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Familienzentrum : Überforderte Eltern sollen Hilfe bekommen

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Stadt Schleswig plant neue Beratungsstellen in Kindergärten. In vier Landgemeinden im Kreis gibt es so etwas bereits.

Zwei traurige Fälle aus der jüngsten Vergangenheit zeigen besonders drastisch, wie tragisch es enden kann, wenn junge Eltern überfordert sind. Im Februar 2012 schüttelte ein 30-jähriger Vater sein zwei Monate altes schreiendes Baby so lange, bis es tot war. Im März 2013 erschlug ein 26-Jähriger Mann seine Ex-Freundin mit einem Hammer. Die beiden hatten sich um das Sorgerecht für ihre gemeinsame zweijährige Tochter gestritten.

Beide Taten ereigneten sich in St. Jürgen. Einrichtungen wie der Kinderschutzbund, das in Kappeln ansässige Sozial-Forum oder auch die Domgemeinde arbeiten schon lange intensiv in dem Problem-Stadtteil, um jungen Menschen Perspektiven zu geben. Was fehlt, ist eine Anlaufstelle für junge Eltern, in der sie sich angstfrei Hilfe holen können, wenn sie sich überfordert fühlen. Das soll sich nun ändern. Mit Unterstützung vom Kreis Schleswig-Flensburg soll ein Familienzentrum entstehen. Angedockt an einen Kindergarten, sollen die Eltern hier ebenso Ratschläge in einfachen Erziehungsfragen bekommen wie Unterstützung bei ganz großen Problemen.

In Kropp, Satrup, Süderbrarup und Schafflund gibt es so etwas bereits. Die Stadt Schleswig hatte Angebote des Kreises, auch hier ein Familienzentrum zu bezuschussen, bislang nicht angenommen. Zunächst einmal müsse man untersuchen, ob und wo überhaupt Bedarf bestehe, waren sich die Frakionen im Sozialausschuss vor zwei Jahren einig.

Inzwischen ist eine solche Untersuchung tatsächlich im Gange. Im Herbst 2012 beschloss der Sozialausschuss, eine „Sozialraumplanung“ in die Wege zu leiten. Bis Anfang des kommenden Jahres sollen die Ergebnisse vorliegen. Auf der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses wurde deutlich, dass offenbar niemand mehr daran zweifelt, dass in St. Jürgen Handlungsbedarf besteht. Für das kommende Jahr soll nun Geld für zwei Familienzentren im Stadtgebiet beantragt werden. Robert Kischkat, Fachdienstleiter für Bildung und Familie in der Stadtverwaltung, betont: „Wenn wir den Zuschlag erhalten, bedeutet das nicht, dass wir etwas bauen. Es besteht die Möglichkeit, ein Familienzentrum zum Beispiel in einer Kita einzurichten.“ Außerdem müsse die Stadt nicht selbst der Träger sein, sonder dies könne auch ein Verein oder ein Verband sein.

Dass mehrere ländliche Gemeinden bei diesem Thema schneller waren als die Kreisstadt, hält Rathaus-Fachbereichsleiterin Julia Pfannkuch für nachvollziehbar: „Man muss verstehen, dass Entscheidungsfindungen in der Stadt schwieriger sind als auf dem Dorf.“ Auch Bürgermeister Arthur Christiansen unterstützt das noch vor seinem Amtsantritt beschlossene Vorgehen, zunächst die Strukturen unter die Lupe zu nehmen: „Es macht wenig Sinn, tausend kleine Projekte parallel laufen zu haben.“ Stattdessen müsse man die vorhandenen Angebote aufeinander abstimmen.

Eine bedeutende Rolle könnte in diesem Punkt dem Verein Schutzengel zukommen. Alarmiert von den Berichten über Kinderarmut in Schleswig, hatte der Flensburger Verein vor einem Jahr in einem anderem Problemstadtteil – nämlich im Friedrichsberg-Süd – eine Außenstelle in einer Mietwohnung eingerichtet – unabhängig von Stadt- und Kreisverwaltung und unterstützt von der VR Bank Flensburg-Schleswig und mit viel ehrenamtlichem Engagement. Was der Verein dort leistet, kommt dem Modell eines Familienzentrums bereits sehr nahe.

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erstellt am 15.Sep.2014 | 07:45 Uhr

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