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Schleswiger Nachrichten

20. Oktober 2017 | 15:24 Uhr

Vater der Chronik nimmt seinen Hut

vom

Nach 15 Jahren beendet Heinrich-Wilhelm Horstmann sein Engagement als Bürgermeister der Gemeinde Twedt

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Twedt | Wenn Bürgermeister Heinrich-Wilhelm Horstmann (CDU) Ende Juni mit der konstituierenden Sitzung der neuen Gemeindevertretung aus dem Amt scheidet, kann er auf eine lange Zeit in der Kommunalpolitik auf Gemeinde- und Amtsebene zurückblicken. 1994 wurde Horstmann erstmals in die Gemeindevertretung gewählt. Eine Wahlperiode später, 1998, trat er die Nachfolge von Claus Holländer an, der zuvor knapp 30 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde war. "Es waren ziemlich große Fußstapfen, die Holländer hinterließ", erinnert sich Horstmann. Zumal es zu Beginn seiner Amtszeit um die Finanzen der Gemeinde relativ schlecht bestellt war. "Große Sprünge konnten wir nicht machen", beschreibt Horstmann die damalige Situation. "Die Bürger haben teilweise ihre Gehwege selbst gepflastert, um die Kosten für die Gemeinde gering zu halten." Dies änderte sich erst, als die Gemeinde die Früchte zuvor gefasster Beschlüsse einfahren konnte: Durch die Einrichtung eines Windparks in Alt- und Neu-Tolkschuby profitiert Twedt bis heute von den Gewerbesteuereinnahmen aus den Windkraftanlagen in nicht unerheblichem Maße.

Auch die Einwohnerzahl der Gemeinde blieb konstant und stieg im Laufe der Jahre sogar leicht an, was vor allem an den beiden Twedter Neubaugebieten lag. Neben dem Baugebiet "Unter den Linden", welches bereits Mitte der 90er Jahre erschlossen wurde, folgte ab 1997 die Erschließung der "Schmiedestraße". "Die Gemeinde möchte es Familien ermöglichen, sich in Twedt ein Eigenheim zu errichten", sagt Horstmann. 2012 folgte schließlich das Neubaugebiet "Margarethenweg" mit sechs weiteren Grundstücken.

Eine Herzensangelegenheit war für den scheidenden Bürgermeister die Erstellung einer Chronik für Twedt. Horstmann lud zu einem Grog-Abend zu sich nach Hause ein und besprach mit dem späteren Chronik-Koordinator Hans-Heinrich Schmidt das Projekt. "Dies war der Startschuss für die Ausarbeitung der Dorfchronik", sagt Horstmann im Rückblick. In rund sechs Jahren wurde Material zusammengetragen und im Dezember 2005 schließlich die Chronik der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Anschluss der Gemeinde an die zentrale Abwasserbeseitigung fiel ebenfalls in die Amtszeit Horstmanns. Zum Missfallen der Verwaltung des damaligen Amtes Tolk kündigte Twedt den Vertrag mit dem Amt und suchte eigene Wege zur Beseitigung des Abwassers. Nicht zuletzt dadurch konnten teils sehr hohe Anschlussbeiträge für die Einwohner vermieden werden. "Jeder konnte die für sich in Betracht kommende Lösung selbst wählen", so Horstmann.

In den Jahren 2004/2005 wurde das Twedter Bürgerhaus umgebaut und erweitert. Nicht nur die Twedter Vereine - DRK, Gesangverein und Freiwillige Feuerwehr - brauchten mehr Platz, auch der Küchenbereich wurde vergrößert. Zunehmend wird das Bürgerhaus auch für private Veranstaltungen genutzt. Nicht zuletzt deshalb, weil es immer weniger Gast- und Versammlungsstätten in der näheren Umgebung gibt. "Ich denke, die Gemeinde hat damit dazu beigetragen, die dörfliche Gemeinschaft weitestgehend zu erhalten", unterstreicht Horstmann, der auch unter Berücksichtigung der kontroversen Diskussionen auf das gute Arbeitsklima in der Gemeindevertretung in den vergangenen Jahren hinweist.

Über die Gemeindegrenzen hinaus hat sich Heinrich-Wilhelm Horstmann über viele Jahre auch als Schulausschussvorsitzender für den Amtsbezirk Tolk eingesetzt. Sinkende Geburtenraten, längere Betreuungszeiten in Kindergärten und Schulen und die Zusammenführung von Standorten waren und sind große Herausforderungen, die er in seiner Amtszeit anpacken musste.

"Auf Dauer werden wir aus Kostengründen und wegen sinkender Schülerzahlen nicht alle Schul- und Kindergartenstandorte aufrechterhalten könnten", macht Horstmann deutlich. "Der demografische Wandel macht sich auch bei uns bemerkbar, davor können wir die Augen nicht verschließen". Dabei hat er natürlich auch die finanzielle Leistungsfähigkeit "seiner" Gemeinde im Blick.

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