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Schleswiger Nachrichten

22. August 2017 | 10:04 Uhr

Real Schleswig : Unruhe in der Ladenzeile

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Real will sein Warenhaus umgestalten und hat seinen Untermietern die Kündigung geschickt / Zwei Geschäfte schließen zum Monatsende

„Die Stimmung ist schlecht,“ sagt der Mann, der namentlich lieber nicht genannt werden möchte. Er leitet ein kleines Geschäft in der Real-Ladenzeile an der Flensburger Straße. Ob er das auch in Zukunft wird tun können, weiß er noch nicht. So wie viele der teils alteingesessenen Mieter hat auch seine Firma kürzlich ein Kündigungsschreiben aus der Real-Zentrale in Mönchengladbach erhalten. Manche erhielten das Angebot, einen neuen Mietvertrag abzuschließen – wenn sie mehr zahlen als bisher. Manche wollen sich offenbar darauf einlassen oder überlegen noch, es zu tun. Einer bekam diese Möglichkeit nach eigenen Angaben nicht: Alv Gundlach, besser bekannt als „Mister Bratwurst“. Er schließt seinen Würstchen-Imbiss zum Monatsende. „An uns liegt es nicht. Wir wären gerne geblieben“, sagt er.

Real plant, die Ladenzeile von Grund auf neu zu gestalten. Die Arbeiten sollen in Kürze beginnen, sagt Unternehmenssprecher Markus Jablonski, ohne ein genaues Datum zu nennen. Über die Details würden die Mieter noch in dieser Woche informiert. Auf jeden Fall wolle man dem Konzept treu bleiben, den Kunden neben dem Warenhaus auch Geschäfte wie Friseur, Apotheke oder Lottoladen zu bieten. Ziel sei es, das gesamte Einkaufszentrum hochwertiger zu machen. „Es ist keineswegs so, dass wir die Mieter rausmobben wollen“, betonte er. Auch bewegten sich die geplanten Mieterhöhungen im üblichen Rahmen.

Fest steht, dass außer „Mister Bratwurst“ Ende Juni auch die „Blumenwerkstatt“ schließt. Zu den Hintergründen möchte Inhaberin Martina Schönherr öffentlich jedoch nichts sagen. Alv Gundlach spricht davon, dass Real mit Dumpingpreisen gezielt die eigenen Mieter unter Druck setze: „Leberkäse im Brötchen für einen Euro – da muss man erst einmal dagegenhalten können. Aber wir konnten das.“ Andere Händler hatten offenbar größere Schwierigkeiten.

Der Bratwurst-Mann hat bis Anfang des Jahres auch in seiner Heimatstadt Rendsburg einen Imbiss in der dortigen Real-Ladenzeile betrieben. Auch dort wurde ihm gekündigt. Dabei sei das Geschäft an beiden Standorten gut gelaufen. „Wir waren zufrieden.“ So mag er nicht in das Klagelied anderer Mieter einstimmen, die davon sprechen, dass die Laufkundschaft spürbar weniger geworden sei, seit Real mit dem Famila-Markt neben der Schwimmhalle und dem Sky-Markt am Stadtfeld neue Konkurrenz bekommen hat.

Dass der Real-Standort in den letzten Jahren in eine Krise geraten war, ist indes kein Geheimnis. Vertreter der Firma Newport aus Hamburg, der die Immobilie gehört, sprachen das ganz offen an, als sie vor einiger Zeit die Pläne für eine zweite Ladenzeile im Schleswiger Bauausschuss vorstellten. In dieser Ladenzeile auf dem Südteil des Grundstücks wird die Nospa am kommenden Montag ihre neue Filiale eröffnen – dann ist der Neubau vollständig belegt. Die Mieter im Neubau sind von der Kündigungswelle nicht betroffen. Sie haben ihre Verträge direkt mit Newport geschlossen.

Die Inhaber der kleinen Läden im Altgebäude hingegen sind Untermieter von Real. Eigentlich sollen auch sie von den Kunden profitieren, die die neue Ladenzeile anlockt. Aber nicht alle sind davon überzeugt, dass das funktioniert. „Die Leute sind bequem. Wer mit dem Auto vor dem Zoogeschäft hält, kommt deswegen noch lange nicht rüber zu uns“, meint eine Geschäftsinhaberin.

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erstellt am 13.Jun.2017 | 16:33 Uhr

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