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Schleswiger Nachrichten

20. August 2017 | 21:48 Uhr

Süderbrarup : Unkraut und kaputte Gleise

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Süderbrarups Bahnhof steht in der Kritik: Der Bürgermeister, Einwohner und Reisende ärgern sich über die Untätigkeit der Deutschen Bahn. Der neue Bahnsteig, der noch nicht genutzt wird, ist mit Unkraut überwuchert, überall liegen Gleis- und Metallteile herum.

„Es ist unverantwortlich, wie hier mit Staatseigentum umgegangen wird.“ Die Verärgerung von Johannes-Peter Henningsen ist verständlich. Er ist Eigentümer des Süderbraruper Bahnhofsgebäudes, hat in die Renovierung viel Geld gesteckt und muss nun erkennen, dass sein Bahnhof an einer der ungepflegtesten Flächen in Süderbrarup liegt. Der Blick aus dem Bahnhofsbistro „Gleis 4“ fällt auf Schotter- und Erdhügel, daneben abgerissene Gleisstücke, Schwellen und Metallteile, alles durcheinander und von viel Grün durchsetzt.

Als erstes fällt ein neu gebauter Bahnsteig ins Auge, der noch über keine Anbindung verfügt, dessen Beleuchtungsanlage nur aus Lampenmasten besteht und auf dessen gesamter Fläche das Unkraut aus den Bahnsteigplatten wuchert. Hinter dem Bahnsteig wird es noch schlimmer. Dort, wo von 1883 bis 1972 die Kreisbahn fuhr und viele Jahrzehnte reger Güterverkehr herrschte, hat die Deutsche Bahn (DB) der Museumsbahn, die seit vielen Jahren den Bahnhof Süderbrarup mit Kappeln verbindet, die Gleise und den Bahnsteig weggerissen und den Gleisanschluss zur Hauptgenossenschaft gekappt. Dort stehen nun Reisezugwagen der Angelner Dampfeisenbahn und können nicht bewegt, nicht aufgearbeitet und genutzt werden.

Eigentlich sollte ein Bahnhof das Aushängeschild eines Ortes sein, doch der Bahnhof Süderbrarup ist eher ein Negativbeispiel. Einige Reisende formulieren es noch schärfer und sprechen von einer „Schande“. Seit einigen Jahren wird versucht, das bisherige Gemeinschaftseigentum von Bahn und Kreis aufzulösen und die Eigentumsverhältnisse neu zu verteilen. Johannes-Peter Henningsen kennt die Problematik, weil er als Bürgermeister mit der Deutschen Bahn lange Zeit über eine Neuregelung verhandelt hat.

Auch Süderbrarups amtierender Bürgermeister Friedrich Bennetreu ist nicht glücklich über den Anblick der Bahnanlage mitten im Ort. Der Zustand sei nicht nur für die Gemeinde untragbar, auch die Deutsche Bahn sei gut beraten, ihr Bild nicht durch eine derartig ungepflegte Anlage prägen zu lassen. Auch Bennetreu wünscht sich, dass die Bahn etwas tut, um das optische Bild dort zu verbessern. Der Gebietsaustausch sei noch nicht vollzogen worden, weil die Deutsche Bahn sich in Bezug auf die kontaminierten Flächen der Verantwortung entzieht und dies auch nicht auf den Kaufpreis umlegen wolle, so Bennetreu.

Bei der Deutschen Bahn sieht man die Lage weniger dramatisch. DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis schiebt das Problem auf das immer noch nicht genehmigte neue elektronische Stellwerk in Eckernförde. Bevor die neue Stellwerktechnik nicht laufe, könne die Signaltechnik in Süderbrarup nicht in Betrieb gehen. Das heißt, der neue Bahnsteig wird erst dann in Betrieb genommen, wenn das Stellwerk seine Arbeit aufnimmt. Bis dahin wird weiterhin nur das Unkraut den Bahnsteig bevölkern.

Dass es auch anders geht, hat die Deutsche Bahn in den vergangenen Monaten aber im 15 Kilometer nördlich von Süderbrarup gelegenen Sörup bewiesen. Dort hat das Unternehmen einen modernen, ansprechenden Bahnsteig gebaut, der auch über eine behindertengerechte Zuwegung verfügt. Die Frage, warum das alles in Süderbrarup nicht möglich ist, blieb von der Deutschen Bahn jedoch unbeantwortet.

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