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Alfred-Ehrhardt-Ausstellung im Stadtmuseum : Vergessene Bilder aus der Schleiregion

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Schleswiger Stadtmuseum zeigt historische Aufnahmen des renommierten Fotografen Alfred Ehrhardt.

von
erstellt am 16.Jun.2017 | 12:33 Uhr

Sechs Jahre ist es her, dass Marie Christine Jádi ihre Arbeitsstelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Alfred-Ehrhardt-Stiftung in Berlin antrat. Damals ahnte sich nicht, dass diese Arbeit sie einst in ihre Heimatstadt führen würde. Dann aber entdeckte sie im Archiv der Stiftung einen Karton mit der Aufschrift „Schleswig“ – öffnete ihn und war elektrisiert. Der berühmte Fotograf und Dokumentarfilmer Alfred Ehrhardt (1901-1984) hatte nicht nur unzählige Fotos von der Schleiregion gemacht. Eines der Bilder war ihr zudem unfassbar vertraut aus der Zeit, als sie noch Tams hieß und auf die Domschule ging. Es war der Blick aus ihrem Kinderzimmer in der Pastorenstraße. Ehrhardt muss damals in dem Haus gewesen sein, weil er eine besonders gute Perspektive auf den Domturm suchte.

Marie Christine Jári nahm Kontakt auf zu Dörte Beier im Schleswiger Stadtmuseum – und auch sie war sofort elektrisiert. „Ich kannte natürlich Alfred Ehrhardt – aber ich hatte keine Ahnung, dass er so viele Aufnahmen von Schleswig gemacht hat“, sagt die Museumsleiterin. Die beiden Frauen waren sich schnell einig: Diese Bilder mussten im Museum gezeigt werden.

Kuratorin Marie Christine Jádi ist gebürtige Schleswigerin und entdeckte die unveröffentlichten Aufnahmen bei ihrer Arbeit im Archiv der Alfred-Ehrhardt-Stiftung in Berlin.
Kuratorin Marie Christine Jádi ist gebürtige Schleswigerin und entdeckte die unveröffentlichten Aufnahmen bei ihrer Arbeit im Archiv der Alfred-Ehrhardt-Stiftung in Berlin. Foto: oje
 

Am Donnerstagabend wurde die Ausstellung mit dem Titel „Alfred Ehrhardt – Zwischen Schlei und Eider“ nun eröffnet. Beier hofft, damit in der Sommerzeit nicht nur viele Touristen in ihr Haus zu locken, sondern auch noch mehr Einheimische als bei anderen Fotoausstellungen des Stadtmuseums.

Versammelt sind mehr als 100 Aufnahmen nicht nur aus Schleswig, sondern auch aus dem Kappelner Raum und aus der Eiderregion. Ehrhardt plante offenbar zwei Fotobände mit Aufnahmen entlang der alten Wikinger-Handelsroute von der Ostsee zur Nordsee. Eines der beiden Bücher erschien 1947. Das zweite wurde niemals fertig. Warum nicht, das hat Marie Christine Jádi nicht herausgefunden. Viele der Bilder, die nun im Stadtmuseum zu sehen sind, tragen aber auf der Rückseite Notizen, mit denen Ehrhardt die Veröffentlichung vorbereitete.

Auch ein paar andere Fragen sind unbeantwortet. Die meisten Bildmotive hat die 35-jährige Kunsthistorikerin identifizieren können. „Auch mit der Hilfe von meinen Eltern.“ Aber wann genau die Aufnahmen entstanden sind, bleibt unklar. Die offizielle Datierung lautet deshalb stets „1930er/40er Jahre“.

Ehrhardt, der am Dessauer Bauhaus studierte, lehrte bis 1933 an der Landeskunstschule in Hamburg. Zu Beginn der Nazizeit wurde er aus dem Dienst entlassen und widmete sich daraufhin verstärkt der Fotografie. Nach dem Krieg trat er vor allem als Filmemacher hervor. Ein 15-minütiger Film mit Detailaufnahmen vom Brüggemann-Altar im Schleswiger Dom wurde auf der Biennale in Venedig aufgeführt – und ist nun im Rahmen der Ausstellung im Stadtmuseum zu sehen.

> „Alfred Ehrhardt – Zwischen Schlei und Eider“, bis 10. September täglich (außer montags) 10 bis 17 Uhr im Stadtmuseum, Friedrichstr. 9-11.

 

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