Nach Gastspiel in Schleswig : Verletzte Tiere – Zirkus in der Kritik

Schnitt- und Fleischwunden sowie verwachsene Hufe: Diese Fotos machte Jennifer Stalla während des Gastspiels des Zirkus in Schleswig.
1 von 4
Schnitt- und Fleischwunden sowie verwachsene Hufe: Diese Fotos machte Jennifer Stalla während des Gastspiels des Zirkus in Schleswig.

Mehrere Zeugen erheben Vorwürfe, Polizei und Kreisveterinäramt ermitteln. Aber der Familienbetrieb weist die Anschuldigungen zurück.

shz.de von
02. Juli 2015, 07:35 Uhr

Erst liefen ihr zwei herrenlose Pferde mitten in der Stadt über den Weg, dann – als sie die Besitzer gefunden hatte – entdeckte sie plötzlich mehrere verletzte Tiere und wenig später gab sie die ganze Geschichte auch schon der Polizei zu Protokoll. So richtig kann Jennifer Stalla noch immer nicht glauben, in was sie da am vergangenen Sonntag hineingeraten ist. Denn eigentlich wollte die 22-Jährige nur mit ihrem Freund Marvin Erichsen in der Schleswiger Innenstadt einen Spaziergang machen. In den Zirkus Salino gehen, der gerade auf den nahe gelegenen Königswiesen gastierte, das wollten die beiden auf keinen Fall. Aber genau dort landeten sie. „Leider. Denn wir mussten da gleich mehrere unschöne Entdeckungen machen.“

Aber der Reihe nach: Das junge Paar war am frühen Nachmittag an der viel befahrenen Königstraße unterwegs, als ihm plötzlich in Höhe der Brauerei die beiden Pferde entgegenliefen. „Die hatten nicht einmal Halfter um. Wenn wir sie nicht aufgehalten hätten, wären sie bestimmt auf die Fahrbahn gelaufen. Und da war gerade richtig viel los“, sagt Jennifer Stalla. Dass sie kurz darauf noch ganz andere Bilder sehen würde, wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Erst als ein Mann angelaufen kam, ihnen die Tiere abnahm und erklärte, dass diese vom Zirkus Salino seien, wurden sie neugierig und machten sich auch dorthin auf den Weg. „Wir haben dann gleich mehrere verletzte Pferde und Ponys gesehen. Da waren richtige Schnittwunden dabei“, erzählt die junge Frau, die sich – wie andere Leser auch – an unsere Zeitung gewandt hat. „Denn das sollen auch andere Leute wissen. Ich habe nichts gegen den Zirkus, und ich kann auch verstehen, dass sich insbesondere die Kids freuen, Tiere mal hautnah zu sehen. Aber nicht so.“

Denn neben den Verletzungen der Pferde sind Stalla und ihrem Freund auch verwachsen Hufe eines Lamas aufgefallen. Zudem hätten zu viele Tiere gemeinsam in einem ihrer Ansicht nach viel zu kleinen eingezäunten Bereich gestanden. „Ohne Wasser und ohne Schatten.“ Dies alles hätten sie nicht nur der Polizei erklärt, die bereits von einem anderen Passanten gerufen worden war, auch dem Kreisveterinäramt hätten sie noch am selben Abend eine E-Mail geschrieben und dieser Beweis-Fotos angehängt (siehe oben), die sie vor Ort gemacht hatten.

Marina Bräuer, Sprecherin der Polizeidirektion Flensburg, berichtet sogar von insgesamt drei Einsätzen der Kollegen während des Gastspiels des Zirkusses in Schleswig. Am Sonnabend waren ein paar Ziegen ausgebüxt, am Sonntag dann die Pferde. Schließlich habe sich ein Zeuge gemeldet, der von „blutüberströmten Tieren“ gesprochen habe. Diese hätten die Polizisten dann vor Ort zwar nicht angetroffen. Mehrere ältere Verletzungen bei Pferden und Ponys seien aber protokolliert worden. Ebenso sei in dem Bericht von fehlendem Trinkwasser für einige Tiere und auffällig unruhigem Verhalten die Rede. „Das alles ist dann dem Kreisveterinäramt gemeldet worden“, so Bräuer.

Dr. Volker Jaritz bestätigt sowohl den Eingang dieses Berichtes als auch den Erhalt der E-Mail von Jennifer Stalla. Der Amtstierarzt möchte aber dennoch nicht den Stab über den Zirkus brechen – zumindest noch nicht. „Wir haben den Betrieb erst kürzlich kontrolliert, als er in Harrislee zu Gast war. Da gab es keine Beanstandungen. Auch bei seinen Gastspielen zuvor in Nordfriesland gab es keine Auffälligkeiten. Insgesamt ist er bislang nicht als Schwarzes Schaf bekannt“, sagt er. Die Verletzungen der Tiere etwa, die unter anderem auf den Bildern von Jennifer Stalla zu sehen sind, könnten auch das Ergebnis von Rangkämpfen sein. Aufgrund der aktuellen Vorwürfe werde man dennoch den Zustand der Tiere jetzt noch einmal „unvoreingenommen“ unter Lupe nehmen.

Ab heute gastiert der Zirkus Salino in Eggebek, danach zieht er weiter nach Wanderup. Chefin Carola Urban äußert sich auf Nachfrage „entsetzt“ über die Vorwürfe gegen das Familienunternehmen. „Wir lieben unsere Tiere wie unsere Kinder. Allen geht es gut hier“, versichert sie und verweist gleichzeitig auf ständige amtliche Kontrollen. „Wir verwenden keine Peitschen, die Tiere bekommen immer genug Wasser und Futter und der Hufschmied kommt alle sechs Wochen. Das kann man in unseren Büchern nachlesen. Dass sich die Tiere mal gegenseitig verletzen, kommt immer mal vor“, sagt Urban. Gleiches gelte für Beschwerden von Tierschützern. „Aber das sind immer Leute, die keine Ahnung haben. Viele Vorwürfe sind lächerlich.“ Jeder könne sich selbst vor Ort ein Bild davon machen, dass es den Tieren im Zirkus Salino gut gehe.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen