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Neue Gruppe in Schleswig : Ungewollt kinderlos: „Ein Tabuthema“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Krankenhaus-Pastorin Kerstin Jakobi gründet Gesprächsgruppe zu einem Problem, mit dem sie selbst Erfahrungen hat.

von
erstellt am 08.Okt.2017 | 07:50 Uhr

„Paare, die sich ein Kind wünschen und keines bekommen, fühlen sich oft alleine gelassen“, sagt die Schleswiger Krankenhaus-Pastorin Kerstin Jakobi. Ungewollt kinderlos zu sein, sei in Deutschland immer noch ein Tabuthema – und das, obwohl ungefähr jedes siebte Paar ohne eigenen Nachwuchs bleibt.

Ihr begegnet dieses Thema immer wieder in Seelsorgegesprächen – und auch sie selbst hat keine Kinder. Gemeinsam mit Ute Jacobsen, die in der Schwangeren-, Erziehungs- und Lebensberatung des Diakonischen Werkes tätig ist, hat sie nun die Gruppe „Ungewollt kinderlos – und nun?“ gegründet, die sich in dieser Woche zum ersten Mal getroffen hat.

Die Sozialpädagogin Ute Jacobsen weiß, dass ein Austausch in einer Gruppe äußerst hilfreich sein kann, denn hier stoßen die Paare auf emotionales Verständnis. Sie sagt: „Freunde oder gar die eigenen Eltern, die sich vielleicht selbst sehnlich ein Enkelkind wünschen, sind oft nicht die richtigen Ansprechpartner. Den Schmerz, der hinter einer ungewollten Kinderlosigkeit stecken kann, können Nicht-Betroffene nur schwerlich nachempfinden.“

In der Gruppe finden ungewollt kinderlose Paare einen geschützten Raum und Zeit, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie erfahren Annahme und Begleitung und treffen auf andere Betroffene. „Zu merken, dass man mit einem Problem nicht alleine ist, ist oft der erste Schritt“, sagt Ute Jacobsen.

Ganz unabhängig vom Alter sei der Leidensdruck, kinderlos zu sein, oft hoch, berichtet Kerstin Jakobi. Sie sagt: „In anderen Lebensbereichen kann man durch Anstrengung etwas erreichen. Bei der ungewollten Kinderlosigkeit stoßen Paare an eine Grenze – manchmal sofort, wenn man davon erfährt, manchmal auch erst Jahre später, wenn man beim Thema Enkelkinder nicht mitreden kann oder es niemanden gibt, der zur goldenen Hochzeit die Girlande aufhängt.“ Die Gruppe soll helfen, einen angemessenen Umgang mit der ungewollten Kinderlosigkeit zu entwickeln, Entlastung zu erfahren und Trauer zu verarbeiten. Sie bietet aber auch die Möglichkeit, neue Perspektiven und Handlungswege für sich und die Partnerschaft zu entdecken.

Die Gruppe trifft sich immer am ersten Donnerstag des Monats von 19 bis 20.30 Uhr in der Beratungsstelle für Erziehungs-, Familien- und Lebensfragen des Diakonischen Werkes in der Norderdomstraße 6. Anmeldung bei Ute Jacobsen unter Tel. 0  46  21  /  38  11  22.

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