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Brandserie in Schleswig : Urteil im Feuerteufel-Prozess: Fünfeinhalb Jahre Haft

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Kurz nacheinander legte er im August sieben Brände in Schleswig. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem „Inferno“.

Flensburg/Schleswig | Das Flensburger Landgericht hat einen Serienbrandstifter zu einer Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Zudem wurde am Freitag die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Die Richter befanden den 36-Jährigen der schweren und versuchten schweren Brandstiftung, der gefährlichen Körperverletzung und des Diebstahls für schuldig.

An einem einzigen Tag im August 2014 hatte der Mann sieben Brände gelegt oder dies versucht. Mehrere Mehrfamilienhäuser in Schleswig waren betroffen. Dabei erlitten mehrere Menschen eine Rauchgasvergiftung. Der Staatsanwalt sprach von einem „Inferno“. Nur durch Zufall habe es keine Toten gegeben. Zudem entstand ein Sachschaden von mehreren hunderttausend Euro.

Berücksichtigt wurde neben der schweren multiplen Persönlichkeitsstörung des Mannes sein umfassendes Geständnis. Gegen ihn habe aber die „jahrelange umfangreiche Latte“ von Vorstrafen gesprochen, sagte der Richter. „Er braucht Strukturen, er braucht Anleitung“, sonst seien schwere weitere Straftaten zu erwarten.

Der 36-Jährige war erst wenige Tage vor den Taten aus Rendsburg nach Schleswig gekommen und lebte in einer Obdachlosen-Unterkunft. In den Tagen vor der Brandserie hatte er bereits mehrere Fahrräder aus Hauskellern gestohlen und an einen Second-Hand-Händler verkauft. Er hatte bereits ab 2005 wegen einer Vergewaltigung für fünfeinhalb Jahre in Haft gesessen.

Der Mann hatte im Prozess Mord- und Gewaltfantasien eingestanden. „Unbehandelt weiß man nicht, wohin der Zug fährt.“ Der 36-Jährige sei nur knapp um eine Sicherungsverwahrung herumgekommen.

Die Kammer hatte nach einem Rechtsgespräch mit Staatsanwalt und Verteidiger bereits zugesichert, eine Strafe zwischen nicht unter fünf und nicht mehr als sechs Jahren zu verhängen. „Der Angeklagte hat in Schleswig ein Inferno ausgelöst“, sagte der Staatsanwalt. „Er hat Angst und Schrecken verbreitet. Jeder hat gedacht, er könnte der nächste sein.“ Die Feuerwehrleute im Dauereinsatz hätten an Austrocknung und Erschöpfung gelitten.

Der 36-Jährige bekannte in seinem Schlusswort: „Jetzt, wo ich in Haft sitze, ist mir erst das Ausmaß bewusst geworden. Ich möchte mich entschuldigen.“ Er hatte im Prozess angegeben, ins Gefängnis zurückgewollt zu haben, da er dort feste Strukturen vorfinde.

Zum Schluss wandte sich der Richter direkt an den 36-Jährigen. Er müsse eine Therapie machen, auch wenn das „kein Zuckerschlecken“ werde. Der Mann nickte: „Das möchte ich nutzen.“

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erstellt am 20.03.2015 | 14:15 Uhr

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