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Landgericht Flensburg : Überraschung im Hammerschläger-Prozess

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein 25-jährigen Schleswiger soll seine Ex-Freundin erschlagen haben. Am dritten Verhandlungstag in Flensburg sagte die Mutter des Angeklagten aus.

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erstellt am 27.Sep.2013 | 07:45 Uhr

Am Ende ihrer Zeugenaussage ging die Mutter des Angeklagten zum Vorsitzenden Richter Michael Lembke und stellte ihm eine Frage. Ganz leise, so dass niemand sonst im Flensburger Schwurgerichtssaal sie hören konnte. „Ja, selbstverständlich“, antwortete Lembke. Dann erst wagte die 52-jährige Frau aus Schleswig, die wenigen Schritte bis zur Anklagebank zu gehen und ihren Sohn in den Arm zu nehmen. Ihr Sohn sitzt seit fast genau einem halben Jahr in Untersuchungshaft. Seit dem Sonntag vor Ostern, an dem er seine Ex-Freundin mit einem Hammer erschlug.

Wie die Tat in der ehemals gemeinsamen Wohnung des Paares im Stadtteil St. Jürgen abgelaufen ist, das war nach zwei Verhandlungstagen vor dem Landgericht weitgehend klar. Gestern am dritten Tag ging es um die Vorgeschichte. Es hatte immer wieder Streit gegeben. Oft ging es dabei um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter, die am Tag der Tat anderthalb Jahre alt war und offenbar mit ansehen musste, wie ihr Vater ihre Mutter totprügelte.

Freunde berichteten nun, wie sie das zuletzt zerrüttete Verhältnis zwischen den beiden 25-Jährigen wahrgenommen hatten. Das meiste, was die Prozessbeteiligten dabei hörten, kannten sie schon aus den Ermittlungsakten. Auch was die Mutter des Täters über ihren Sohn sagte: Dass sie seinen Alkoholkonsum als problematisch empfand, dass er immer wieder in Schlägereien verwickelt war, dass er schon als Kind schwierig war und sich mit den Fäusten wehrte, wenn seine Mitschüler ihn hänselten, weil er so dick war.

Eine Sache, die die Mutter erzählte, stand aber offenbar nicht in den Akten: Einige Wochen vor der Tat soll das spätere Opfer ein paar Bekannte angestiftet haben, ihren Ex-Freund, also den Angeklagten, einzuschüchtern und mit einer Waffe zu bedrohen. Verteidiger Burkhard Gerling notierte sich sogleich die Adressen der möglicherweise Beteiligten. Sie könnten nun für einen der folgenden Prozesstage als Zeugen geladen werden.

Offenbar fürchtete die junge Frau, dass sie das Sorgerecht für ihre kleine Tochter verlieren könnte. Nach der Trennung hatte sich der Angeklagte an das Jugendamt gewandt und argumentiert, der neue Partner seiner Ex-Freundin sei ein „stadtbekannter Drogendealer“, und seine Tochter gerate deshalb in ein gefährliches Milieu.

Aber dass dieser Streit ein so böses Ende nahm, sagte die Mutter, „das kann ich bis heute nicht verstehen“. Der Prozess vor der Ersten Großen Strafkammer des Flensburger Landgerichts wird heute um 9.15 Uhr fortgesetzt.

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