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Schleswiger Tafel : „Uns macht das Helfen viel Spaß“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die ehrenamtliche Arbeit für Schleswiger Tafel ist so beliebt, dass es eine Warteliste gibt.

Nicht wegwerfen – weiter verteilen. Diese Ursprungsidee der Tafel-Bewegung funktioniert in Schleswig seit zehn Jahren reibungslos. Und das Problem, mit dem die Tafeln in größeren Städten derzeit zu kämpfen haben, nämlich dass die Lebensmittelangebote längst nicht mehr für alle Bedürftige ausreichen, scheint hier noch nicht angekommen zu sein.

Die Schleistadt als Insel der Seligen? Tatsächlich ist auf beiden Seiten der Tafeleinrichtung – bei den Gebenden wie bei den Nehmenden – eine relativ entspannte Zufriedenheit spürbar. „Wir haben hier das Glück, sehr zuverlässige Sponsoren zu haben, so dass wir meist gut bestückt sind“, sagt Catherine Matzen, die zu den Koordinatoren der Schleswiger Tafel gehört. Die Sponsoren, das sind große und kleine Bäckereien, Supermärkte, Discounter und auch zahlreiche Privatleute aus Stadt und Kreis. Ein zusätzlicher Pluspunkt: Die Nähe zur Böklunder und zur Satruper Wurstfabrik. Deren eingeschweißte Würstchenpakete werden insbesondere von den Kindern bedürftiger Familien geschätzt.

Gestern Vormittag auf dem Hof vor dem Gebäude Moltkestraße 25. Es ist kurz vor 10.30 Uhr, eine längere Menschenschlange hat sich vor dem Eingang gebildet. Junge Arbeitslose, Alleinerziehende, Rentner und Hartz-IV-Empfänger. Keiner drängelt, keiner meckert, jeder kennt das Procedere für die Lebensmittel-Ausgabe, die gleich beginnen soll. Zuvor hat sich jeder von ihnen ausgewiesen und eine Nummer von Tafel-Helfern erhalten. Die Nummern werden dann aufgerufen, um für einen geordneten Ablauf bei der Ausgabe zu sorgen. Unter den Wartenden befindet sich auch eine junge Schleswigerin, 26 Jahre alt, an der Hand ihre kleine Tochter. Die gepflegt wirkende Frau ist erst kurz vor Weihnachten zur Tafel gekommen, sagt sie gegenüber den SN. Ihren Namen möchte sie nicht veröffentlicht sehen, doch sie schildert uns offen ihre Lage. Zwei kleine Kinder habe sie, Arbeit finde sie wegen ihrer chronischen Erkrankung nicht, und ihr Ehemann durchlaufe gerade eine Umschulungsmaßnahme, er hoffe auf eine baldige Einstellung. Für die vierköpfige Familie stehen monatlich etwa 400 Euro zum Leben zur Verfügung, erzählt sie. „Da hilft es uns sehr, wenn wir zur Tafel gehen und uns von diesen Lebensmitteln etwa zwei Tage in der Woche ernähren können.“

Die aussortierten Lebensmittel sind in der Regel ohne Beanstandung, stehen aber oftmals kurz vor Ende des Haltbarkeitsdatums. So müssen sie schnell verbraucht werden. „Unsere Kunden wissen das. Doch die Tage, in denen sie davon leben können, entlasten natürlich ihr Monatsbudget, so dass sie dieses Geld für andere notwendige Dinge zur Verfügung haben“, meint Tafel-Mitarbeiterin Christa Spruner von Mertz.

Bei ihr und den anderen Mitarbeitern zeigt sich ein fröhlicher Teamgeist, während sie die Kisten mit Lebensmitteln auspacken, das schlechte Obst aussortieren und den Stand mit Broten und Brötchen aufbauen. „Uns macht das Helfen viel Spaß, wir können damit etwas von unserem guten Leben an die Gesellschaft zurück geben“, meint einer der ehrenamtlichen Helfer, die aus Rentnern und Pensionären, Berufstätigen, Ärzten im Ruhestand und Hausfrauen bestehen. Gutes tun und anderen zu helfen – „da kommt viel wieder an einen selbst zurück“.

Vielleicht ist das der Grund, weshalb es mittlerweile eine Warteliste für Menschen gibt, die mithelfen möchten bei der Schleswiger Tafel.

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erstellt am 10.Jan.2014 | 11:59 Uhr

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