Türkischer Kulturverein: Es war kein ausländerfeindlicher Anschlag

Mustafa Kayar:  'Schreie der Kinder im Ohr'. Foto:  Bühmann
Mustafa Kayar: "Schreie der Kinder im Ohr". Foto: Bühmann

Als Ursache für das Feuer an der Moschee im Friedrichsberg schließt der Türkisch-Islamische Kulturverein einen ausländerfeindlichen Hintergrund gänzlich aus. Das Zusammenleben im Stadtteil sei ausgesprochen gut und entspannt, bestätigt auch der Friedrichsberger Bürgerverein.

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09. Juni 2009, 10:11 Uhr

Schleswig | - Das Feuer war am Freitag gegen 21.30 Uhr auf dem Gelände des Türkisch-Islamischen Kulturvereins an der Friedrichstraße ausgebrochen. Die von Nachbarn schnell herbei gerufene Feuerwehr konnte es rechtzeitig bekämpfen. Unter einer Holztreppe, wo Kartons für die Müllabfuhr gestapelt waren, hatten die Flammen nach Angaben von Anwohnern meterhoch zu lodern begonnen. "Besonders die Schreie der drei und sechs Jahre alten Kinder gehen mir nicht aus dem Kopf", sagte gestern Mustafa Kayar vom Kulturverein gegenüber unserer Zeitung. Die Kinder befanden sich zum Zeitpunkt des Brandes mit ihrer Mutter in dem Haus, unter dessen hölzerner Außentreppe das Feuer ausgebrochen war. Beunruhigt zeigte sich Mustafa Kayar darüber, dass es der mittlerweile siebte Brand innerhalb von sechs Jahren ist, unter dem der Kulturverein zu leiden hat. "Auf gar keinen Fall handelt es sich dabei um Ausländer feindliche Anschläge", meinte er. Vielmehr hege er einen "gezielten Verdacht gegen eine bestimmte Person". Über diesen nach seiner Meinung "sehr begründeten Verdacht" habe er die Schleswiger Kripo eingehend informiert - "doch leider scheint sie zu wenig in diese Richtung zu unternehmen".

Die Schleswiger Kriminalpolizei wollte gestern auf Nachfrage keinen Kommentar zum Ermittlungsstand im jüngsten Brandfall an der Friedrichsberger Moschee abgeben - nur die Flensburger Staatsanwaltschaft sei auskunftsberechtigt, hieß es. Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt erklärte auf Nachfrage, über das Ermittlungsergebnis könne es frühestens in einer Woche nähere Informationen geben.

Mustafa Kayar wohnt seit 30 Jahren in Schleswig, davon 25 Jahre an der Bahnhofstraße. "Und wohler als dort könnte ich mich an keinem anderen Ort fühlen, nicht mal in der Türkei", sagt der Familienvater von drei Kindern. Niemals habe er in der ganzen Zeit "auch nur eine Spur von Ausländerfeindlichkeit erlebt". "Nicht mal Graffiti an den Mauern der Moschee hat es in alle den Jahren gegeben", meint er. Der Kulturverein, in dem er sich engagiert, habe es sich zur Aufgabe gemacht, offen gegen jedermann zu sein. So würden auch häufig Schleswiger Schulklassen eingeladen, um die Moschee im Friedrichsberg kennen zu lernen.

Dass ständiger kultureller Austausch im Stadtteil von allen Seiten lebhaft betrieben wird, bestätigt Gunnar Motullo, Leiter der Bugenhagenschule und Vorstandsmitglied im Friedrichsberger Bürgerverein. Regelmäßig finden Feste der Begegnung statt. Zudem erinnert Motullo an die "starke Hilfsbereitschaft des Türkisch-Islamischen Kulturvereins".

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