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50 Jahre „The Beatniks“ : „Unser Beat, der kracht so richtig rein“

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sie sind die Stones von der Schlei: Die Schleswiger Kult-Band „The Beatniks“ gibt am Sonnabend ein Jubiläumskonzert im Festsaal der Alten Schule von Idstedt.

Kopfüber in der Wanne mit dem Eiswasser zur Kühlung des Sekts festzustecken – das war keine schöne Erfahrung, erinnert sich Harry Woggan an wilde Zeiten zurück. Auf der Suche nach „Sprit“ war der Sänger der Beatniks nach einem Konzert heimlich über den Tresen der Bar im Süderbraruper Tanzschuppen „Beat-Club“ geklettert. Knapp 50 Jahre ist das her. Woggan, damals noch keine 20, blieb mit den Füßen an den Barhockern hängen, landete mit dem Gesicht voran in der Wanne und musste enttäuscht feststellen, dass den Sekt schon andere geleert hatten – eine von vielen Anekdoten aus 50 Jahren Bandgeschichte, die der Sänger der Beatniks, von allen „Larry“ genannt, auf Lager hat.

Nun, die wirklich wilden Zeiten sind bei den Beatniks, der Schleswiger Kult-Band der 60er Jahre, vorbei. Die Jungspunde von einst gehen mittlerweile alle auf die 70 zu, sind verheiratet oder frisch geschieden, haben vor Ewigkeiten ihren Meister als Maschinenbauer oder im Sanitärhandwerk gemacht und genießen mittlerweile das Rentnerdasein.

Die Liebe zur Beatmusik aber hat sie nie verlassen. Auch heute noch treffen sie sich regelmäßig in ihrem Proberaum. „Erst wenn wir am Rollator gehen, ist Schluss. Ich zieh mich vielleicht nicht mehr aus auf der Bühne, aber verrückt spiele ich immer noch“, verspricht Woggan voller Vorfreude auf das erste Konzert im Jubiläumsjahr der Beatniks. Am Sonnabend, 1. Februar, werden sie in Idstedt wieder beweisen: „Unser Beat, der kracht so richtig rein.“

Vor 50 Jahren hatten Woggan und Bassist Karsten Lilienthal, die damals zusammen die Schulbank in der Schleswiger Bruno-Lorenzen-Schule drückten, die Idee, eine eigene Kapelle zu gründen. Schlagzeuger Heiner Gercke aus Schleswig, Keyboarder Ralf Pöttgen aus Hamburg und Gitarrist Karl-Ludwig „Kalli“ Davidsen aus Kiel stießen später dazu – ebenso wie Gitarrist und Songschreiber Claus „Schaufi“ Wegener, den seine Kollegen seit seinem Tod 2005 schmerzlich vermissen.

Ihr erstes Konzert spielten die Beatniks zur Eröffnung des Dänischen Ruderclubs in Schleswig. Danach wurden fleißig mehr und mehr Hits der damals angesagten Bands eingeübt, aber stets mit dem ganz eigenen Beat der Beatniks unterlegt. „Wir konnten 15 Lieder, die haben wir den ganzen Abend rauf und runter gespielt. Das hat die Leute nicht gestört“, sagt Woggan. Mit ihren ersten eigenen Stücken („The world of the Young/German Fräulein“), die sie bei Vogue Records in Hamburg auf Platte pressten, bewarben sie sich 1967 als eine von 700 Bands bei der „Deutschen Beatmeisterschaft“ in Saarbrücken und wurden dort zur besten Amateurband gekürt – der Höhepunkt ihrer Karriere. Danach waren ihre Auftritte heiß begehrt; die Beatniks spielten regelmäßig im Süderbraruper Beat-Club, im Kappelner Strandhotel, in der Stampfmühle, dem Hohenzollern und dem Lido in Schleswig, aber auch im Deutschen Haus in Flensburg. Auch in Hamburg und Dänemark traten sie auf, gemeinsam mit damaligen Größen wie den „Troggs“ und „Lords“, die sie zu ihren Freunden zählen.

Die große Karriere blieb den Musikern aber verwehrt. Der zum Greifen nahe Traum eines Schallplattenvertrags zerplatzte, Tanzschuppen wurden durch Discos abgelöst, Familiengründung und Karriere rückten in den Vordergrund für die einzelnen Bandmitglieder. Beatmusik ist aber nach wie vor ihre Leidenschaft geblieben. Heute spielen sie auf ihren Konzerten Hits der Beatles, Rolling Stones, The Who, Kinks und anderer Größen der 60er und 70er Jahre.

Wenn die Beatniks am Sonnabend in Idstedt im Festsaal zur Alten Schule ab 20 Uhr auf der Bühne stehen, dann werden sie wieder mit ihrer Version von Chuck Berrys „Talking about you“ ihre Fans begrüßen. „Damit fangen wir immer an. Das geht so unglaublich ab mit der Gitarre. Drei Takte und dann ist schon Alarm in der Hütte“, verspricht die Band.

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erstellt am 30.Jan.2014 | 17:00 Uhr

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