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Unfall nach Gemeinderatsfeier : Unruhe in Handewitt: Bürgervorsteher baut Alkohol-Unfall

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Handewitts Bürgervorsteher Joachim Schmidt war mit 2,3 Promille unterwegs. Jetzt gibt es Streit um die Konsequenzen.

von
erstellt am 07.Aug.2015 | 12:00 Uhr

Die Polizei ermittelt wegen Gefährdung des Straßenverkehrs gegen den Bürgervorsteher der Gemeinde Handewitt. Der 62-jährige Joachim Schmidt (CDU) soll in der Nacht zum 8. Juli gegen 2.45 Uhr die Kontrolle über seinen BMW verloren und ein Verkehrsschild zerstört haben. Zum Stehen kam der stark beschädigte Wagen im Raucherpavillon der Gaststätte, der ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die von einer Zeugin alarmierte Polizei registrierte einem Atemalkoholgehalt von 2,3 Promille. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Seine Brisanz bezieht der Fall nicht nur aus der Tatsache, dass mit dem Bürgervorsteher ein hoher Repräsentant der Gemeinde beteiligt war – die alkohol-trächtige Feier fand auch nach der letzten Sitzung der Gemeindevertretung vor der Sommerpause statt – und vor dem Unfall soll Schmidt noch zwei andere Gäste nach Hause gefahren haben. Es sollen der hauptamtliche Bürgermeister Thomas Rasmussen und den Ehrenbürgermeister Horst Andresen gewesen sein. Ein anonymer Tippgeber berichtete nach dem Crash, die Polizei habe das Unfallfahrzeug rund 100 Meter entfernt gefunden – ein Hinweis darauf, dass der Fahrer sich aus dem Staub machen wollte. Dieser Interpretation widersprach allerdings Matthias Glamann, Pressesprecher der Polizeidirektion Flensburg, deutlich: „Es ist durchaus ein übliches Verhalten nach solchen Vorfällen, dass der Fahrer den Wagen nicht einfach stehen lässt.“ Ermittlungen wegen versuchter Unfallflucht jedenfalls gebe es nicht.

In ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause hatte die Handewitter Gemeindevertretung noch eine Menge wichtiger Entscheidungen zu treffen. Es ging um Investitionen in Schule und Sporthalle, um die Einstellung von Schulassistenten und Bürgerbeteiligung. Nach der ehrenamtlichen Arbeit traf man sich noch in einem griechischen Lokal – und da soll auch reichlich Alkohol geflossen sein.

Nach 2 Uhr soll Schmidt noch zwei Gäste nach Hause gefahren haben, ehe er dann an einer Kreuzung die Kontrolle über seinen Wagen verlor, zwei Verkehrsschilder überfuhr und schließlich durch einen Zaum am Pavillon landete. Bürgervorsteher Joachim Schmidt hat sich trotz mehrfacher Anrufe über Tage auf dem Festnetztelefon und dem Handy sowie E-Mail-Nachfragen nicht zu dem Vorfall geäußert.

Während Hergang und Ursachen des Unfall geklärt zu sein scheinen, sorgt die Alkoholfahrt des Bürgervorstehers in der Politik immer noch für erhebliche Unruhe. Ist der Bürgervorsteher, zumal als Vorsitzender der Orts-CDU und des Fördervereins „Freunde der Gemeinschaftsschule Handewitt“ noch als Repräsentant und Vorbild tragbar? Und wie ist es zu bewerten, dass die anderen Gäste ihn in seinem volltrunkenen Zustand haben fahren lassen? „Das sind Fragen, die zurzeit heiß diskutiert werden“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Marx Plagemann. Er habe erst am nächsten Tag von dem Vorfall hört – da müsse er sich selbst seine Meinung bilden, sagt Plagemann, der aber keinen Zweifel daran lässt, dass er das Verhalten seines Parteikollegen missbilligt. „Der Bürgervorsteher hat uns informiert – mit den Worten, er habe wohl ein Bierchen zu viel getrunken – und einen kleinen Unfall gebaut.“ Obwohl die Tatsachen sich dann als wesentlich gravierender herausgestellt habe, habe in der CDU zunächst überwiegend die Auffassung vorgeherrscht, es handele sich um eine reine Privatangelegenheit. „Inzwischen haben viele ihre Meinung geändert“, berichtet Plagemann. Er bezweifelt allerdings, dass Schmidt mit politischen Konsequenzen rechnen muss: „Das Ganze wird wahrscheinlich im Sande verlaufen“, vermutet er mit einer Spur Resignation in der Stimme.

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