und in die Schlei gelangen konnten, soll ein Gutachten liefern, das am Freitag – zunächst nur intern – vorgelegt wird. Erstellt hat das Gutachten der Hannoveraner Professor Dr.-Ing. Karl-Heinz Rosenwinkel, Fachmann für „Siedlungswasserwirtschaft“. Die Stadtwerke hatten die Expertise bei ihm in Auftrag gegeben. Initiiert worden sei das Gutachten vom Umweltministerium, so Schoofs. Wenn am 25. Juli der städtische Werkausschuss tagt, sollen die Ergebnisse des Sachverständigen auch der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Derweil haben die Stadtwerke in dieser Woche den Vertrag mit dem Speisereste-Lieferanten Refood mit Wirkung zum Jahresende offiziell gekündigt. Nachdem der Plastik-Skandal Anfang des Jahres entdeckt worden war, hatte der kommunale Betrieb den Vertrag bereits ausgesetzt. Zuvor hatte Refood Gärsubstrate angeliefert, aus denen im Faulturm der Kläranlage Energie gewonnen wurde. Dass die Substrate mit Fremdstoffen versetzt waren, hatte bei der Warenannahme im Klärwerk über Jahre niemand bemerkt – auch weil die Lieferscheine unzureichend kontrolliert wurden.

Refood lässt Gesprächstermin platzen

Die Stadtwerke sind trotz der juristischen Auseinandersetzung bestrebt, mit Refood wieder ins Geschäft zu kommen. Schließlich sind dem Energieversorger durch den Wegfall der Gärsubstrate große Einnahmeverluste entstanden. Man habe Refood sogar angeboten, entsprechende Abtrenntechniken mitzufinanzieren, damit die Firma in Zukunft fremdstofffreie Lebensmittelreste liefern kann, so Schoofs. Einen für vergangenen Freitag in Hamburg geplanten Gesprächstermin habe das Unternehmen dann jedoch kurzfristig platzen lassen.

Laut Refood stellt sich die Sache wie folgt dar: „Bereits im Vorfeld hat Refood deutlich gemacht, dass in dem organischen Material, das Refood an die Stadtwerke liefern würde, Fremdstoffe enthalten sein können“, erklärt Unternehmenssprecher Marcel Derichs auf Nachfrage. Darauf sei bereits im ursprünglichen Liefervertrag hingewiesen worden. Und es sei immer noch die Verpflichtung der Stadtwerke, „diese Fremdstoffe abzutrennen, sofern diese Materialien an die Umwelt abgegeben werden“.

Der Austausch zwischen den Anwälten habe im Vorfeld darauf hingedeutet, dass sich eine entsprechende technische Lösung auf Seiten der Stadtwerke finden lassen würde. Derichs weiter: „Kurz vor dem angedachten Gesprächstermin wurde allerdings durch die Stadtwerke die Erwartungshaltung formuliert, dass Refood zusagt, dass in dem zukünftig angelieferten organischen Material keine Fremdstoffe mehr enthalten sind.“ Vor dem Hintergrund, dass dies allein schon aus technischen Gründen in der Praxis nicht zu garantieren sei, „war die Gesprächsgrundlage für das angedachte Treffen nicht mehr gegeben“.

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