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Sexueller Missbrauch : Übergriffe auf alte Frauen: Kaum Daten, viel Schweigen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sexuelle Gewalt gegenüber alten Menschen ist nach wie vor ein Tabu-Bereich. Nur wenige wissenschaftliche Studien beschäftigen sich mit dem Thema, statistische Erhebungen gibt es aus verschiedenen Gründen kaum. Nach einer Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (2005), in der Senioreneinrichtungen, Frauenhäuser, Notrufe und Opferhilfestellen befragt, Gerichtsakten herangezogen und Medienberichte ausgewertet wurden, ist allerdings davon auszugehen, dass Fälle sexueller Gewalt gegenüber älteren Frauen „in besonderem Maße der Polizei verborgen bleiben“. Gerade bei älteren Frauen gebe es eine besonders ausgeprägte Scham, über sexuelle „Viktimisierung“ (Zum-Opfer-Werden) zu sprechen. Vielfach wird von Ängsten berichtet, man würde den Schilderungen keinen Glauben schenken. Das gesellschaftliche Ausblenden der Möglichkeit, dass eine ältere Frau Opfer sexueller Gewalt werden kann, trägt aus Sicht der Experten dazu bei, dass viele dieser Delikte „im Dunkelfeld verbleiben“. Insbesondere in einer Pflegebeziehung, so heißt es in der Studie, sei die Chance für die Täter, die Tat zu verdecken, sehr groß.

Bei den polizeilich registrierten Fällen sexueller Übergriffe auf ältere Menschen, die von den Wissenschaftlern ausgewertet wurden, handelte es sich in zwei Dritteln aller Fälle um exhibitionistische Handlungen, nur in einem Drittel der Fälle üben die Täter physische Gewalt aus. Nur in der Hälfte der Gewaltfälle wurde die Tat durch das Opfer selbst angezeigt. Über Befragungen wurden 178 Fälle untersucht, davon waren nur sieben, in denen die Täter aus Heil- oder Pflegeberufen kamen. In den meisten Fällen vergriffen sich Familienangehörige beziehungsweise Lebenspartner an den alten Frauen.

Beim Pflege-Not-Telefon Schleswig-Holstein sei man zwar auf solche Fälle eingestellt, sagt Leiterin Anke Buhl (Awo), doch zu verzeichnen seien Notrufe wegen sexueller Delikte in der Vergangenheit nicht. Die Kriminalitätsstatistik 2013 für den Kreis belegt, dass die meisten Opfer von Straftaten zwischen 21 und 60 Jahre alt waren, nur knapp sechs Prozent waren älter. Bei den registrierten Sexualdelikten im Bereich der Polizeidirektion Flensburg waren 85,2 Prozent der 229 Opfer weiblich. Bei den über 60-Jährigen wurde 2013 kein sexueller Übergriff erfasst. Die Aufklärungsquote bei den Sexualdelikten lag bei 87,3 Prozent. 31 Vergewaltigungen und sexueller Nötigungen wurden angezeigt.

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erstellt am 03.Feb.2015 | 07:44 Uhr

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