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Schleswiger Nachrichten

24. Oktober 2017 | 14:06 Uhr

Vereine im Steuer-Dschungel

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Finanzministerin Monika Heinold und ihr Expertenteam vermittelten Ehrenamtlern im Kreishaus Tipps für den Umgang mit gesetzlichen Regelungen

von
erstellt am 21.Nov.2014 | 10:50 Uhr

Allein das Aufgebot an Spezialisten war ein deutlicher Hinweis darauf, wie kompliziert das Thema des Abend war. Drei hochrangige Beamte aus dem Kieler Finanzministerium und Ministerium Monika Heinold selbst waren angereist, um mehr als 100 Ehrenamtlern im Bürgersaal des Schleswiger Kreishauses einen Überblick über das Steuerrecht für Vereine zu verschaffen.

Die grüne Ministerin selbst spielte dabei inhaltlich nur eine Nebenrolle. Um den Grund ihrer Anwesenheit zu erklären, brauchte sie zunächst nur ein Wort: „Wertschätzung“. Zudem wolle sie ein Gespür dafür entwickeln, wie die Menschen über das Steuerrecht denken, die in den Vereinen ehrenamtlich tätig sind. Das könne ihr helfen, wenn sie wieder einmal an einem Gesetzentwurf sitze.

Tut es einer Finanzministerin nicht in der Seele weh, wenn sie und ihre Leute Tipps geben, wie Steuern gespart werden können, wo sie doch im Haushalt um jeden Euro ringen muss? „Mir tut es um jeden Cent leid, der von großen Kapitalgesellschaften an uns vorbeigeschleust wird. Das hier aber ist etwas ganz anderes. Hier sitzen ehrenamtlich Menschen aus Vereinen, die für die Gesellschaft tätig sind. Und die haben einen Anspruch darauf, dass wir informieren und helfen.“

Dass die Kassenwarte und Vorsitzenden aus den diversen Vereinen nach der zweistündigen Veranstaltung wirklich mit steuersparenden Erkenntnissen nach Hause gegangen sind, ist stark zu bezweifeln. Vor ihnen wurde ein schier unüberschaubarer Wust von Bestimmungen, Gesetzen und Verordnungen ausgebreitet, der teilweise für ärgerliches Kopfschütteln sorgte.

Der Verein als Arbeitgeber, der Verein als Wirtschaftsunternehmen, der Verein als Ort der Geselligkeit – und immer und überall drohen Gewerbe-, Umsatz-, Lotterie-, Kapitalertrags- und andere Steuern. Dass beim Verkauf einer Bratwurst auf die Hand am Rande eines Fußballspiels sieben Prozent für den Fiskus fällig werden, stolze 19 Prozent aber, wenn man sich für den Verzehr beispielsweise in ein Bierzelt setzen kann, das weiß man in den Vereinen – und so wird auch meist abgerechnet.

Es wurde aber auch deutlich, dass es Grauzonen gibt, in denen die Verantwortlichen recht kreativ mit den Bestimmungen umgehen. Ein Beispiel dafür sind Trikotspenden. Die müssen eigentlich als Einnahmen verbucht werden. In der Realität aber ist es häufig der Trainer, der sich an einen befreundeten Unternehmer wendet – und schon sind einige Jugendmannschaften neu eingekleidet. „Das läuft nicht über die Bücher“, bekannte ein Vereinsvertreter aus den hinteren Reihen freimütig. Ein Einwurf, den der Experte aus Kiel lieber nicht kommentierte. Und auch die beiden Finanzamts-Chefs als Flensburg und Eckernförde, die allein in der ersten Reihe saßen, verzogen keine Miene. „Wenn wir alles berücksichtigen, was in den Bestimmungen steht, ist mein Verein kaputt“, sagte ein Vereinsvertreter.

Die Ministerin zog nach der Veranstaltung ein positives Fazit: „Das Steuerrecht ist hoch kompliziert und damit kein prädestiniertes Thema für volle Säle. Dass die Resonanz dennoch so positiv ausfiel, zeigt, wie groß das Engagement der Bürgerinnen und Bürger ist. Ich hoffe, dass sie jetzt eine Orientierungshilfe haben, um sich im Dschungel Steuerrecht besser zurechtzufinden. “

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