zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

23. August 2017 | 16:06 Uhr

Schleswig : „Tschüs, mein liebes Café“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Barbara Sörensen hat ihr Antik-Café im früheren Volkskundemuseum auf dem Hesterberg endgültig geschlossen.

Elf Jahre lang war es ein festes Ritual. Jeden Tag, wenn Barbara Sörensen den Schlüssel umdrehte, die Tür aufmachte und über die Schwelle trat, sagte sie laut vor sich hin: „Guten Morgen, mein liebes Café.“ Und jetzt? Seit zwei Wochen ist alles aus und vorbei. Am Montag nun ist Schlüsselübergabe. Dann wird sie das letzte Mal durch die Räume ihres Antik-Cafés auf dem Hesterberg gehen. Noch einmal über die alten Möbel streichen und schließlich leise „Tschüs“ sagen. Und wenn sie danach vom Hof des ehemaligen Volkskundemuseums fährt, so viel weiß sie jetzt schon, „wird mir die eine oder andere Träne runterkullern“. Denn die Arbeit in ihrem Café – das war ihr Leben in den letzten elf Jahren. „Ich habe das immer mit viel Herzblut gemacht. Deswegen fällt mir der Abschied nicht leicht.“

Tatsächlich hat wohl gerade diese Leidenschaft dafür gesorgt, dass das kleine Café über die Jahre hinweg weit mehr wurde als ein Geheimtipp. Und so waren auch längst nicht all ihre Gäste zuvor im Volkskundemuseum, wenn sie sich eine Tasse Kaffee und ein Stück von Sörensens selbst gebackener Torte gönnten. Vielmehr steuerten es viele Schleswiger immer wieder gezielt an, um sich in der gemütlichen Atmosphäre oder dem schönen Garten einfach zu entspannen.

Mit dem Ende für das Volkskundemuseum im Frühjahr war aber auch das Aus für das Café besiegelt. Zwar konnte Barbara Sörensen noch bis bis zum letzten Tag, der 19. Oktober, regelmäßig und ausreichend Gäste begrüßen. Da auf dem Gelände bald aber die ersten Bagger und Handwerker anrücken, um hier ein neues Zentralarchiv für die Landesmuseen einzurichten, musste jetzt ein Schlussstrich gesetzt werden. „Auch wir bedauern das. Denn Barbara Sörensen hat mit ihrem Café dieses Areal über Jahre hinweg mit sehr viel Liebe und Engagement geprägt“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer der Landesmuseen, Guido Wendt. Umso mehr bedaure er, dass aus den Plänen, auf dem Hesterberg ein neues Kulturzentrum für Schleswig zu errichten, nichts geworden ist. „Denn für diesen Fall war schon sichergestellt, dass das Café hier bleibt.“

Nun aber gibt es kein Zurück mehr. Und auch wenn sie gerne weiter gemacht hätte und sie die Schließung des Volkskundemuseums und das Scheitern der Theaterpläne noch immer bedauert, verlässt Barbara Sörensen den Hesterberg nicht im Zorn. Im Gegenteil. Zum Abschied hat sie einen ihrer größten Schätze den Gottorfer Museumsmachern überreicht: eine großformatige historische Stadtansicht Schleswigs, die der Grafiker Peter Hakon Lingner in den 1980er Jahren anfertigte. „Mein verstorbener Mann Olaf, der dieses tolle Werk einst gekauft hat, wollte immer, dass es in Schleswig bleibt. Diesem Wunsch komme ich damit nach.“

Einen anderen Wunsch indes wird die 67-Jährige wohl nicht erfüllen. Obwohl sie in den vergangenen Monaten mehrfach bekniet worden sei, doch irgendwo anders in der Stadt ein neues Café aufzumachen. „Aber wenn man einmal so ein tolles Ambiente hatte, will man nichts anderes“, sagt sie mit einem deutlichen Klang von Wehmut in der Stimme. Mit ihrem Café, das sei einfach Liebe auf den ersten Blick gewesen.

Tatsächlich ging alles ganz schnell, nachdem sie vor elf Jahren mit ihrem Enkelkind und ihrem Mann zum ersten Mal das Volkskundemuseum besucht hatte. „Als wir über das Gelände schlenderten, stand ich plötzlich vor diesem Café, das damals schon länger geschlossen war. Da habe ich reingeschaut und gesagt: Das ist meins. Zwei Wochen später habe ich eröffnet.“

Nun aber werden ihre Stammgäste auf die Auswahl von über 50 Torten verzichten müssen. „Das ist nicht einfach“, sagt auch Volkskunde-Leiter Guntram Turkowski, der in den Jahren ein ganz besonders enges Verhältnis zu Barbara Sörensen aufgebaut hatte. „Immer wenn ich Stress hatte, bin ich hierher gekommen, um Nervennahrung zu mir zu nehmen“, erzählt er. Und um einfach mal zu schnacken. Denn genau das hat Barbara Sörensen an ihrer Arbeit ganz besonders geliebt: den Austausch mit den Menschen. „Mein Herz blutet“, sagt sie nun mit Blick auf Montag, „denn das waren tolle elf Jahre.“

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 02.Nov.2014 | 07:25 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen