Kreis Schleswig-Flenbsburg : Ungewöhnlich viele Reh-Unfälle

Todesfalle Straße: Am Montag und gestern meldete die Polizei innerhalb von 22 Stunden elf Unfälle mit Rehen.
Todesfalle Straße: Am Montag und gestern meldete die Polizei innerhalb von 22 Stunden elf Unfälle mit Rehen.

Erntezeit, Brände und Paarung treiben die Tiere in die Flucht – und auf die Straße.

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11. Juli 2018, 08:10 Uhr

In der Leitstelle der Polizeidirektion Flensburg gehören Wildunfälle zum Tagesgeschäft. „Solche Meldungen bekommen wir jeden Tag auf den Tisch“, berichtet Pressesprecherin Sandra Otte, „häufig sogar mehrfach.“ Was sich aber in den vergangenen Tagen auf den Straßen des Kreises Schleswig-Flensburg abgespielt hat, stellt auch für die erfahrene Polizistin eine neue Dimension dar. Zwischen Montagnachmittag und gestern früh wurden der Leitstelle elf Verkehrsunfälle mit Rehen gemeldet – in Sieverstedt, Sörup, Bollingstedt, Dollerup, Steinfeld, Handewitt, aber auch im nordfriesischen Ahrenviöl und Schwesing. „Das ist schon außergewöhnlich“, erklärt Sandra Otte. Menschen kamen bei den Unfällen nicht zu Schaden, sechs der angefahrenen Tiere aber verendeten an der Unfallstelle, fünf weitere flüchteten verletzt.

Peter Hahn aus Steinbergkirche, Vorsitzender der Jägerschaft Flensburg, überraschen die Zahlen nicht. Er weiß, dass von den rund 50 000 Rehen, die jedes Jahr in Schleswig-Holstein getötet werden, etwa 10 000 dem Straßenverkehr zum Opfer fallen. Im Kreis Schleswig-Flensburg belief sich die „Strecke“ beim Rehwild in der Jagdsaison 2016/17 auf genau 6872 Stück. „Knapp ein Drittel der Tiere stirbt auf unseren Straßen“, sagt Hahn.

Und er hat auch Begründungen dafür, dass es gerade um diese Jahreszeit zu so vielen Unfällen kommt. „Das liegt in erster Linie daran, dass die Erntezeit begonnen hat – es sind viele Menschen und Gerätschaften unterwegs. Das Wild wird aufgeschreckt und flüchtet – leider auch auf die Straßen.“ Zudem komme es durch die anhaltende Trockenheit zunehmend zu kleineren Flächenbränden. „Die Tiere haben einen sehr guten Geruchssinn. Und Brandgeruch ist für sie das Signal zur Flucht. Auch das kann zum Anstieg der Unfallzahlen beitragen. Und dann kommt noch die beginnende Paarungszeit hinzu, die die Tiere in Aufregung versetzt und die zu Rangkämpfen führt.“

Zwar gebe es Wildzäune und Reflektoren, die verhindern sollen, dass Tiere die Straßen überqueren, aber die nützen nur wenig, wenn erst einmal der Fluchtreflex eingesetzt hat. Eine Patent-Lösung für das Problem hat der Flensburger Jäger-Chef nicht. Er rät den Autofahrern allerdings, die Hinweisschilder auf Wildwechsel ernst zu nehmen, die in Abstimmung mit den Jägern an besonders gefährlichen Stellen aufgestellt werden. Besondere Vorsicht ist abends in der Dämmerung und im Morgengrauen geboten: „Dann ist das Wild besonders aktiv, weil es auf der Suche nach Futter wandert“, erklärt Hahn. Auch sollten Autofahrer an besonderen Äsungsflächen den Fuß vom Gaspedal nehmen. Die allerdings sind nicht einfach zu erkennen, wie der Fachmann zugibt: „Wenn beispielsweise irgendwo Bohnen angebaut werden, sind Rehe in der Regel nicht weit.“

Die Polizei weist im Zusammenhang mit den sich häufenden Unfällen darauf hin, jederzeit vorsichtig und bremsbereit zu fahren. Zeigen sich Tiere auf der Fahrbahn, sollte man das Licht abblenden und bremsen, im Zweifel auch anhalten – Wildtiere seien in ihrem Verhalten unberechenbar. Und: lieber kontrolliert mit dem Wild kollidieren als unkontrolliert auszuweichen und gegen einen Baum zu fahren.

Ist es zu einem Unfall gekommen, muss die Unfallstelle abgesichert und die Polizei gerufen werden. Auf keinen Fall ein getötetes Tier mitnehmen – wer dagegen verstößt, macht sich wegen Jagdwilderei strafbar.

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