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Schleswig : Veganer haben es schwer, satt zu werden

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Obwohl immer mehr Menschen auf rein pflanzliche Ernährung setzen, ist das Angebot für sie sehr in Schleswig sehr überschaubar.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2015 | 18:15 Uhr

Gerade Berufstätige und Schüler kennen dieses Problem: Wohin, wenn man schnell etwas essen will? Und noch dazu, wenn es auch gesund sein soll? Denkt man an Fast-Food, kommen einem als erstes Gerichte wie Pizza, Burger oder Döner in den Sinn – alle enthalten sie Fleisch und andere tierische Erzeugnisse. Doch immer mehr Menschen entscheiden sich aus verschiedensten Gründen für eine vegetarische oder vegane Ernährung – und wollen dennoch nicht auf leckere Snacks für Zwischendurch verzichten.

Schätzungen zufolge leben in Deutschland circa eine Million Veganer. Und die Zahl steigt stetig. In Großstädten boomt das Geschäft der „grünen“ Lebensweise, an nahezu jeder Ecke finden sich Restaurants, Cafés und Buden, die rein pflanzliche Speisen anbieten. Wie aber sieht es in einer kleineren Stadt wie Schleswig aus? Welche Möglichkeiten haben Veganer hier, sich außer Haus zu ernähren, ohne auf Genuss verzichten zu müssen? „Diese typischen Imbiss-Speisen sind für uns einfach nicht vorhanden, selbst bei großen Ketten nicht. Da hat man es in Kiel zum Beispiel leichter“, sagt Michaela Wycisk vom Veggie-Stammtisch. In der Innenstadt (vor allem in der Fußgängerzone) reiht sich ein Imbiss an den nächsten, es gibt Bäckereien zuhauf. Wenn man bei diesen nachfragt, stellt sich aber schnell heraus, dass man als Vegetarier zwar reichlich Auswahl hat, Veganer jedoch schauen ins Leere: Es gibt wenig (zehn Prozent des Gesamtangebots) bis gar nichts Veganes zu kaufen. Doch die meisten Veganer möchten zum Mittagessen gerne mehr als nur ein trockenes Brötchen verzehren. Dabei liegt es nicht daran, dass die Gastronomen kein Interesse an alternativen Ernährungsweisen haben. Im Gegenteil: Die meisten Geschäftsbetreiber geben zu, häufig darauf angesprochen zu werden, ob sie auch Vegetarisches oder Veganes anbieten.

Der Naturmarkt mit Biobistro in der Königstraße bietet bereits eine große Auswahl an veganen Gerichten – die allerdings weniger für den Verzehr unterwegs geeignet sind. Wer jedoch ein paar Minuten mehr zur Verfügung hat und in Ruhe essen möchte, ist mit Suppen, Eintöpfen und mehr gut bedient. „Wir sind dafür bekannt, auch veganes Essen anzubieten und bekommen deshalb auch immer weiter Zulauf. Als Bioladen stehen wir für Qualität und dafür, dem Kunden Alternativen anzubieten . Das kommt an“, so eine Verkäuferin. Die Kette Kochlöffel verkauft bisher nur vegetarische Snacks. Das soll sich aber bald ändern. Laut Unternehmenssprecherin Marion Thyen sollen im Zusammenhang mit Sonderaktionen in naher Zukunft auch Veggie-Gerichte angeboten werden. Diese würde man aber nicht als vegan bezeichnen, selbst wenn sie es seien, denn: „Um zu gewährleisten, dass vegane Produkte nicht durch die sogenannte Kreuzkontamination verunreinigt werden, also mit tierischen Bestandteilen in Berührung gekommen sind, wäre noch mehr Sorgfalt nötig.“ So müsse zum Beispiel garantiert werden, dass vegane Produkte in einer separaten Fritteuse frittiert würden als die vegetarischen – und das sei mit einem sehr hohen Aufwand verbunden. Somit würde aus Rücksicht vor der Sensibilität dieses Themas die Bezeichnung „Veggie“ verwendet.

Nachfragen ist also sinnvoll. Das merkt man auch, wenn man sich bei verschiedenen Dönerimbissen nach Alternativen erkundigt. Viele Inhaber erklären, dass es durchaus möglich sei, veganen Döner zu essen. Es müssten nur Fleisch und Käse weggelassen werden, meist sei mindestens eine der Saucen frei von tierischen Erzeugnissen. Das sind allerdings Ausnahmen, die meisten Fast-Food-Restaurants halten nur Beilagen wie Pommes Frites und Salate für ihre veganen Gäste bereit – und keine Hauptgerichte für den großen Hunger. So sagt Michaela Wycisk: „Es wäre wirklich schön, wenn einige Bistros Veganes hätten, Backfactory und wie sie alle heißen.“ In der Hinsicht sei Schleswig noch sehr mittelalterlich, habe aber sicher großes Entwicklungspotenzial. Stammtisch-Mitglied Anni Borth schließt sich ihr an: „Alle Veganer wünschen sich, dass sich das Monopol Biomarkt auflöst und gesunde Produkte ohne tierische Inhaltstoffe für jeden leicht erhältlich werden.“

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