zur Navigation springen

Kropper Mondscheinnacht : Vergewaltiger muss vier Jahre in Haft

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Landgericht hat einen 26-jährigen Iraker verurteilt, der im September am Rande der Kropper Mondscheinnacht eine 30-jährige Altenpflegerin vergewaltigt hatte.

von
erstellt am 15.Feb.2017 | 07:50 Uhr

Flensburg | Wegen Vergewaltigung ist am Dienstag ein 26-jähriger Iraker zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Die II. Große Strafkammer des Flensburger Landgerichts sah es als erwiesen an, dass der Mann in den frühen Morgenstunden des 4. September 2016 am Rande der Kropper Mondscheinnacht eine 30-jährige Altenpflegerin sexuell missbraucht hat.

Der Angeklagte hatte während der drei Verhandlungstage geschwiegen. Dennoch lagen nach Ansicht des Gerichts ausreichend Gründe für eine Verurteilung vor. Die Aussage des Opfers, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, wurde in der Urteilsbegründung als glaubhaft bezeichnet. Sie hatte angegeben, dass der Mann ihr Gewalt angetan hatte, obwohl sie mehrfach Nein gesagt und sich auch körperlich gewehrt habe, soweit ihr das in ihrem alkoholisierten Zustand möglich gewesen sei. Zudem war durch ein Gutachten DNA festgestellt worden, die dem Angeklagten zuzuordnen war. Theoretisch wäre danach auch sein Bruder als Täter in Betracht gekommen, der über dieselbe DNA verfügt, das jedoch schloss das Gericht aus. Der Bruder sei mindestens zehn Zentimeter größer und bewege sich aufgrund einer Behinderung wesentlich hölzerner.

Der Täter war von der Überwachungskamera eines Elektrogeschäfts gefilmt worden. Als Beleg für die Täterschaft wertete das Gericht auch die Reaktion des Angeklagten auf das Video, auf dem er zweifelsfrei zu erkennen gewesen sei. „Beim Anblick des Films hat sich sein Gesicht verändert. Es war plötzlich von einem Schweißfilm überzogen“, sagte die Richterin.

Das Gericht verneinte zudem die Möglichkeit, dass der Angeklagte an jenem Abend durch Alkohol in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sein könnte. Der erfahrene Gutachter habe „überzeugend“ dargestellt, dass es in seinen Reaktionen keinerlei Ausfälle gegeben habe. Der Sachverständige hatte die Trinkmenge nach den Aussagen von Zeugen ermittelt und war zu dem Schluss gekommen, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt maximal 1,0 Promille Alkohol im Blut gehabt haben konnte.

Für Vergewaltigung sieht das Gesetz Haftstrafen zwischen zwei und 15 Jahren vor. Für den Iraker habe lediglich gesprochen, dass er bisher nicht vorbestraft war, dass es sich um eine spontane Tat gehandelt habe und dass die angewandte Gewalt „an der unteren Grenze“ gelegen habe. Gleichzeitig machte die Richterin allerdings klar, dass der Mann die alkoholbedingte Hilflosigkeit seines Opfers gezielt ausgenutzt habe. Als strafverschärfend wertete sie die Tatsache, dass der Mann sein Opfer zu ungeschütztem Sex gezwungen habe, obwohl für ihn durch Gegenwehr und Worte deutlich gewesen sein musste, dass die Frau nicht wollte. Zudem seien die schwerwiegenden psychischen Folgen für das Opfer zu berücksichtigen, das therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen muss. Von einem minderschweren Fall könne keine Rede sein, erklärte die Richterin. Sie verurteilte den Angeklagten zu vier Jahren Haft, nach der Verhandlung wurde der Mann in die Justizvollzugsanstalt überführt.

Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung fanden wie schon die Befragung des Opfers unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, um dessen Privatsphäre zu schützen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten gefordert, der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert. Er zweifle nicht die Gutachten an, erklärte er nach der Verhandlung, in den Zeugenaussagen aber habe es Umstimmigkeiten gegeben. Deshalb werde er nun gemeinsam mit dem Angeklagten besprechen, ob man in Revision gehen wolle. Revision kann eingelegt werden, wenn dem Gericht Verfahrens- oder sachliche Fehler nachgewiesen werden können.

Ob der Täter seine Strafe absitzen muss oder ob er möglicherweise abgeschoben wird, werde erst erörtert, wenn das Urteil rechtskräftig ist, erklärte die Flensburger Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt. Erst dann könne man sich mit der Ausländerbehörde darüber abstimmen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen