zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

16. August 2017 | 21:42 Uhr

A7-Baustelle : Überraschende Landpartie

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die A7 wurde gestern fünf Stunden lang in Richtung Norden voll gesperrt. Grund: Im Bereich der Baustelle an der Abfahrt Jagel ist der Asphalt aufgebrochen. Lkw-Kolonnen mussten sich durch Brekendorf und Selk quälen.

Auf der zwei Kilometer langen Großbaustelle vor der Autobahnabfahrt Jagel herrscht zwar Ruhe, dennoch sorgte sie gestern über das seit Monaten bekannte Maß hinaus für Verkehrsbehinderungen – nicht auf der Autobahn selbst, sondern auf der Kreisstraße zwischen Brekendorf und Busdorf. Über die Ausweichroute nämlich quälte sich fünf Stunden lang der Verkehr in Richtung Norden. Die A7 war für diesen Zeitraum wegen kurzfristig anberaumter Bauarbeiten einseitig voll gesperrt worden.

Der zuständige Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) war keineswegs glücklich damit, den Bürgern von Brekendorf und Selk mitten in der Woche den Lkw-Verkehr durchs Dorf zu leiten, doch in der Flensburger Behörde sah man angesichts der Dringlichkeit der Arbeiten keine Alternative. „Eigentlich wollten wir die Arbeiten am kommenden Sonntag angehen, aber dann hätten wir kein Material mehr bekommen“, betont Behördenleiter Karl-Heinz Roos. Asphaltmischwerke arbeiten nämlich im Winter nicht. Bevor das letzte schließt, habe der LBV die Chance genutzt, den benötigten Spezialasphalt in letzter Sekunde zu ordern – „deshalb diese Hauruck-Maßnahme“.

Mit dem Material sollen Risse gefüllt werden, die sich im Bereich der Baustellenzufahrt gebildet haben. Wo der Verkehr am Beginn der Baustelle von der Nord- auf die Südfahrbahn geleitet wird, musste der Mittelstreifen provisorisch asphaltiert werden. Dieses Provisorium ist durch Witterungseinflüsse und Verkehrsbelastung derart in Mitleidenschaft gezogen worden, dass vor allem für Motorradfahrer Lebensgefahr besteht, wenn sie diese Stelle passieren. Es haben sich tiefe Längsrillen gebildet, die sich durch eindringendes Wasser und Frost rasch ausbreiten. „Das ist, als würde man mit den Rädern in Straßenbahnschienen geraten“, sagt Roos. Zwar seien derzeit kaum Motorradfahrer unterwegs, dennoch greife die Verkehrssicherungspflicht. Ross: „Es reicht ja, wenn einer stürzt und ums Leben kommt. Dann sind wir dran.“ Deshalb wurden die Risse gestern mit dem letzten Asphalt dieses Winters gefüllt.

Dass es an dieser Stelle zu so starker Überanspruchung der provisorischen Fahrbahn kommen konnte, resultiert aus der Verzögerung der Bauarbeiten an der Nordfahrbahn. Eigentlich sollte die im September begonnene Sanierung der Autobahndrainage schon zu Weihnachten abgeschlossen sein, sagt Roos. Doch es habe unerwartete Schwierigkeiten gegeben. Da ein Teil der Drainage in einer Tiefe von 5,50 Meter verlaufe, war klar, dass man auf Grundwasser treffen würde, doch die Menge sei dann doch überraschend gewesen. Hatte die beauftragte Fachfirma ursprünglich mit dem Einsatz von drei Pumpen gerechnet, so sind nach Aussage Roos’ letztlich 21 Geräte nötig gewesen, um das auftretende Grundwasser abzupumpen.

Warum die Experten bei ihren Schätzungen so weit daneben lagen, ist noch nicht klar. Die Ursachenforschung habe man zunächst hintan gestellt, sagt Roos: „Wir haben zunächst die ganze Kraft darauf verwendet, die Baustelle voranzutreiben.“ Das gelang nur bedingt, so dass sich die Baustelle nun im Winterschlaf befindet. Vor April werden die Arbeiten nicht beendet sein, so die aktuelle Prognose. Das hat nicht nur ärgerliche Folgen für die Autofahrer, sondern auch für das Land, denn die zwei Millionen Euro, die ursprünglich als Kostenrahmen kalkuliert worden waren, werden nicht zu halten sein. Roos: „Längere Bauzeit, Aufrechterhaltung der Verkehrsführung, dreimal so viele Pumpen – die Baustelle wird um einiges teurer.“

Die Drainagen an der Autobahn müssen saniert werden, weil sie undicht sind und offenbar so viel Wasser austrat, dass die Fahrbahn in Richtung Norden stark unterspült wurde und sich tiefe Wellen bildeten, die manchem Autofahrer bei schneller Durchfahrt einen kurzen Moment der Schwerelosigkeit bescherten. Und das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben. Denn selbst wenn die Drainage voraussichtlich im Frühjahr wieder zuverlässig ihre Arbeit versieht, wird die Fahrbahn noch nicht ausgebessert werden können. Zuvor muss sich das Erdreich setzen, erst dann können Unterbau und Asphaltschicht der Fahrbahn erneuert werden. Zudem: Ist die eine Seite fertig, soll irgendwann die Südfahrbahn folgen. Wann das allerdings sein werde, sagt Roos, sei noch nicht absehbar. 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 06.Feb.2015 | 07:28 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen