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Tankstellen-Überfall in Schleswig : Urteil: Vier Jahre für Komplizen, Bewährung für Haupttäter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Tankstellen-Überfall. Dieser Prozess hielt das Landgericht fast ein halbes Jahr lang in Atem. Jetzt ist das Urteil gefallen.

Das Flensburger Landgericht hat gestern zwei Männer für schuldig befunden, im Januar des vergangenen Jahres die Team-Tankstelle im Schleswiger Gewerbegebiet St. Jürgen überfallen zu haben. Der Haupttäter erhielt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Sein Komplize muss für vier Jahre ins Gefängnis – ohne Bewährung. Er war bereits im vergangenen Jahr wegen anderer Überfälle verurteilt worden.

Was den 27-jährigen Haupttäter betrifft, war die Beweislage von Anfang an klar. Eine Zeugin hatte ihn wenige Tage nach der Tag auf einem Foto der Überwachungskamera erkannt, das in den Schleswiger Nachrichten erschienen war. Der 26-Jährige legte sofort ein Geständnis ab. Er hatte die Kassiererin mit einer ungeladenen Schreckschuss-Pistole bedroht und war mit 600 Euro entkommen.

Mit der Bewährungsstrafe folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft und blieb die Strafkammer um die Vorsitzende Richterin Katrin Kropp unterhalb der regulären Mindeststrafe für schwere räuberischer Erpressung, die bei drei Jahren liegt. Das Gericht hielt ihm neben dem Geständnis als weitere milderne Umstände zugute. So habe er sich in den beinahe zwei Jahren seit der Tat nichts mehr zu Schulden kommen lassen, er habe sich von seinem damaligen Freundeskreis distanziert, keine Drogen mehr konsumiert, eine reguläre Arbeit aufgenommen und sei inzwischen Familienvater.

Das Urteil für seinen Komplizen, einen 26-jährigen Studenten der Wirtschaftsinformatik, war deutlich umstrittener. Sein Verteidiger Kai Wohlschläger hatte einen Freispruch gefordert. Der junge Mann, der aus Südangeln stammt, bestritt, mit der Tat etwas zu tun zu haben.

Es gab keinen Zeugen, der ihn an der Tankstelle oder in der Nähe gesehen hatte. Das Gericht verließ sich hier auf die Aussage des Haupttäters, der den Namen des Komplizen gegenüber der Polizei unaufgefordert genannt hatte. Dass der Prozess, für den ursprünglich nur drei Verhandlungstage angesetzt waren, sich über fast ein halbes Jahr hinzog, lag vor allem daran, dass sich die Beweisführung in dieser Frage so schwierig gestaltete. „Wir haben auch nach Ende der Beweisaufnahme noch lange und intensiv beraten“, sagte Richterin Knapp. Als Anhaltspunkt für die Schuld führte sie unter anderem ein abgehörtes Telefongespräch an, in dem sich der Haupttäter mit einem Bekannten darübr unterhielt, ob er seinen Komplizen auffliegen lassen sollte. „Wir haben keinen Anhaltspunkt anzunehmen, dass dieses Gespräch fingiert war“, sagte die Richterin.

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erstellt am 01.Dez.2015 | 19:56 Uhr

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