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Aus dem Amtsgericht : Untreue im Verein für Transsexuellen-Rechte

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Er wollte nur Gutes tun: Ein 52-jähriger Däne fügt seinem Verein für Transsexuellen-Rechte finanziellen Schaden in Höhe von 100000 Euro. Vor Gericht spricht von Sicherheitslücke bei Kontoauszügen.

Eigentlich wollte er seinem Verein nur ein bisschen mehr Geld beschaffen, seinen Vereinsleuten etwas Gutes tun. Am Ende fügte ihnen der 52-Jährige Däne, der gestern vom Schleswiger Schöffengericht verurteilt wurde, einen Schaden in Höhe von rund 100 000 Euro zu. Für seine Untreue in 39 Fällen sowie zwei Fälle von Urkundenfälschung verurteilte das Gericht den zur Tatzeit in Treia ansässigen Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

„Ich habe einfach den Überblick verloren“, sagte der Angeklagte, der Show-Auftritte als Transsexueller bestreitet, zu Beginn der Verhandlung. 2009 hatte er die Position des Schatzmeisters in einem Verein übernommen, der sich für die Rechte von Transsexuellen einsetzt. Ein Jahr später kam ein ihm bekannter Rechtsanwalt aus Spanien mit einem Angebot auf ihn zu. „Man sollte 35 000 Pfund investieren und ein Jahr darauf das Geld mit 15 bis 20 Prozent Zinsen zurückbekommen“, erzählte der 52-Jährige, der bereits eine Schuldanerkennung unterschrieben hatte.

Da der Angeklagte in seiner Rolle als Schatzmeister eine Vollmacht für das Vereinskonto besaß, entnahm er den Betrag und überwies ihn nach Spanien. Das Geld war für eine Reihe von Wasserkraftwerken vorgesehen, die von 2010 an im afrikanischen Staat Mali gebaut werden sollten. „Aber dann kam der Bürgerkrieg in Mali“, berichtete der Angeklagte. Und dabei sei das Geld spurlos verschwunden, wie mittlerweile auch der Rechtsanwalt.

Richterin Liv Heimbach wollte daraufhin wissen, warum der Angeklagte den Vereinsvorstand nicht über diese Investition informierte? „Ich wusste, dass der Verein Geld braucht und war der Meinung, dass ich das Defizit auf diese Weise schnell ausgleichen könnte“, erklärte sich der mittlerweile in Flensburg lebende Däne. Schnell kamen aber nur die weiteren Forderungen des Rechtsanwalts. Sicherheitsvorkehrungen, Rettungstransporte und andere Hilfsmittel für die Arbeiter in Mali seien notwendig, um das Projekt weiterhin durchführen zu können. Die Beträge lagen dabei meist im hohen vierstelligen Bereich.

Um diese weiteren Investitionen tätigen zu können, griff der Angeklagte nach eigener Aussage immer wieder auf das Vereinskonto zurück. „Ich musste sowieso häufig Geld davon abheben, um die Reisekosten von verschiedenen Vereinsmitgliedern zu erstatten“, sagte der 52-Jährige. Da es für das Vereinskonto keine eigene Kreditkarte gab, habe er diese Gelder meist über seine eigene Karte laufen lassen. Durch diese Vorgehensweise habe niemand im Vereinsvorstand Verdacht geschöpft.

Jedoch bedurfte es noch ein wenig mehr krimineller Energie, um die Veruntreuung der Gelder nicht auffliegen zu lassen. Denn die Kontoauszüge beinhalteten die vielen Abbuchungen vom Vereinskonto im hohen vierstelligen Bereich. Da das Konto von der Nord-Ostsee-Sparkasse geführt wurde, waren alle Anwesenden daran interessiert zu erfahren, wie der 52-Jährige die Kontoauszüge so echt aussehend fälschen konnte. „Das war ganz einfach“, so der Angeklagte. Er habe die Auszüge einfach als Datei heruntergeladen und anschließend in das Microsoft-Programm „One Note“ eingefügt. Mit Hilfe des Programms sei es dann ganz leicht gewesen, die nicht erwünschten Buchungen von den Auszügen zu entfernen, ohne damit das originale Design des Auszugs zu zerstören. „Das ist eine riesige Sicherheitslücke bei der Nospa“, sagte der Angeklagte unter den erstaunten Blicken der Anwesenden.

Das Finanzinstitut war aber nicht der einzige indirekte Helfer des Angeklagten. Auch der Vereinsvorstand half ihm indirekt, indem er keine Belege für jegliche Kosten einforderte. „Die Kassenprüfung fand zudem nur alle zwei Jahre statt“, berichtete der Transsexuelle. So konnte er die Auszüge ein Jahr lang problemlos fälschen, ohne sich Sorgen machen zu müssen. Richterin Heimbach sowie die anwesenden Schöffen berücksichtigten diese Umstände bei der Urteilsfindung.

Das Gericht war auch der Meinung, dass der Angeklagte wirklich im Sinne des Vereins handeln wollte und nicht eigennützig agiert habe. Zumindest war dem 52-jährigen Transsexuellen dies nicht mehr nachzuweisen. Dennoch hätte die Strafe eigentlich höher ausfallen müssen, weil das Gericht für jeden Fall von Untreue mindestens eine Strafe von sechs Monaten aussprechen müsse, sagt das Gesetz. „Das Urteil ist daher ein straffer Zusammenzug der einzelnen Delikte“, erklärte Richterin Heimbach zum Abschluss und ordnete ebenfalls an, dass der Angeklagte monatlich 50 Euro an den geschädigten Verein überweisen müsse. Nach Ablauf seiner Bewährungszeit hätte er damit einen Prozent des Schadens zurückerstattet.

 

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erstellt am 15.Aug.2014 | 07:45 Uhr

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