Schleswig : Über 150 Klinikmitarbeiter protestierten

Jede Zahl  für einen fehlenden Klinikmitarbeiter – bundesweit sind dies laut Verdi 162  000. Die Zahl 1 hält Krankenpflegerin und Gewerkschafts-Vertrauensfrau Gunhild Werling in Händen.
Jede Zahl für einen fehlenden Klinikmitarbeiter – bundesweit sind dies laut Verdi 162 000. Die Zahl 1 hält Krankenpflegerin und Gewerkschafts-Vertrauensfrau Gunhild Werling in Händen.

Beschäftigte des Schleswiger Helios-Klinikums beteiligten sich am Mittwoch an der Aktion der Gewerkschaft Verdi.

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25. Juni 2015, 07:41 Uhr

Protest gegen Personalmangel in deutschen Krankenhäusern – auch in Schleswig war die Beteiligung hoch. Während ihrer Mittagspause haben gestern mehr als 150 Mitarbeiter des Schleswiger Helios-Klinikums an der Aktion der Gewerkschaft Verdi teilgenommen. Von ihr organisiert wurde eine durch das ganze Land reichende Protestkette, bei der Klinik-Mitarbeiter von Schleswig-Holstein bis Bayern an den Krankenhaus-Standorten Position bezogen. Dabei sollte der Personalmangel öffentlich sichtbar gemacht werden – indem jeder Demonstrant für einen fehlenden Klinik-Mitarbeiter eine Zahl von 1 bis 162  000 auf dem Zettel vor sich her trug. Denn bundesweit fehlen in den Krankenhäusern laut Verdi 162  000 Beschäftigte. Das gilt für verschiedene Klinikbereiche, vom Arzt über den Pfleger bis zur Servicekraft. „Wir wollen eine gesetzliche Personalbemessung für Krankenhäuser“, forderte Verdi-Vertreter Karl-Heinz Pliete gestern vor der Helios-Klinik. Vehement werde man sich sich gegen den vorgelegten Entwurf für ein Krankenhaus-Strukturgesetz wenden, den die Bundesregierung am 11. Juni veröffentlichte. Darin nehme die Bundesregierung die „dramatischen Auswirkungen der Personalnot nicht zur Kenntnis“. Der Entwurf müsse deshalb dringend nachgebessert werden. Pliete: „Wir fordern eine gesetzliche Regelung der Personalausstattung, und Krankenhäuser müssen dann kontinuierlich über ihre Personalausstattung berichten.“ Dass Helios seinen Mitarbeitern in Schleswig nicht erlaubt hatte, auf dem eigenen Gelände zu protestieren, sieht SPD-Landtagsabgeordnete Birte Pauls, wie sie gestern erklärte, „als armselig“ an. Die SPD unterstütze die Forderung nach mehr Personal und habe einen Antrag im Landtag gestellt.

Im Gegenzug verweist das Helios-Klinikum Schleswig in seiner Entgegnung darauf: „Allein mehr Personal einzusetzen löst das Thema der Arbeitsverdichtung nicht.“ Vielmehr müsse die Qualität der Zusammenarbeit durch mehr Teamarbeit wie auch die Qualifikation der Mitarbeiter verbessert werden. Zwar beschäftige Helios im Vergleich zu allen bundesdeutschen Krankenhäusern im Durchschnitt weniger Personal, erreiche aber trotzdem eine „deutlich bessere medizinische Qualität als im Bundesdurchschnitt“, erklärt Helios weiter. Und: „Das liegt an unserem Umgang mit dem Thema Arbeitsverdichtung.“

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