Landgericht Flensburg : Vater soll Säugling totgeschüttelt haben

Weil sein zwei Monate alter Sohn schrie, schüttelte ihn ein 30-jähriger Schleswiger so stark, dass das Baby schließlich im Krankenhaus starb.

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12. Juni 2014, 13:18 Uhr

Schleswig/Flensburg | Ein Mann soll seinen zwei Monate alten Sohn so stark geschüttelt haben, dass dieser an den Folgen starb. Für diese Tat muss sich ein 30 Jahre alter Schleswiger seit Donnerstag vor dem Landgericht Flensburg verantworten. Er ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Das Baby hatte laut Anklage geschrien und sich weder von der Mutter noch vom Vater beruhigen lassen. Daraufhin habe der Angeklagte den Säugling geschüttelt, ohne dessen Kopf zu stützen – obwohl er gewusst habe, wie gefährlich dies sei, so die Anklage.

Das Kind starb später im Krankenhaus. Säuglinge haben schwache Nackenmuskeln und können ihren Kopf nicht alleine halten. Schütteln kann Schädel-Hirn-Traumata auslösen – oft mit tödlichen Folgen. Der Mann gab vor Gericht zu, seinen Sohn geschüttelt zu haben. Er habe aber nicht gewusst, dass das gefährlich sei, erklärte er. Die Hebamme habe nur gesagt, er müsse ein bisschen vorsichtig sein. Er zeigte vor Gericht, wie man einen Säugling hochheben soll, konnte den Handgriff aber weder richtig mit Worten beschreiben, noch sagen, warum man bei Babys immer den Kopf stützen muss. Die Hebamme sagte vor Gericht aus, sie habe dem Paar mehrmals gezeigt, wie man sich um ein Neugeborenes kümmert, wie man es füttert, wickelt, badet und halten müsse. Sie habe den Eindruck gehabt, dass die beiden „absolut überfordert“ mit ihrer Elternrolle gewesen seien. So weit es ging, hätten sie sich aber gut ums Kind gekümmert.

Die Tat ereignete sich bereits in der Nacht zum 14. Februar 2012. Der kleine Junge lag in seinem Bett im Schlafzimmer der Eltern, als er gegen Mitternacht zu schreien anfing, wie die Staatsanwältin schilderte. Zunächst machte ihm die Mutter demnach eine Milchflasche warm. Als sie das Baby wieder ins Bett legen wollte, habe es wieder zu schreien angefangen und sich trotz mehrmaligen Hochnehmens nicht beruhigt. Die Mutter legte es den Schilderungen zufolge nach einiger Zeit wieder ins Bett und ging in die Küche. Als der Angeklagte von dem Schreien geweckt wurde, versuchte er den Schilderungen zufolge zunächst auch, den Säugling zu beruhigen, schaffte es aber nicht: „Irgendwann habe ich nicht mehr gewusst, was ich machen sollte und habe angefangen, zu schreien und zu schütteln“, sagte der Mann.

„Ich habe aber eigentlich nicht doll geschüttelt.“ Als sein Sohn ruhig war, habe er ihn ins Bett gelegt und sei ebenfalls in die Küche gegangen. Seine Freundin habe, als sie ins Schlafzimmer zurückgekehrt war, Röchelgeräusche gehört. Sie verständigten den Notarzt. Das Kind starb später in einem Schleswiger Krankenhaus an den Folgen des Schüttelns, es erlitt unter anderem eine Hirnblutung. Für die Aussage der Mutter wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Die Verhandlung wird am kommenden Montag fortgesetzt. Voraussichtlich werden dann die Plädoyers gehalten und das Urteil verkündet.

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