Schleswig : Unruhige Zeiten für die Tafel

Gemeinsam für die gute Sache: Renate Schulze (links) von der Buchhandlung Bernaerts überreicht Tafel-Leiterin Cathérine Matzen eine prall gefüllte Spendendose. Im Hintergrund geben die ehrenamtlichen Mitarbeiter Lebensmittel an die Kunden aus.
Gemeinsam für die gute Sache: Renate Schulze (links) von der Buchhandlung Bernaerts überreicht Tafel-Leiterin Cathérine Matzen eine prall gefüllte Spendendose. Im Hintergrund geben die ehrenamtlichen Mitarbeiter Lebensmittel an die Kunden aus.

Betrüger geben sich als Spendensammler der Hilfs-Einrichtung aus, eine Sammeldose wurde gestohlen. Und jetzt müssen auch noch die Ausgabepreise erhöht werden.

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11. Mai 2015, 07:31 Uhr

Es ist ein warmer Geldsegen, der zur rechten Zeit kommt: Eine prall gefüllte Spardose mit 400 Euro überreichte Renate Schulze von der Buchhandlung Bernaerts jetzt den Machern von der Schleswiger Tafel. Geld, das ihre Kunden gespendet haben – und das die Einrichtung, die rund 250 Schleswiger und ihre Familien jede Woche mit frischen Lebensmitteln versorgt, dringend benötigt. Insbesondere momentan. „In letzter Zeit kommt irgendwie eins zum anderen“, sagt Tafel-Leiterin Cathérine Matzen.

Besonders ärgerlich sei, dass kürzlich erstmals eine der acht Spendendosen, die die Einrichtung in den Kassenbereichen von verschiedenen Schleswiger Geschäften aufgestellt hat, gestohlen wurde. Von einem Verlust von bis zu 100 Euro geht Matzen aus, die jedoch nicht nur dem materiellen Wert hinterhertrauert. „Das ist doch unfassbar. Was für Leute machen so etwas?“, fragt sie sich – und hat dabei noch zwei weitere Vorfälle im Sinn, die sich in jüngster Zeit ereignet haben. So wurde der Tafel-Vorstand neulich von einer Schleswigerin angerufen, die eine Spendenbescheinigung haben wollte, nachdem sie einem Mitarbeiter an ihrer Haustür einen nicht geringen Betrag gespendet hatte. „Dabei machen wir definitiv keine Haussammlungen. Das war niemand von uns“, sagt Matzen und hat gleich noch eine Geschichte auf Lager: Auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums im Friedrichsberg sei kürzlich ein Mann unterwegs gewesen und habe Spenden für die Tafel gesammelt. Aber auch hierbei handelte es sich um einen Betrüger, das Geld wanderte in seine eigene Tasche. „Das alles geht gar nicht und ist schädlich für den guten Ruf der Schleswiger Tafel. Auch unsere Helfer und Mitarbeiter sind empört, dass in unserem Namen so ein Schindluder getrieben wird“, fasst Matzen ihren Ärger zusammen. „Es gibt Dinge, die machen wir einfach nicht. Wir setzen hingegen auf unsere Spendendosen oder Sonderaktionen, die jeweils eindeutig gekennzeichnet sind. Viele unserer Unterstützer sind zudem Dauerspender. Wir leben aber natürlich auch von Einzelspenden, die dann direkt an uns überwiesen werden“, sagt Matzen.

Wer sich dabei in der Vergangenheit besonders hervorgetan hat, ist die Unternehmerin Sybille Schmid-Sindram. Rund 80  000 Euro hat sie seit 2009 an die Tafel gespendet. 30  000 Euro davon, damit die bedürftigen Kunden nur einen Euro pro Einkauf zahlen müssen (Ausgabestellen gibt es donnerstags in der Moltkestraße 25 sowie montags in der Bugenhagenschule). Dieser Puffer ist inzwischen aufgebraucht. Demnächst, so Matzen, würde man deshalb die Preise auf 1,50 Euro oder höchstens zwei Euro pro Einkauf anheben. „Das ist bei anderen Tafel schon längst ein normaler Preis. Und am Ende müssen wir sehen, dass wir irgendwie über die Runden kommen. Denn was nützt es den Kunden, wenn wir aufgeben müssen?“ Zwar würden die rund 60 Helfer allesamt ehrenamtlich arbeiten. Miete, Strom, Benzin und Reparaturkosten für unsere Transporter müssten aber kostendeckend finanziert werden.

Die 400 von der Buchhandlung Bernaerts gespendeten Euro hingegen werden für ein anderes Projekt eingesetzt. Sie sollen den Grundstock bilden für die Kinderschuh-Aktion, mit der die Tafel seit Jahren rund 50 Kinder aus bedürftigen Schleswiger Familien erfreut – und zwar mit einem festen paar Schuhe für die kalte Jahreszeit. Dafür hatte man in den vergangenen Jahren immer Sponsoren gefunden, wie etwa den NDR oder Lidl. In diesem Jahr aber muss die Tafel die Gelder selbst aufbringen. „Es macht richtig Freude, für diese gute Sache einen Teil beitragen zu können“, sagt Renate Schulze und spricht dabei auch im Namen ihrer Kunden. Denn denen gefalle es offenbar gut, für die Tafel spenden zu können. Deshalb werde sie die Spardose auch weiterhin in ihrem Laden stehen lassen.

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