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Tankstellen-Überfall in St. Jürgen : Überraschendes Alibi von der Mutter des Angeklagten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eigentlich hätte am Dienstag das Urteil fallen sollen. Aber jetzt dauert der Prozess gegen zwei Männer, die die Team-Tankstelle in Schleswig-St. Jürgen überfallen haben sollen, noch mindestens bis November.

Eigentlich hätte gestern das Urteil fallen sollen im Landgerichts-Prozess gegen zwei junge Männer, denen vorgeworfen wird, im Januar des vergangenen Jahres die Team-Tankstelle im Gewerbegebiet St. Jürgen überfallen zu haben. Doch es kam anders. Einer der beiden Angeklagten präsentierte eine neue Zeugin, und die verschaffte ihm ein Alibi. Es war seine Mutter.

Die 57-jährige Frau, die in einem Dorf in Südangeln lebt, berichtete, ihr 24-jähriger Sohn sei am fraglichen Tag bei ihr zu Hause gewesen. Nach ihrer Darstellung haben Mutter und Sohn zur Tatzeit zwischen 21.30 und 22 Uhr gemeinsam bei McDonald’s an der Schleidörferstraße Chicken-Burger gegessen. Danach habe sie ihren Sohn zu einem Freund in den Friedrichsberg gefahren. Den Namen dieses Freundes wollte der Angeklagte jedoch nicht nennen. „Den möchte ich da nicht mit reinziehen“, sagte er.

Die Richterin reagierte skeptisch. Sie wollte vom Angeklagten wissen, warum er all das weder bei der polizeilichen Vernehmung noch während der vorherigen Verhandlungstage vor Gericht erzählt habe. Seine Antwort: „Ich habe lange Zeit gar nicht gewusst, dass gegen mich ermittelt wurde.“

Tatsächlich hatte die Polizei zunächst nur seinen Mitangeklagten in Verdacht. Zeugen hatten ihn auf einem Bild der Überwachungskamera erkannt, das nach dem Überfall in den Schleswiger Nachrichten veröffentlicht wurde. Erst einen Tag, nachdem ein Spezialeinsatzkommando seine Wohnung gestürmt hatte, meldete er sich noch einmal bei der Polizei und gab nun an, dass er einen Komplizen gehabt habe, der an der St. Jürgener Straße Schmiere gestanden habe – und außerdem der „Auftraggeber“ für den Überfall gewesen sei.

Zeugen dafür gibt es nicht. Nun hat das Gericht einen zusätzlichen Verhandlungstermin im November anberaumt, um mehrere gemeinsame Bekannte der Angeklagten zu befragen.

Dabei wird auch zu klären sein, welche Rolle ein 27-jähriger mutmaßlicher Drogendealer spielt, der im Sommer wegen des Überfalls auf Mitarbeiterinnen des Fisch-Bistros am Hafen verurteilt worden war. Der Angeklagte, der auf der Überwachungskamera zu sehen war, soll bei ihm Schulden gehabt haben. Die Polizei hat ein Telefongespräch zwischen den beiden abgehört, in dem sie sich darauf verständigten, den Namen des Komplizen bei der Polizei zu nennen. „Der hat selber auch schon andere Leute verpfiffen, das weiß ich aus eigener Erfahrung“, sagte der Dealer.

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erstellt am 23.Sep.2015 | 07:35 Uhr

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