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Schleswiger Nachrichten

13. Dezember 2017 | 04:55 Uhr

Trio Limusin: Wenn Vivaldi auf Kästner trifft

vom

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

haddeby | Man kennt sie im Norden. Seit nunmehr zehn Jahren bestreiten die drei Künstler des Trio Limusin speziell in der Touristensaison einen Auftritt nach dem anderen - und doch wirkt jede Performance wieder frisch und begeistert ihr Publikum. So war das auch am Dienstagabend in der St. Andreaskirche von Haddeby.

"Antonio Vivaldi trifft Erich Kästner" hieß das Programm, das diesmal nur zwei Interpreten - Ihno Tjark Folkerts für Violine und Rezitation und Suren Anisonyan auf dem Violincello - benötigte. Zwar war der geistliche Raum nur zur Hälfte besetzt. Doch nach knapp zwei Stunden, unterbrochen von einer Pause mit Rotwein und Sekt, füllte riesiger Beifall das Kirchenschiff und die beiden Interpreten wurden erst nach drei Zugaben in die Nacht entlassen.

"Vivaldi trifft Kästner": Das klang auf den ersten Blick recht verwegen; immerhin liegen bald 250 Jahre zwischen Vivaldis 1712 geschaffenem barocken Konzertzyklus und Kästners "Dreizehn Monaten", einer Gedicht-Folge aus dem Jahr 1954. Doch die Werke der beiden Künstler passten, das wurde schnell klar, bestens zusammen. Nicht nur wegen der thematischen Übereinstimmung, sondern auch wegen ihres gemeinsamen, nachdenklichen, teils wehmütigen Tons.

Anisonyan und insbesondere Folkerts taten das Ihre, um Musik und Text miteinander in Beziehung zu setzen. Beide handhabten dabei ihre Instrumente virtuos. Anisonyan meist mit regungslosem Gesichtsausdruck, sozusagen ein Fleisch gewordenes Cello - während man an dem viel nervöseren Folkerts die Leidenschaft für den Vortrag von Musik und Wort ablesen konnte. Der so schlichte, Jahrhunderte alte Haddebyer Kirchenraum verstärkte diesen Eindruck nur noch.

Und plötzlich wurde deutlich, dass Vivaldis barockes Lebensgefühl mit seiner Sehnsucht nach Vitalität und zugleich der Erlösung durch den Tod gar nicht weit entfernt ist von Kästners pointiert formulierten heiter-bitteren Nachkriegs-Erfahrungen.

Schon bald ist das Trio Limusin, dann zu dritt, wieder in Haddeby präsent: am 17. August mit einem Stefan Zweig-Programm.

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